Musik

Umfrage zum Stellenwert und zur Vertriebssituation von Wellness-Titeln

Ein Marktsegment im Aufwind

“Die Verkäufe zeigen uns“, erklärt Andreas Höllige, A&R Manager International/Export da music, „dass der Bedarf an Wellness-Tonträgern weiter wächst.“ Einen Trend zu einer älteren Zielgruppe in diesem Bereich konstatiert Ulrich Rützel vom Erdenklang Musikverlag, der ein wachsendes Interesse von Menschen über 50 Jahren an dieser Musik feststellt. Auch Frank M. Schenker, Herausgeber des Aquarius MusicJournal, sieht die Sparte eindeutig im Aufwind: „Der Trend bei der Musik für Erwachsene (35 Jahre und älter) geht eindeutig zu Relaxation.“ Besonders im High-Price Segment wird Qualität geschätzt und bezahlt.

Auf ähnliche Erfahrungen verweist Sandra Pfeiffer, Produktmanagement/ Marketing bei der Carlton Musikvertrieb GmbH: „Die Kombination von Mehrwert und Tonträger ist gerade in diesem Bereich wichtig, um sich deutlich von den zahllosen Budget-Produktionen, die den Markt verstopfen, abzusetzen.“ Auch für Schenker sind qualitativ hochwertige Produkte, erstellt von Experten für Yoga, Aerobic und andere Bewegungsformen, gefragt, statt austauschbarer Budget-Produktionen. Joachim Wawrczeck, Geschäftsführer Edition Wawi, sieht in diesem Marktsegment ebenfalls eine hervorragende Chance, sich fernab von den Diskussionen um das Brennen oder Herunterladen von CDs zu behaupten. Der Trend weg von der Audio-CD, hin zur Video-DVD mit Audio-Tracks ist für ihn allerdings auch hier vorgezeichnet. „Dieser Tatsache werden wir mit unseren Veröffentlichungen im DVD-Bereich bereits gerecht.“ Auch andere Firmen wie Carlton wollen in diesem Segment in nächster Zeit aktiv werden. Einen Schritt, den Delta Music längst vollzogen hat. Geschäftsführer Wolfgang Fetten sieht das Wellness-Genre ebenfalls als Wachstumsmarkt. Eine Einschätzung, die trotz aller Probleme des klassischen Tonträgermarkts auch Heinz Hubinger, Geschäftsführer von mentalis, teilt. „Da das Thema Wellness immer mehr Menschen anspricht, hat dieses spezielle Segment auf alle Fälle zugelegt.“ Einschränkend fügt er allerdings hinzu: „Da wir mit unserem Programm eine Marktnische bedienen, ist ein Vergleich mit dem Gesamtmarkt kaum möglich. Einen Vorteil sehe ich aber darin, dass wir als ein sehr kleines Unternehmen im direkten und engen Kontakt mit unseren Kunden stehen.“ Und ein enger Kontakt zu den Kunden lässt sich in einem so speziell aufgefächerten Markt oft nur unzureichend über den klassischen Handel herstellen. Der Buchhandel ist für Hubinger in Deutschland und Österreich einer der wichtigsten Vertriebswege. „Aber auch kleinere CD-Läden, der Geschenkartikelhandel, Kosmetikinstitute oder Drogerien bieten unser Programm an. Unser Schweizer Importeur vertreibt hingeben ausschließlich über Apotheken und Drogerien und ist damit enorm erfolgreich.“

Sehr unzufrieden mit der Situation im traditionellen Handel ist Ulrich Rützel von Erdenklang: „Der Tonträgerhandel in Deutschland beachtet dieses Genre überhaupt nicht. Die CDs landen in der letzten Abstellecke. Wir vertreiben unsere Produkte über Therapiezentren, Praxen, Institute und vor allen Dingen übers Internet.“ Ein weiteres Problem sieht Rützel in der geringen Präsenz des Wellness-Genres in den Printmedien. „Vor allem ältere Zielgruppen erfahren über Wellness-Musik so gut wie nichts. Rundfunk = Fehlanzeige.“

Ein Großhändler, der sich auf die veränderten Rahmenbedingungen eingestellt hat, ist Dharma Music. „Fast die Hälfte unseres Programms importieren wir aus den USA, zum Beispiel von Labels wie Celestial Harmonies oder New Earth Records“, erklärt Vertriebsleiter Namaz Vogelsang. Die vor zehn Jahren gegründete Firma bedient vor allem den esoterischen Buchhandel und übernahm die Kunden des insolventen Großhändlers HighFish Records. Den Kundenkreis von Dharma beschreibt Vogelsang als „Mischung aus Buchhandel, Therapiezentren, Kosmetikinstituten, Cafés und Wellness-Hotels“. Der Tonträgerhandel sei dagegen kaum präsent. Auch Non-Traditional-Händler wie Tchibo sprangen inzwischen auf den Wellness-Zug auf: „Ich habe allein im Dezember 320.000 Exemplare der Doppel-CD ‚Energie im Tagesablauf – Musik zur Entspannung‘ verkauft“, erklärt Publisher und Komponist Jean-Pierre Garattoni vom Incontro Musikverlag. Das Produkt hatte BMG Ariola Miller an Tchibo lizenziert, die es dann unter der TCM-Eigenmarke verkauften.