“Wir wollen weg von der Megastar-Fixierung der 90er Jahre“, erklärt Weissbrod, der im März 2000 Jürgen Stollberg als Bravo-Chefredakteur ablöste und davor bereits von 1982 bis 1988 das Musikressort des Blattes geleitet hatte. Dadurch soll sich auch der Kontakt zwischen der Redaktion und der Tonträgerbranche wieder auf eine breitere Basis stellen: „Viele aus der Musikbranche haben sich zuletzt nicht mehr getraut, uns Themen abseits des Teen-Mainstreams anzubieten, weil lange Zeit kaum etwas jenseits der großen Teenie-Acts wie Backstreet Boys oder „N Sync ins Blatt kam“, sagt Weissbrod.
Ermutigt sieht sich der Bravo-Chef in seinem Kurs durch die Erkenntnisse aus „irrsinnig vielen Gruppendiskussionen“, die signifikante Veränderungen in Verhalten und Vorlieben der Leserschaft deutlich gemacht hätten: Gerade die „13- oder 14 jährigen, die den Peak in unserer Leserstruktur ausmachen“, seien heute schon reifer, geschmacklich weiter als noch vor wenigen Jahren. „Diese Kids fragen auch nicht mehr so nach Schubladen“, glaubt Weißbrod. „Heute kann man Limp Bizkit, Britney Spears und deutschen R&B gleichermaßen hören, ohne deshalb in der Clique dumm dazustehen.“ Dies will der 48-jährige Blattmacher nutzen, um sein Magazin auch als Promotion- und Marketing-Plattform wieder attraktiver zu machen: „Wir wollen uns für alle möglichen Kooperationspartner öffnen, und wollen von den Tonträgerfirmen als Partner gesehen werden“.
Zu diesem Zweck lud die Bravo-Chefredaktion Vertreter der Musikwirtschaft Ende Juni in München zu einem informellen Ideenaustausch. Erste Belege für das musikalische Überzeugungspotenzial des Jugendtitels sieht Weissbrod im Charts-Geschehen der letzten Monate: „Bravo“, ist er sich sicher, habe „maßgeblich zu den Erfolgen von No Angels, Eminem und Crazy Town in Deutschland beigetragen.“



