Musik

Umfrage zur Liefersituation von Elvis-Produkten

Mit „Elvis 30 #1 Hits“ will BMG Berlin Doppel-Platin erreichen. Allerdings konnte der Handel Kundenanfragen zum Todestag des Künstlers am 16. August wegen fehlender Produkte kaum befriedigen. musikwoche.de befragte Händler zur Situation.

“Meiner Meinung nach darf eine Firma so etwas nicht machen“ meint Uwe Broich, Inhaber des Großhandels Out Now. Er kritisiert, dass Titel aus dem Elvis-Backkatalog derzeit nicht ausgeliefert werden, obwohl die neue Hit-Kopplung erst am 23. September erscheint. „Diese Titel standen Jahre lang zur Verfügung, und jetzt ist fast der gesamte Katalog gesperrt.“ Zum möglichen Erfolg der „30 # 1 Hits“ meint er: „In unser schnelllebigen Zeit reicht das Erinnerungsvermögen der Verbraucher maximal noch drei Wochen.“ Deshalb glaubt er nicht, dass sich das Interesse bis zum VÖ-Termin hält. Thomas Hinz, Einkaufsleiter Pop und Musik-DVD jpc in Georgsmarienhütte, ergänzt: „Die Elvis-Artikel bleiben im PhonoNet als lieferbar gelistet, werden aber nicht ausgeliefert. Deshalb laufen lange Rückstandslisten auf, und der Händler am POS steht dumm da, weil der auf seine Bestellung wartende Kunde am Bildschirm sehen konnte, das das Produkt lieferbar ist.“ Außerdem führe die Sperrung dazu, dass manche Kunden zu Budget-Produkten zweifelhafter Qualität greifen. „Es handelt sich zwar um eine langfristig angelegte Kampagne, aber ich vermute, dass der Zeitraum von fünf Wochen zwischen Todestag und VÖ-Termin des Produkts zu lang sein könnte.“ Auch bei Carsten Wien, Product Manager der HMV-Zentrale in Oberhausen, erntet die Aktion wenig Verständnis: „Die Erfahrung hat bislang gezeigt, dass das Backprogramm auch ohne solche Maßnahmen einen Schub bekommen kann. Ich rechne aber damit, dass ’30# 1 Hits“ trotzdem ein Riesenhit wird. Wir haben schon bei VÖ der Beatles-Best-Of prognostiziert, dass Elvis der einzige Künstler ist, der über dieselbe Breitenwirksamkeit verfügt.“ Hugo Heinzen, Inhaber der aktiv Musik Plattenkiste Bad Neuenahr, ist mit dem Lieferstopp unzufrieden: „Eine gute Begründung, warum so eine CD nicht zum Todestag erscheint, habe ich bislang nicht gehört. Die Kunden bekommen momentan keine vernünftige Elvis-Best-Of, das verstehe ich nicht. Zwar wird das Album dennoch ein Hit werden, aber nur mit Marketingpower, die entsprechend kosten wird.“ Diese Summen müsste schließlich der Handel über die EK-Preise wieder einspielen.

Stefan Schmidt-Grell, Director Marketing International & Promotion BMG Berlin, erläutert im Gespräch mit musikwoche.de, der aktuelle Schwerpunkt liege auf der neuen Compilation, deshalb hätten firmeninterne Gremien auf internationale Vorgaben reagiert und einige Elvis-Titel gesperrt.