Die meiste Beachtung bei den Konsumenten dürften bis dato die DVD-Singles „Music“ von Madonna und „Somethin‘ Stupid“ von Robbie Williams & Nicole Kidman gefunden haben – vermutlich vor allem aufgrund der starken Präsenz ihrer Interpreten. Ansonsten ist diese neue Form der Hitvermarktung, einzelne Videoclips auf DVD zu pressen, bislang eher ein Nebenschauplatz des Musik-DVD-Geschäfts. Und dies obwohl es manche Produktionen inzwischen in die Charts schafften. Zudem verfolgen die Companies zum Teil sehr unterschiedliche Strategien bei den Single-DVDs. Nach Meinung von Ralf Schalck, Director Catalog Marketing bei Sony Music, hängt „die weitere Entwicklung der DVD-Single davon ab, wie schnell der Anforderung des zeitgleichen Releases mit der CD-Version auf breiter Basis entsprochen wird“. Dies heißt laut Schalck, ab wann es Standard wird, den benötigten audiovisuellen Content gleich mitzuproduzieren. Er verspricht: „Wir sind auf jeden Fall hier weiter aktiv und werden beispielsweise die neue Oasis-Single auch in diesem Format veröffentlichen.“
Und auch Joe Hugger, Leiter DVD-Department bei BMG Ariola Media, sagt: „Wie bei den anderen DVD-Formaten arbeiten wir kontinuierlich mit diesem Medium. Die aktuelle Single von Westlife, „World Of Our Own“, hat zum Beispiel bereits zufriedenstellende Ergebnisse erzielt. BMG wird also auch in Zukunft Single-DVDs veröffentlichen und dieses Medium, so gut es geht, unterstützen.“ Unterdessen mausert sich EMI zu einem der kontinuierlichsten DVD-Single-Anbieter. Die Kölner haben neben „Somethin‘ Stupid“ bereits eine ganze Reihe veröffentlicht: 2002 gingen bereits Starsailor mit „Lullaby“ und „Poor Misguided Fool“, die Gorillaz mit „Tomorrow Comes Today“ und die Pet Shop Boys mit „Home And Dry“ an den Start.
Laut Dr. Carl Mahlmann, Director Planning GSA bei EMI, sind die Absatzzahlen zwar noch nicht im fünfstelligen, aber immerhin bereits „im vierstelligen Bereich angelangt“. Bei EMI und auch bei Virgin gibt es eine klare Ausrichtung, wohin es mit der DVD-Single gehen soll. Mahlmann: „Wir sehen DVD-Singles als zeitgemäßes Single-Format in Ergänzung zu Audio-Singles, also CD-Maxis. Die CD ist seit 1983 im Markt, und zwar technisch mehr oder weniger unverändert. Wenn man sich im Vergleich dazu die im Freizeitbereich konkurrierenden Medien wie zum Beispiel Kino, Film-Video, Games, PCs, Handys ansieht, fällt auf, dass dort erhebliche technische Verbesserungen stattgefunden haben. Deshalb ist es nur konsequent, wenn auch der Musikbereich mitzieht, und das DVD-Videoformat ist dazu bestens geeignet“. Für Mahlmann geht die Entwicklung dahin, dass sich „CD-Maxis als Standardtonträger darstellen“. In Ergänzung dazu müsse es DVD-Singles als hochwertig ausgestattete Premiumversionen geben. Mahlmann richtet nur eine Bitte an den Handel: „Wir würden uns wünschen, dass die Musik-DVDs noch mehr in den Racks bei den Musikprogrammen angeboten werden und nicht bei den Spielfilmen. Dann kann der Käufer sich sehr einfach entscheiden, ob er lieber die Standardversion als CD oder die Premiumversion als DVD erwerben möchte.“
Ähnlich empfindet Uta Niedenzu, Marketing Director Warner Vision Germany (WVG), die demnächst zwei neue Titeln, New Order mit „Here To Stay“ und A mit „Nothing“, vermarktet: „Sicher wäre es der Idealfall, im Handel eine Platzierung sowohl im DVD- als auch im Tonträgerregal zu bekommen. Da dies nicht immer möglich ist, wäre es zumindest wünschenswert, das Medium DVD-Single für den Konsumenten transparenter darzustellen. Wir leisten mit unserem ‚DVD-Video-Single“-Sticker einen Beitrag hierzu.“ Niedenzu ist vom Erfolg der DVD-Single überzeugt. Sie glaubt, dass die DVD das Zukunftsmedium der Branche ist: „Deshalb glauben wir auch an die Single-DVD. Warner Vision war der erste Anbieter, der mit Madonnas „Music“ eine DVD-Single veröffentlicht hat. Sie war mit 12.000 verkauften Units unser bis dato erfolgreichster Titel in diesem Bereich.“ Niedenzu sieht DVD-Singles als strategische Appetizer, mit denen der Konzern den Verbrauchern das Medium Musik-DVD schmackhaft machen will. „Um dies den Händlern zu verdeutlichen, haben wir seinerzeit deshalb auch einen Handelsfolder mit dem Slogan ‚Machen Sie Ihren Kunden Appetit!“ entwickelt.“
Konzertmitschnitt nur als Longplay
Trotz aller positiven Aussichten sind jedoch noch nicht alle Companies auf den DVD-Single-Zug aufgesprungen. Bei edel zum Beispiel spielen sie noch überhaupt keine Rolle. Jörn Seidel, Manager Distributed Labels, erklärt: „Unsere beiden Schwerpunkte – die hochwertige Dokumentation wie die ‚Classic Albums“ und aufwändige Konzertmitschnitte – passen nur auf Longplay-DVDs.“ Und Christine Stephan, Promotion Sanctuary Records, meint zwar, für den Pop-Bereich seien DVD-Singles sicherlich sehr ansprechend, zumal Videoclips „durch DVD viel mehr Sinn machen als bisher“. Dennoch wird es vorerst keine DVD-Singles aus ihrem Hause geben: „Sanctuary veröffentlicht nicht viele CD-Singles und von daher werden wir auch in absehbarer Zukunft keine DVD-Singles veröffentlichen.“



