Musik

Uli Großmaas, Geschäftsführer Musik Komm.: „Es wird keine Trauer-Popkomm.‘

Die schwierige Marktlage in der Musikbranche beschert der Popkomm. erstmals in ihrer 13-jährigen Geschichte einen Rückgang bei der Ausstellerzahl. -Chef erklärt im Gespräch mit musikwoche.de, wie er mit der Situation umgeht.

musikwoche.de: Viele in der Branche schnallen derzeit den Gürtel enger. Das hat auch Auswirkungen auf die Popkomm.: Erstmals hat die Messe einen Rückgang bei der Ausstellerzahl zu verzeichnen. Werden wir in diesem Jahr eine Trauer-Popkomm. erleben?

Uli Großmaas: Eine Trauer-Popkomm. wird es auf keinen Fall werden! In der Tat sieht es im Moment so aus, dass 822 Aussteller präsent sein werden, was verglichen mit dem Jahr 2000 rund zehn Prozent weniger wäre. Wir sehen das Jahr 2000 aber als ein Ausnahmejahr an, weil es durch die Euphorie im Internetbereich einen besonderen Schub bei den Ausstellern gab. Und im Vergleich zum für uns eher regulär verlaufenen Jahr 1999 stehen wir auch 2001 ganz gut da.

mw: Es sind also hauptsächlich die im letzten Jahr sehr auffälligen und heuer nur noch zum kleinen Teil überhaupt noch am Markt existenten Dot.coms, die für die Rückgänge verantwortlich sind?

Großmaas: Richtig. Viele von ihnen existieren gar nicht mehr, und die, die es noch gibt, sind zur Zeit unter finanziellen Aspekten so massiv mit sich selbst beschäftigt, dass sie teilweise zwar noch als Besucher kommen, sich aber eine Teilnahme als Aussteller nicht mehr leisten wollen oder können.

mw: Verhalten sich auch manche der teilnehmenden Firmen aus dem traditionellen Musikgeschäft in diesem Jahr angesichts der allgemeinen Marktsituation spürbar sparsamer?

Großmaas: Zumindest für die großen Firmen lässt sich das nicht bestätigen. Deren Präsenz und die Größe ihrer jeweiligen Auftritte weicht eigentlich nicht von den Vorjahren ab. Dass viele in der Branche derzeit sparen müssen oder wollen, merkt man eigentlich eher in anderen Bereichen – etwa bei Engagements im Medienumfeld der Popkomm., oder den Supports bei bestimmten Live-Veranstaltungen. Da wird schon genauer auf die Mark geguckt.

mw: Die Marktsituation in der Branche wird nach Einschätzung der meisten Beobachter auch in den nächsten Jahren schwierig bleiben -wie muss die Musik Komm. mit dieser Situation umgehen, wie stellt sie sich darauf ein?

Großmaas: Ich bin durchaus zuversichtlich, dass es im etwas weiteren Branchenumfeld Bereiche gibt, die noch einen gewissen Schub für die Popkomm. bringen können. Es mag angesichts der Entwicklungen der letzen Monate fast anachronistisch wirken, aber das Thema „Kapitalmarkt“ birgt sicher noch Potenziale für uns. Oder Service-Dienstleister aus dem technisch-logistischen Bereich, die auf den Entertainment-Bereich abzielen, durchaus auch auf Internet-Anwendungen bezogen. Ich denke da etwa an das Stichwort „Digital Rights Management“. Zudem spielt der Aspekt der Internationalisierung für die Popkomm. nach wie vor eine interessante Rolle. Last but not least: Die Markenwelt hat Musik- und Entertainment sehr präsent auf ihrer Agenda, und trotz der allgemeinen Situation zeigt die Popkomm. dieses Jahr beispielhaft, was mit klugen, vernetzten individuellen Konzepten geht. Aber man muss die diesjährige Popkomm. wohl erst einmal abwarten, um dann präziser beschreiben zu können, wie sich die Messe weiterentwickeln wird.