Flansburgh und Linnel wenden sich an die Sorte Mensch, die schon immer am ehesten mit den Liedern der beiden zu erreichen war: leicht intellektuelle, gern etwas verpeilte, überwiegend – aber nicht nur – männliche Musikliebhaber jeden Alters. „Dabei war und ist es nie unser Ziel gewesen, komisch oder seltsam zu klingen“, sagt Linnel. „Würden wir wirklich versuchen, eine alberne Spaßtruppe zu sein, dann klängen wir bestimmt sehr viel albernspaßiger.“ Aber auch so machen die beiden Männer aus Boston, die seit Jahren in Brooklyn leben, musikalisch viel Freude. Das Grundgerüst der neuen Songs bildet wie üblich eine Art Rock’n’Roll-Polka, doch je nach Laune geizt das Duo nicht mit stilistischen Exkursionen, zum Beispiel in Richtungen wie Folk, Techno, Heavy Metal oder Weltmusik. In der Summe ergibt das viele kleine und große, aber immer schön schrullige 16 Liedchen, die nach 36 Minuten zu Ende sind. „Das ist genau die richtige Länge, um sich das Album in einem Durchgang anhören zu können.“
Riesigen Erfolg konnten die beiden Tüftelmusiker mit ihrer unernsthaft wirkenden Musikmelange nie verbuchen. „Klar hätten wir nichts gegen den Erfolg von den B’52s oder XTC gehabt. Aber wir konnten uns in kreativer Hinsicht immer genau so entfalten, wie wir das wollten, und solch ein Luxus ist heutzutage mit Geld gar nicht zu bezahlen.“ Auch „The Spine“ dürfte die experimentierfreudigen Alternativrocker, die von den bisherigen neun Studioalben immerhin drei Mio. Stück verkauften, nicht in die obersten Charts-Regionen führen. Trotzdem könnte es gut möglich sein, dass Linnel und Flansburgh in puncto Bekanntheitsgrad demnächst weiter zulegen. In den USA bekamen sie neulich schon einen Grammy für „Boss Of Me“, ihren Titelsong der TV-Serie „Malcolm In The Middle“. „Wichtig ist uns, dass wir bei allem Jux, den wir so betreiben, nicht als bloße Ironie-Rocker daherkommen. Die Leute sollen wissen, dass wir emotional genauso tief in unsere Musik involviert sind wie andere Bands.“ Zumal es ja noch ein großes Ziel gibt, auf das die zwei Johns eifrig hinarbeiten. „In einigen Jahren, wenn wir richtig alte Männer sind, wollen wir so einen Status haben wie The Grateful Dead in ihrer späten Phase. Die Fans sollen uns lieben, egal wie schlecht wir spielen.“



