Musik

Urkundenfälschung: Krumme Touren für die Stones-Tour?

Die Hamburger Staatsanwaltschaft hat den Werbeagenturbetreiber Olaf Schnakenberg wegen Urkundenfälschung angeklagt. Er soll mit gefälschten Zahlungsgarantien der Holsten-Brauerei über insgesamt 30 Mio. Euro versucht haben, sich die Deutschland-Rechte an der Rolling-Stones-Tour 2003 zu erschleichen. Der
Beschuldigte bestreitet die Vorwürfe vehement.

Schnakenberg wurde von der Fachpresse noch vor einigen Jahren als „einer der profiliertesten Köpfe der deutschen Werbung“ gehandelt. Der Werbeprofi, der sich als Erfinder der erfolgreichen „Lucky Strikes“-Kampagne bezeichnet, war Mitbegründer der Agentur KNSK, die er nach dem Einstieg des Branchenkrösus BBDO 1997 verließ. Anschließend arbeitete er bei der Werbeagentur Lowe, Hoffmann, Schnakenberg, bevor er im Jahr 2000 die 12Cylinders AG gründete.

Von einem Gerät dieser Agentur wurden im Oktober 2002 die drei gefälschten Schreiben mit den angeblichen Zahlungsgarantien von Holsten verschickt, die jetzt Gegenstand des Prozesses sind. „Ich habe niemals mit der Holsten-Brauerei verhandelt. Jeder kann unser Faxgerät benutzt haben“, sagt der Beklagte dazu. Die Schreiben, die ein Holsten-Sprecher als „plumpe Fälschungen“ bezeichnet, gingen an einen früheren Geschäftspartner Schnakenbergs, den Hamburger Konzertveranstalter Johannes Wessels (MPG Music Pool) und sagen diesem eine Zahlungsgarantie für Ticket-Einnahmen und Sponsoring-Aktivitäten zu.

Wessels hatte sich um die Deutschland-Rechte an der Stones-Tour 2003 bemüht und hätte mit Hilfe der Holsten-Garantien gute Chancen gehabt, den Zuschlag zu erhalten. Für Schnakenberg, dessen Agentur bereits Werbe-Präsentationen und Eventkonzepte für die Stones-Konzerte erarbeitet hatte, wären dabei möglicherweise Aufträge abgefallen. Wessels bestreitet allerdings ebenso vehement wie Schnakenberg, irgendetwas mit den Faxen zu tun zu haben. Unter anderem weil der Name des angeblichen Unterzeichners, des Holsten-Marketingchefs Günter Ellenberg, falsch geschrieben war, wurde das Schreiben als Fälschung entlarvt.

Die Holsten-Brauerei erlitt nach Angaben des Sprechers durch die Aktion jedoch keinen wirtschaftlichen Schaden. Das Unternehmen Concert Productions International (CPI), das Inhaber der Deutschland-Rechte an der Stones-Tour war, ließ durch den Hamburger Anwalt Otmar Kury Strafanzeige gegen Schna- kenberg und Wessels stellen. Die Anzeige gegen Wessels wurde später zurückgezogen. Kury gibt sich von der Richtigkeit der Anklage überzeugt: „Unsere Angaben in der Strafanzeige und das Ergebnis einer richterlichen Durchsuchung haben für die Staatsanwaltschaft einen hinreichenden Verdacht ergeben.“ Nach Kurys Ansicht habe sich Schnakenberg nicht nur der Urkundenfälschung, sondern auch des versuchten schweren Betrugs schuldig gemacht. Olaf Schnakenberg sieht sich hingegen als Opfer einer „Rufmordkampagne“. Die Stones-Tour 2003 wurde schließlich von der Deutschen Entertainment AG durchgeführt. Eike Petering