Ob sich der leichte Aufwärtstrend, der mit den Jahresbilanzen in Großbritannien und den USA zu erkennen war, auch in diesem Jahr bestätigen wird, bleibt vorerst fraglich. Die amerikanischen Verkaufszahlen in den ersten drei Monaten weisen zumindest ein deutliches Minus bei den Top-Veröffentlichungen aus. Die Top Ten des ersten Quartals 2005 verkauften insgesamt um 9,4 Prozent weniger Einheiten als die Charts-Spitze im Vergleichszeitraum des Vorjahres.
Laut Nielsen SoundScan kamen die zehn bestverkauften Alben in den ersten drei Monaten zusammen auf 11.757.366 Exemplare – im Jahr davor waren es noch 12.977.471 Stück. Dabei scheint die Mischung des angebotenen Repertoires ausschlaggebend für diese Entwicklung: Die Rapper 50 Cent und The Game, die mit „The Massacre“ und „The Documentary“ die beiden Topseller des ersten Quartals ablieferten, verkauften mit rund 2,8 Mio. bzw. 1,8 Mio. Einheiten jeweils mehr als ihre Pendants im Jahr davor. Damals kamen Norah Jones mit gut 2,3 Mio. Stück von „Feels Like Home“ und Kenny Chesney mit 1,4 Mio. Units von „Be As You Are“ nicht ganz an diese Höchstleistungen heran. Doch auf den Rängen dahinter wiesen die 2004er-Alben mehr Substanz an den Ladenkassen auf: OutKast verkauften von „Speakerboxxx/The Love Below“ mehr als Green Day von „American Idiot“ (1,35 bzw. 1,30 Mio.), Josh Grobans „Closer“ fand in jenen drei Monaten deutlich mehr Fans als Eminems „Encore“ (1,25 bzw. 0,85 Mio.) und „Fallen“ von Evanescence blieb klar vor „Get Lifted“ von John Legend (1,2 bzw. 0,8 Mio.).
Auch jeder der restlichen Titel der Top Ten aus dem ersten Quartal 2004 schnitt besser ab als die aktuellen Vierteljahresbesten. Labels und Händler bleiben deshalb vorsichtig mit ihren Prognosen für das zweite Quartal. Derzeit zeichnen sich keine Überflieger in den VÖ-Plänen ab. Mariah Careys „The Emancipation Of Mimi“ wird in der zweiten Verkaufswoche deutlich an Schwung verlieren, das Solodebüt „Something To Be“ von Matchbox20-Mann Rob Thomas dürfte nach ersten Trends auch unter 300.000 Einheiten in der ersten Woche bleiben und ob Kritikerlieblinge wie Weezer, Bruce Springsteen, Ben Folds oder Nine Inch Nails mit ihren demnächst erscheinenden Platten die angelaufenen Verluste wiedergutmachen können, bleibt fraglich.



