Musik

Umfrage zum Stellenwert des Echo Klassik

„Echo ist ein Mosaikstein unter vielen“

“Welchen Stellenwert hat der Echo-Klassik für Ihre Plattenfirma wie auch für die ausgezeichneten Künstler und Ensembles? Unterstreicht die Show im ZDF die Wertigkeit des Klassikpreises?“

Lars Ingwersen, Warner Strategic Marketing: Der Echo Klassik ist inzwischen das Top-Ereignis der Klassikszene. Und er hat diesen Stellenwert mittlerweile auch bei unseren Künstlern und internationalen Labelpartnern erreicht. Dies wird ja auch durch die lange Liste wirklich hochrangiger Künstler dokumentiert. Alle relevanten „Big Names“ sind hier am Start, und dies ist, wie wir wissen, auch für das Pop-Pendant nicht selbstverständlich. Allerdings denke ich, dass hier im Bewusstsein der Öffentlichkeit noch einiges zu tun ist, um – was von Haus aus schwierig ist – dieses Ereignis auf die gleiche Stufe zu heben wie den Pop-Echo. Wobei man sagen muss, dass dieser ja auch einige Jahre bis zur Etablierung gebraucht hat.

Angelika Servatius, Wergo/Schott Music & Media: Die im vergangenen und in diesem Jahr zuerkannten Echo-Klassik-Preise für Wergo-Produktionen motivieren uns, auf diesem Weg weiter zu gehen. Anerkennung für ihr Schaffen erfahren auch die Künstler und Ensembles, die Produzenten und Sendeanstalten. Ohne Öffentlichkeit (ZDF) dürfte dieser Preis – ohne Preisgeld – uninteressant sein. Ein großer Wunsch aller an diesen Produktionen Mitwirkenden bleibt sicherlich, dass man auch die zeitgenössische Musik innerhalb der ZDF-Übertragung präsentiert.

Stefan Piendl, BMG Ariola Classics: Entscheidend ist für mich, dass der Echo Klassik Jahr für Jahr kontinuierlich an Bedeutung gewinnt. Im vergangenen Jahr tauchten einige Künstler, die in der Sendung auftraten, in den Wochen danach plötzlich wieder in den Klassik-Charts auf. Das ist doch ein schöner Erfolg. Mit Spannung verfolgen wir das neue Konzept der Laudatoren. Das ist sicher ein guter Weg, um dem Echo und der Wertigkeit von Künstlern und ihren Produktionen gerecht zu werden – auch wenn am Sonntag im ersten Anlauf nicht alles klappen sollte.

Andreas von Imhoff, EMI Classics: Echo Klassik ist sozusagen das Höchste der Gefühle und hat inzwischen einen hohen Stellenwert, auch dank der enormen Unterstützung durch das ZDF. Wir sind noch nicht dort angekommen im Renomme, in der Wertigkeit, wie ich mir das vorstelle, aber haben über die letzten Jahre einen gewaltigen qualitativen Schritt getan, der uns hilft.

„Was sollte man Ihrer Meinung nach tun, um klassische Musik einem breiten Publikum näher zu bringen. Erfüllt der Echo Klassik diese Aufgabe?“

Lars Ingwersen: Der Echo Klassik ist sicherlich nur ein Schritt in die richtige Richtung. Es gibt aber, sowohl bei den einzelnen Companies als auch in Form von Company-übergreifenden Aktivitäten eine Menge guter Ideen – hier sei nur die Neu-Installierung der Klassik-Charts erwähnt. Aus diesem Grund sollten wir unser Licht nicht unter den Scheffel stellen und mit dem nötigen Selbstbewusstsein die Klassik-Fahne hochhalten.

Angelika Servatius: Kurzfristig wäre eine stärkere und informativere Präsenz in den Medien wünschenswert. Langfristig sind die Pädagogen gefragt. Bereits im Vorschulalter sollte klassische Musik ein Erlebnis werden. Der Echo Klassik ist ein Steinchen im Mosaik.

Andreas von Imhoff: Der Echo ist nur ein Mosaikstein unter vielen, weil eben auch noch die seltene Möglichkeit der Fernsehunterstützung gegeben ist. Klassik findet ja ansonsten so gut wie nicht mehr statt im TV. Ich glaube, dass es unter den gegebenen Umständen ganz wichtig wäre, dass wir ernsthaft und gemeinsam darüber nachdenken müssen, die zunehmende Schieflage wieder in die richtige Stellung zu bekommen. Wir können uns nicht gegen den schrumpfenden Markt stellen, aber wir müssen uns im Marketing und seitens der Anbieter anders aufstellen und nicht nur von neuen Wegen sprechen, sondern sie auch überzeugt gehen. Ich bin der festen Überzeugung, dass dieses Problem nicht nur für die Industrie relevant, sondern sehr stark ein allgemeines Phänomen ist. Das heißt, hier sind alle Kräfte gefragt, angefangen bei der Kulturpolitik, den Veranstaltern, Agenten, den Künstlern selbst und allen Kultur- und Musikmanagern auch. Wir müssen aufbauen, und nicht nur von oben abmelken.

Stefan Piendl: Die für mich positivste Entwicklung seit Jahren steht unmittelbar bevor: Am 28. Oktober startet mit der „KulturSpiegel“-Bestsellerliste eine neue Epoche für die Klassik-Charts, unterstützt von Klassik Radio und anderen Printmedien. Tonträger-Charts im „Spiegel“: Da haben die Klassiker im Vergleich zu Pop die Nase vorn. Mein Wunsch: im nächsten Jahr den Sendeplatz um 20:15 Uhr.