Musik

The Streets: Straßenpoesie des 21. Jahrhunderts

Vor zwei Jahren sorgte Mike Skinner alias The Streets mit seinem Debütalbum „Original Pirate Material“ weltweit für ein mittleres Erdbeben in der Musikszene. Die unkonventionelle Mixtur aus HipHop-, Garage- und Pop-Elementen sprengte erfolgreich alle Genregrenzen. Auf „A Grand Don’t Come For Free“ schlägt Skinner nun einen anderen Weg ein.

Von den Garage-Elementen, die das erste Album noch deutlich dominierten, ist auf „A Grand Don’t Come For Free“ nicht mehr viel zu hören. Denn Mike Skinner hatte keine Lust, sich künstlerisch im Kreis zu drehen: „Mein neues Album klingt immer noch zu 100 Prozent nach The Streets, ohne dass ich mich deshalb permanent wiederhole. Als ich ins Studio ging, wusste ich sehr genau, was ich wollte. Ziel war es von Anfang an, die Geschichten und Beobachtungen über meine Mitmenschen weiter zu verfeinern, die Storys so überzeugend und genau wie möglich zu gestalten.“ Im Vergleich zum Debüt hat sich Skinner mehr Zeit gelassen, Songs zu schreiben. Das sei der Vorteil, wenn man Erfolg hat, sagt er. Eine richtige Pause hat er allerdings nicht eingelegt.

„Für mich ist es sehr wichtig, kontinuierlich an meiner Musik zu arbeiten. Die Geschichten müssen sich nach und nach entwickeln, und das geht eben nicht in ein paar Stunden.“ Jeder andere Musiker, den Presse und Fans mit ähnlichen Lobeshymnen überschüttet hätten wie Skinner vor zwei Jahren, hätte mit der hohen Erwartungshaltung zu kämpfen gehabt. „Ich mache mir selbst viel Druck, da nehme ich solche Dinge gar nicht mehr wahr. Letztlich ist es mir auch egal, was die Leute von mir erwarten.“ Die elf neuen Songs zeigen Skinner von einer anderen, zum Teil nachdenklicheren und sensibleren Seite, ohne dass er dadurch seinen Biss verloren hätte. Seine Beobachtungsgabe ist nach wie vor außergewöhnlich präzise. Das manifestiert sich in Titeln wie „It Was Supposed To Be Easy“ oder „Blinded By The Light“ in Zeilen, die eine grenzenlose Melancholie und – der Schalk sitzt Mike Skinner immer im Nacken – eine gehörige Portion schwarzen Humor ausstrahlen. „Nach wie vor entstehen meine Stücke zuhause. Dort habe ich die Ruhe, meine Ideen reifen zu lassen.“ Musikalisch präsentiert sich The Streets diesmal noch minimalistischer als auf „Original Pirate Material“. Von ein paar Gesangsrefrains abgesehen verzichtet Skinner weitgehend auf alles schmückende Beiwerk; seine unvergleichliche Stimme steht mehr denn je im Mittelpunkt des Geschehens. Mit „A Grand Don’t Come For Free“ unterstreicht er seine bestechende Form. Und trotz zahlloser Epigonen ist es ihm mit diesem Album erneut gelungen, neue Maßstäbe zu setzen, ohne dabei seinen einzigartigen Stil zu verwässern.