Musik

The Orb: Zweiter Frühling eines Soundvisionärs

Mit Alben wie „U.F.Orb“ (1992) und „Orbus Terrarum“ (1995) etablierte sich The Orb als eine der stilprägenden Ambient- und Elektronik-Bands der 90er-Jahre. Nach einer längeren Pause meldet sich die Formation um Alex Paterson jetzt mit
„Bicycles & Tricycles“ (Cooking Vinyl/Indigo) zurück.

Seine Soundvisionen stechen auch heute noch aus der Masse elektronisch erzeugter Musik heraus. Das zeigt, dass Alex Paterson noch lange nicht zum alten Eisen zählt – im Gegenteil: Der Ambient-Pionier sprüht beim Gespräch förmlich über vor Ideen. Zusammen mit seinen alten Mitstreitern Simon Philips, John Roome und Jimi Cauty sowie neuen Talenten wie den Sängern und Rappern The Corpral und MC Soom-T ist Paterson mit „Bicycles & Tricycles“ eines der besten Alben seiner Karriere gelungen, das einen Bogen von den 80er-Jahren zur schlägt. Paterson, der nicht müde wird zu betonen, wie sehr er Deutschland liebt, ist froh, dass seine neue Platte wieder auf einem Independentlabel erscheint: „Es macht wieder so viel Spaß wie früher“, erzählt er freimütig. „Denn niemand schreibt mir vor, wie mein Album zu klingen hat. Es ist ein bisschen wie in den Tagen, als wir unsere erste Platten herausbrachten, und das macht mich glücklich.“ So entspannt wie auf „Bicycles & Tricycles“ klangen The Orb in der Tat seit Jahren nicht mehr. Paterson hat mit der Gruppe in den vergangenen zwölf Monaten auf dem Label Kompakt sogar zwei Singles herausgebracht. „Meine Geschäfte mache ich in der Regel ausschließlich per E-Mail. Ich will die Leute nie persönlich kennen lernen und ziehe es vor, anonym zu bleiben. Schon während meiner Kindheit bewunderte ich Kraftwerk unter anderem deshalb so, weil es der Band gelungen war, eine geradezu mystische Aura um sich herum aufzubauen.“ Und auch die Musik von The Orb ist geheimnisvoll. Mit dem neuen Album knüpft die Formation an ihre experimentellsten Zeiten an – und das ganz ohne Verschleißerscheinungen. „Ich bin seit 20 Jahren als Musiker aktiv. Viele meiner Freunde haben mir geraten, The Orb zu beerdigen und mit neuem Namen weiterzumachen. Doch das lehne ich strikt ab. Das kommt überhaupt nicht in Frage. Ich finde es ja gerade deshalb so spannend, mit diesem Namen weiterzumachen, weil The Orb in der Vergangenheit immer schwer zu berechnen waren.“