Musik

Trends und News in der Studiotechnik: Überwältigende Produktvielfalt

Kein Segment im Musikbusiness wird so stark von technischen Entwicklungen bestimmt wie das Studiogeschäft. Für musikwoche.de sichtet Experte Ray Finkenberger-Lewin die Techniktrends der Saison.

Die Entwicklung innovativer Studiotechnik ist ein langwieriger und zugleich aufwändiger Prozess, der auch viele Risiken in sich birgt. Gilt es hier doch seitens der Hersteller, die Bedürfnisse und Arbeitsweisen der professionellen Anwender auf Jahre vorausschauend zu analysieren und entsprechend in die Planung und Konzeption neuer Produkte mit einfließen zu lassen. Und dies scheint Technikern und Marketingstrategen in den letzten Jahren wie nie zuvor gelungen zu sein.

Noch nie waren Angebot und Produktvielfalt so überwältigend, bekamen Anwender ein dermaßen breites Spektrum an hochwertiger Studiotechnik geboten. Das Jahr 2001 schickt sich an, in die Analen der Audio-Industrie einzugehen. Zieht man eine erste Bilanz, so scheinen sich nach absolvierter NAMM-Show, der Frankfurter Pro Light & Sound sowie der gerade erst zu Ende gegangenen AES in Amsterdam, die Trends des Vorjahres zu bestätigen. Die Zukunft gehört eindeutig der digitalen Technik. Dabei interessanter und zugleich positiver Aspekt ist jedoch die Tatsache, dass trotz aller „digitalen Wandlung“ der analoge Gedanke bei der Entwicklung vieler Produktneuheiten sichtbar Pate gestanden hat.

Bestes Beispiel hierfür ist die Bandmaschinen-orientierte Handhabung solcher Recording-Systeme wie dem Fairlight Merlin beziehungsweise dem neuen Prodigy 2 oder auch IZs beeindruckende Radar 24-Einheit. Auch in punkto Sound ist man seitens der Hersteller bemüht, sich dem „kühlen“ Digital-Sound-Image zu entziehen und nach einem analogen Feeling zu streben. So auch Mackies 24-Track System HDR 24/96 sowie Tascams neu vorgestellte Audio Production Station SX-1 mit integriertem Total Recall Mixer (inklusive 16 Mic-Preamps), 16 Track Hard Disk Recorder, optional erhältlichem Graphic LCD Monitor und 128-Track Midi Sequencer, selbstverständlich in 24 bit/48 khz-Qualität. Ein weiterer Beweis für das gelungene Zusammenspiel von analoger und digitaler Technik ist Digidesigns Control 24 als perfekte Erweiterung/Bedienoberfläche für bestehende ProTools-Systeme mit integrierten Focusrite-Eingangsstufen.

Maßgeschneidert für Musik- und Projekt-Studios bietet Sony mit seiner vollautomatisierten Digitalkonsole DMX-R 100 ein Mischpult mit integriertem SVGA Touch Screen Monitor, das auch bereits für den 5.1 Surround-Betrieb gerüstet ist und auf 24bit/96 kHz-Basis arbeitet. Auch bei Roland hat man mit der Virtual Mixing Serie ein Mischpultkonzept geschaffen, welches sich bei Bedarf auf bis zu 94-Kanal-Betrieb ausbauen lässt. Was die zahlreichen Neuerscheinungen an Outboard-Equipment anbelangt, ist es unmöglich auch nur annähernd auf alle Produkte einzugehen.

Sicherlich gehören Lexicons 960 L Reverb und sein „Gegenüber“-System 6000 von TC Electronics zu den Produkt-Highlights des Jahres. Daneben darf man auch auf Yamahas SRev 1 gespannt sein, denn die Firma schickt sich mit ihrem digitalen Spitzenmodel an, in diese Phalanx vorzudringen. Besonders erwähnenswert sind die Produkte des deutschen Herstellers SPL, der neben seinem gelungenen Channel/Dynamics Strip-Konzept „Track 1“ und dem Stereo Compressor/Limiter „Kulttube“ eine Studie des PQ 2050 vorstellte. Hierbei handelt es sich um einen Fünf-Band digital gesteuerten Analog-EQ mit motorisierten Potis, dessen Einstellungen sich in Presets abspeichern lassen.

Studiolegende John Oram präsentierte mit seinem „Al Schmitt Grand Master Series“ eine Analogeinheit mit Sechs-Band EQ/Compressor/Limiter auf sechs Höheneinheiten. Neben einem sensationellen Klangverhalten bietet das Gerät die Möglichkeit, zwischen bis zu drei, anschließbaren Mikrofonen hin und her zu schalten, um optimal vergleichen zu können.

Tube Tech hat mit dem neu konzipierten SMC 2B einen analogen Stereo Multiband Kompressor mit drei variabel bestimmbaren Frequenzbändern auf den Markt gebracht. Auch auf dem Mikrofon-Sektor ist das digitale Zeitalter eingeläutet worden. Der renommierte Hersteller Neumann stellte sein „Solution D“-Konzept vor, dass sich aus dem Typ D-01 und dem dazu gehörigen DM-2 Microphone Interface zusammensetzt. Mittels der zugehörigen Remote Control Software lassen sich die Kapsel-Charakteristik beeinflussen sowie sämtliche Parameter editieren und auf dem Computer sichtbar machen.

Auch Milab konnte nach der AES 1999 nun die endgültige Version des digitalen DM-10001 Microphones präsentieren. Im Bereich des Lautsprecher-Monitoring gilt die aktive Drei-Wege Box O 500 C von Klein + Hummel als eine der bemerkenswertesten Neuheiten. Die digital kontrollierte Abhöre funktioniert auf Basis der patentierten FIR-Technologie, die es unter anderem ermöglicht, das Klangverhalten der Box an die akustischen Gegebenheiten des Studios anzupassen.