“Man kann nicht mehr so einfach Geld ausgeben“, sagt House-Of-Music-Chef Alex Kilb. Rückläufige Umsätze betreffen auch die Dance-Branche, die Kilb jedoch nicht vor einem generellen Umbruch sieht. „Es gibt mehrere Möglichkeiten, Gelder einzusparen und trotzdem effektiv zu arbeiten.“ So war es bisher üblich, einen großen Teil der Marketing-Aufwendungen in die Produktion von Videoclips zu investieren. Als Geschäftsführer der Produktionsfirma Bongo Film, die Kilb zusammen mit dem Regisseur Volker Hannwacker betreibt und die jüngst etwa für den Clip zu „Boombastic“ von DJ Quicksilver vs. Shaggy verantwortlich zeichnete, kennt er das Problem auch von der anderen Seite: „Wegen der neuen Marktsituation geht der Trend weg von den bisher üblichen 80.000 Mark-Videos hin zu Clips für 50.000 Mark. Wir haben dafür kreative Lösungen entwickelt, die trotzdem N1-tauglich sind.“ Einen anderen Weg der Kosteneinsparung sieht Kilb bei der Promotion: „Wir müssen uns überlegen, ob wir sofort über mehrere Pools bemustern sollen. Oft kann es sinnvoll sein, mit dem eigenen Inhouse-Pool zu arbeiten und bei guten Reaktionen dann weitere Firmen zu beauftragen.“ Auch die Anzahl der Veröffentlichungen müsse bedacht sein, obwohl „wir noch nie zu den Labels gehört haben, die Tracks in großer Zahl veröffentlicht und an die Wand geworfen haben, um dann zu sehen, was kleben bleibt“. So will Kilb auch für 2002 die Anzahl der Tracks auf 15 bis 20 begrenzen und damit eine ähnlich hohe Trefferquote wie 2001 erzielen: „Besonders stolz bin ich auf den Erfolg des Essential DJ-Teams, dessen erste Veröffentlichung als unbekannter Act sofort in die Verkaufs-Charts ging.“ Als Erfolg wertet Kilb auch den Vertriebsvertrag von M1_Recordings mit edel, während er sich die Situation für Popmissive, das Pop-Label des Unternehmens, das dieses Jahr einen Rahmenlizenzvertrag mit edel schloss, leichter vorgestellt hätte. Umso bemerkenswerter sei das gute Abschneiden vom Essential DJ-Team, weil dessen Track „We Hate To Rock“ nicht dem gängigen kommerziellen Schema des Jahres 2001 gefolgt sei. „Anfang des Jahres wurde Musik in den Clubs immer härter und waviger, bevor dann alles wieder weicher wurde und in den Erfolgen von Vocal-Trance wie Sylver mündete. Und danach hatten plötzlich wieder Rave-Tracks mit gepitchten Vocals eine Chance.“ Das Grundproblem sieht er darin, dass es der Szene an guten Songs fehle. „Wir hatten schon alles von 120 bis 180 beats per minute. Die Trends werden immer schneller und nach drei Monaten ist ein Track abgefrühstückt. Die A&R Manager der großen Firmen suchen lieber nach einem guten Remake als nach einer neuen Idee.“ Dagegen setzt Kilb „Ong-Diggi- Dong?„, die zweite Single vom Essential DJ-Team, und eine Produktion von Ayla, für die Kilb einen namhaften Gast ankündigt.
Unsubmissive lässt sich nicht unterkriegen
Erfolge jenseits der kommerziellen Schemata


