Mit dem Verkauf seiner Musiksparte baut der Medienriese Time Warner (TW) zwar seine Schulden weiter ab, doch so ganz wollen die Manager wohl doch nicht vom Musikgeschäft lassen. Im Interview mit der „Los Angeles Times“ bestätigte TW-Chiarman Richard D. Parsons, dass der Verkauf von Warner Music hauptsächlich deshalb stattfand, weil er sein Versprechen zum Schuldenabbau einhalten wollte und weil er die Wachstumschancen im Musikbusiness als sehr durchwachsen einschätzt: „Mit Musik wird man kurzfristig keine hohen Wachstums- oder Renditeraten erzielen können. Und das lähmt uns natürlich als Gesamtkonzern.“ Er glaube dennoch, dass die Musikindustrie wieder prosperieren könne, abzuschätzen, ab wann es wieder aufwärts gehen könnte, sei jedoch die Schwierigkeit. „Was liebt die Wall Street denn? Wachstum und Vorhersehbarkeit. Im Ausblick auf die Musikwirtschaft in den nächsten zwei, drei vier Jahren haben Sie weder das eine noch das andere“, so Parsons. Aus Sicht der Aktionäre sei es deshalb besser, sich in dieser schwierigen Phase vom Musikgeschäft zu trennen. Doch die Trennung scheint bei TW nicht dauerhaft geplant: Jeff Bewkes, Verhandlungsführer der letzten Monate und Chairman bei der TW Entertainment and Network Group, bezeichnete die Chancen für einen Rückkauf als hoch: „Wir sind da recht optimistisch.“ TW hat sich im Verkaufsvertrag an das Bronfman-Konsortium die Option offen gehalten, bis zu 19,9 Prozent der Warner Music Group (WMG) zurückzukaufen. Bis es soweit ist, will der neue Chef, Edgar Bronfman jr., die WMG flott machen: „Wenn auch nicht unmittelbar, so glauben wir doch, dass die Musikindustrie eine glänzende Zukunft haben wird“, so der einstige Seagram- und Universal-Boss. „Wir freuen uns, aus Warner Music wieder eine Firma in Privatbesitz zu machen, die zu ihren Wurzeln aus klassischem Unternehmertum und Künstleraufbau zurückkehren wird. Das war immer das typische Kennzeichen von Warner Music.“ Diese Kriterien spielten offenbar beim Verkauf keine Rolle. TW ging es wohl eher ums Tempo: „Wir mögen die EMI-Leute und Eric Nicoli“, so Richard Parsons, „aber das hätte bedeutet: zwölf bis 18 Monate langes Ringen mit den Kartellwächtern.“
Mehr zum Thema (25.11.03) (24.11.03)



