“Es wird nie jemand erklären können, warum ausgerechnet in Österreich das Musikgeschäft nur als Vertriebs- und Marketinggeschäft stattfinden soll“, meint Bogdan Roscic. Für ihn ist die Veröffentlichung heimischen Repertoires die „ganz banale Maßnahme“ gegen die herrschende Marktschwäche. Nicht zuletzt die vielen Veröffentlichungen rund um die ORF-Talenteshow „Starmania“ werden dem Unternehmen auch in diesem Jahr voraussichtlich höchst erfreuliche Zahlen bescheren. „‚Starmania‘ hat, was die Stückzahlen betrifft, für diesen Markt sicher neue Standards gesetzt“, resümiert Roscic die erste Staffel. Dabei versteht er das Format nicht ausschließlich als Marketing-Plattform zur kurzfristigen Generierung von Stückzahlen, sondern vielmehr als Starthilfe für die längerfristige Entwicklung von neuen Künstlern: „Unser Ziel ist es, mit möglichst vielen Kandidaten, bei denen wir das Potenzial sehen, weiter zu produzieren.“
So sind bereits das Album des Siegers Michael Tschuggnall sowie CDs der Zweitplatzierten Christina Stürmer und der in einer der Vorfinal-Runden ausgeschiedenen Vera Böhnisch sowie Singles mit weiteren Finalisten erschienen – und verheißen der Plattenfirma ein umsatzträchtiges Frühjahr: Allein die Vorbestellungen von Michael Tschuggnalls und Christinas Singles erreichten Platinstatus. „Bei zahlreichen Finalisten handelt es sich eben nicht um Singpuppen für beliebiges Schubladen-Material – sie haben so viel Substanz und Unverwechselbarkeit, um in der ChartsRealität antreten zu können“, freut sich Roscic. Auch seien die Finalisten-Singles die ersten überhaupt aus Österreich, die direkt von null auf Platz eins in den österreichischen Charts gingen. Weitere hochkarätige Veröffentlichungen erwartet Universal Music Austria unter anderem von den Waxolutionists, von Hans Platzgumer, STS sowie von Andre Heller. Und auch die „Pensionierung“ der Kunstfigur Kurt Ostbahn will der Major mit entsprechenden Veröffentlichungen zelebrieren. Dass die Plattenfirma im schwierigen Jahr 2002 zulegen konnte, liegt laut Bogdan Roscic neben der Besinnung auf heimischem Repertoire auch in der Zweitverwertung von klassischer Musik, beispielsweise in Form einer Compilation mit den Sternstunden des „Neujahrskonzerts“ oder der Reihe „Best Of Wiener Philharmoniker„, „die in einem wenig beachteten Bereich durchaus beachtliche Verkäufe bringen“.
Sehr wichtig sei auch gewesen, die durch den Bankrott von Libro aufgelösten Musik-Outlets durch andere Vertriebskanäle wie Postämter und Cineplexx-Kinos zu ersetzen. „Man musste eine Zeit lang einfach dafür sorgen, dass das Produkt in manchen Gegenden überhaupt legal verfügbar bleibt“, so Roscic: Das sei besonders für Tonträger wie die „Bravo Hits“ und „Ö3 Greatest Hits“ sehr wichtig gewesen. Bei der Vorausscheidung zum Songcontest „song.null.drei“ hat keiner der drei Universal-Kandidaten gewonnen, was Roscic pragmatisch kommentiert: „Wir schicken gern Acts zur Vorausscheidung, weil sie sich damit in einer Hauptabendsendung präsentieren können.“ Ziel sei es nicht, damit nur Platten zu verkaufen.



