“Wir agieren in zwei inhaltlich unterschiedlichen Bereichen“, erklärt Nidal Sadeq im Gespräch mit musikwoche.de. Andreas Maaß kümmert sich um den Bereich New Catalogue Marketing, der genrebezogen arbeitet und die großen Backkatalog-Kampagnen mit dem notwendigen zielgruppenorientierten Marketing unterstützt. Diesem Bereich ist ebenfalls die Import-Abteilung UMIS und die neu geschaffene DVD-Abteilung zugeordnet.
Sadeq arbeitet mit dem Bereich Active Repertoire Development an der frischen Inszenierung des Universal-Katalogs für den Mainstream: „Hierzu gehört auch die offensive und konsequente Vermarktung von nationalen und internationalen ‚Best Of“-Releases sowie die kreative Aufbereitung und Neuauflage ausgewählter Katalog-Perlen in enger Zusammenarbeit mit den Labels,“ so Sadeq weiter. Dabei hat man sich auch von der Unterscheidung nach Preissegmenten verabschiedet, sagt Maaß: „Wir agieren endlich genrebezogen. Damit können wir uns von künstlichen Kategorien lösen und stattdessen konsequent inhaltlich arbeiten.“
Universal verfüge für die Bereiche MOR, Black/Rap, Rock/Alternative und Pop über versierte Kollegen, die nah an der Zielgruppe arbeiten. Mit Blick auf den einheimischen Backkatalog erklärt Sadeq: „Das nationale Repertoire ist für uns von besonderer Bedeutung und erlaubt uns, mit entsprechendem Standortvorteil und losgelöst von internationalen Plannings zu arbeiten.“ International kooperiere man allerdings eng mit den Schwesterfirmen, ergänzt Maaß: „Durch die ständig zunehmende Globalisierung des Geschäfts arbeiten wir möglichst zeitnah an internationalen Veröffentlichungen und Kampagnen.“
Darüber hinaus gebe es europaweite Kooperationen mit grenzüberschreitenden Marken sowie mit konzerneigenen Firmen, wie den Universal Studios in Spanien. „Solche Kooperationen setzen ein international verzahntes Marketing und Timing voraus.“ Die Planung der jeweiligen Aktivitäten benötigt laut Sadeq „größtenteils Vorlaufzeiten von bis zu einem Jahr, allerdings sind wir flexibel genug, um auch auf kurzfristige Ereignisse zu reagieren“. Und Maaß beobachtet, dass ein treffsicheres Marketing auch im Backkatalog-Bereich eine immer größere Rolle spiele. „Die Zeiten eines simplen Preismarketings ohne gezielte Endverbraucheransprache sind endgültig passé. Eine effiziente Promotion ist insbesondere bei sehr szenigen Themen die Basis unseres Geschäfts.“
Dabei arbeite die hauseigene Universal Market Research Abteilung zielgruppenorientiert und „versorgt uns regelmäßig mit allen relevanten Information“, so Maaß. Von der Negativ-Entwicklung im Tonträger-Geschäft blieb der Universal-Backkatalog-Bereich nach Auskunft von Sadeq im vergangenen Jahr verschont. Trotzdem versuche man, durch die neue Struktur rechtzeitig auf den veränderten Markt einzugehen. „Mit unseren Aktivitäten im Bereich Active Repertoire Development und DVD sind wir bestens für die Zukunft gerüstet. Darüber hinaus werden wir zusammen mit unserem Vertrieb verstärkt den Bereich Non Traditional Outlet nutzen.“
Mit Blick auf die Platzierung der Produkte meint Sadeq weiter: „Die Ergebnisse, die wir gemeinsam mit dem Handel aus dem Backkatalog schöpfen, sind für beide Seiten der Backbone des täglichen Geschäfts und sicherlich leichter zu planen als ein neuer Hit.“
Interessante Produkte versprechen die beiden Universal-Manager für die nächsten Monate auch auf dem DVD-Sektor: „Unser Fokus im Jahr 2002 liegt zunächst auf dem Aufbau eines attraktiven DVD-Katalogs“, meint Maaß. „Gerade hier treffen wir zur Zeit auf eine sehr backkatalogfixierte Klientel, die sich ihre Produkte mit hohem qualitativem Anspruch aussucht. Diesem Anspruch versuchen wir mit unseren Veröffentlichungen gerecht zu werden.
Neben den gängigen Videoclips und Live-Mitschnitten liefern wir zahlreiche Hintergrundinformationen wie Interviews, Making Ofs und viele weitere exklusive Inhalte, die nur auf unseren Veröffentlichungen erhältlich sein werden.“ Sadeq ergänzt: „Natürlich wollen wir immer wieder mit spannenden neuen Projekten überraschen. Dazu gehören auch Themen wie Supertramp, Tricky oder Andrew Lloyd Webber.“
Mit dem richtigen Dreh verkaufen
Eine wichtige Rolle im Backkatalog-Geschäft spielen Boxen, deren Verkaufserfolg laut Maaß stark vom Einzelfall abhängt. „Während sich Boxen-Projekte wie Jimi Hendrix, ABBA oder die von uns selbst initiierten Boxen von Rosenstolz und Udo Lindenberg durchaus im fünfstelligen Bereich verkaufen, bewerten wir 1000 Stück einer 15-CD-Box des Chess-Labels, die wir über den Bereich UMIS vermarktet haben, ebenfalls als Erfolg.“
Und im Rückblick auf 2001 meint er: „Insbesondere freuen wir uns auf wachgeküsste Perlen wie ‚Nana Mouskouri in New York‘ – ein Beispiel dafür, dass mit dem richtigen Dreh ein vermeintlich verstaubtes Thema plötzlich wie ein Phönix aus der Asche auferstehen kann.“ Weitere Highlights waren die Szene-Compilation „Caipilation“ in Kooperation mit Pitu, die Kopplung „Zauber der Musi“ zur „ZDF Gala“, die „Best Of Bob Marley“ und der Start des Vinyl-Reissue-Programms mit 60 selbstinitiierten VÖs sowie breit angelegte Katalogkampagnen wie „Meilensteine“ oder „Kings Of HipHop“.



