Musik

Umfrage: Ist die Produktion von Musik-DVDs zu teuer?

„Wir sind gefangen in einem Teufelskreis“

Irene Bock, zuständig für Pressearbeit bei den msm – studios, fragt im Gegenzug: „Wo liegt die Erwartung der Plattenfirmen? Die Produktion von audiovisuellen Tonträgern sind prinzipbedingt aufwändiger als die Herstellung reiner Tonträger. Sämtliche Inhalte müssen mediengerecht aufbereitet werden – ein Vorgang, der häufig unterschätzt wird. Umso wichtiger ist eine ausgereifte Produktionsplanung. An dieser Stelle werden die Weichen für den Ablauf der Produktion gestellt.

„Frühzeitig über die Produktion einigen“

Nur wenn Künstler, Label und Authoring-Studio sich frühzeitig über die Produktion einigen, kann das Projekt termingerecht und im Rahmen des Budgets ausgeführt werden. Abläufe müssen geklärt, Vorgehensweisen besprochen und Prioritäten gesetzt werden. Unserer Erfahrung nach geht an dieser Stelle viel verloren. Bänder werden zu spät gesichtet, aufwändig produzierte Inhalte lassen sich so zum Teil überhaupt nicht verwenden, und teure Nachbearbeitungen werden notwendig. Es mangelt massiv an der Kommunikation der beteiligten Unternehmen. Dadurch müssen Dinge mehrfach gemacht werden, das Augenmerk wird auf das Beheben von Fehlern gelegt, und die Kreativität bleibt auf der Strecke. Es kann sehr fruchtbar sein, die Kreativen in den Studios einfach mal machen zu lassen. Nur in diesem Freiraum können Innovationen reifen und ganz besondere Produkte entstehen, die nicht unbedingt teuer sein müssen. Es kommt oftmals auf die Fantasie an.“

Daniel Heerdmann, Product Manager bei der Produktionsfirma Mawa Film & Medien, tritt beim Boom der Musik-DVDs etwas auf die Euphoriebremse: „Wir bei Mawa sehen den Markt der DVD und damit auch der Musikproduktionen noch ganz am Anfang. Gleichzeitig verfolgen wir die klare Linie, dass ein Kunde sich bei dem immer größer werdenden Angebot lieber für eine qualitativ hochwertige Produktion entscheidet. Deswegen nehmen wir hohe Investitionen in Kauf. Unsere Erfahrung zeigt, dass sich hochwertige DVDs auch über einen längeren Zeitraum hin verkaufen und wir deshalb nicht nervös werden müssen, wenn eine Produktion nicht in den ersten Wochen den Break-Even-Point erreicht. „Die Firmen unterbieten sich“

Bestes Beispiel hierfür ist die DVD,Ambra – Honour & Glory‘, ein überaus ambitioniert produzierter Titel. Von dessen Verkaufzahlen können andere Firmen nur träumen, da die Disc in diesem Monat mit 25.000 verkauften Einheiten Gold erzielen wird, was für einen Newcomer-Act einmalig sein dürfte. Zudem ist die DVD das erste Original- album eines Musik-Acts in Erstrechtsverwertung, welches exklusiv für die Verwertung auf dem Medium DVD produziert worden ist. Ein durchaus mutiger Schritt, den bisher jeder andere DVD-Produzent gescheut hat.“ Eine kritische Sicht der Dinge liefert Jürgen Klimmeck, Geschäftsführer der Firma Syrinx: „Ein richtiger Musik-DVD-Markt hat sich in Deutschland noch nicht entwickelt. Anders als in Frankreich oder England, wo die Player-Penetration und entsprechend auch das Angebot an Produkten höher sind, sitzen die Produktionsfirmen hierzulande gefangen in einem Teufelkreis, weil noch zu wenige DVDs beauftragt werden. Aus Image-Gründen legen die Studios oft eigenfinanzierte Pilotprojekte vor – in der Hoffnung, dass daraus Serien werden. Zudem unterbieten sich die Firmen gegenseitig mit Angeboten, so dass letztlich nur die Unternehmen überleben können, die mit anderen Produkten weitere Einnahmequellen haben. „Die DVD braucht gute Ideen“

Zur Zeit arbeiten alle Firmen mit der Hoffnung auf die Zukunft, da die wirtschaftliche Lage gerade noch am Rand des Erträglichen ist. Anders als bei Film-DVDs, wo es standardisierte Produktionsabläufe gibt, verlangt jede Musik-DVD eine individuelle und entsprechend kostenintensive Bearbeitung. Die DVD als hochqualitatives Medium braucht gute Ideen, gute Gestaltung und teure Produktionsmittel, das kann man nicht ignorieren. Der Kunde verlangt das, packen wir die Chance an!“