Nach zum Teil heftigen Protesten von Webcastern, Radiosendern und Lobbygruppen hat sich das U.S. Copyright Royalty Board (CRB) bereit erklärt, eine neue Anhörung zum Thema Webradio-Tantiemen anzuberaumen. Viele Webradios fürchten angesichts der zuletzt veröffentlichten Tarife um ihre Existenz.
Die Digital Media Association (DiMA), der Radiokonzern Clear Channel, der quasi öffentlich-rechtliche Sender NPR und zahlreiche kleine und mittlere Webcaster hatten sich empört über die Höhe der vom CRB veranschlagten Vergütungssätze für die Streaminglizenzen. Der oberste Richter des CRB, der zuständigen staatlichen Schlichtungsstelle in Urheberrechtsfragen, forderte nun alle beteiligten Parteien auf, bis zum 2. April ihre Eingaben zu machen, damit eine klärende Anhörung geplant werden kann.
Das Copyright Royalty Board war mit seinen Tantiemensätzen weitgehend den Forderungen der Verwertungsgesellschaft SoundExchange gefolgt, die die Lizenzgebühren für die Masterrechte an online gesendeten Songs einsammelt. Demnach würden Webcaster künftig mit einem Progressionsmodell zur Kasse gebeten: Für das Jahr 2006 veranschlagt das CRB 0,08 Cent für jeden Song, der an einen Hörer gestreamt wurde. In diesem Jahr sollen es bereits 0,11 Cent sein – in den Folgejahren soll der Tarif dann auf 0,14, 0,18 und schließlich 0,19 Cent im Jahr 2010 steigen. Obendrein fällt eine Standardgrundgebühr von 500 Dollar pro Webcaster an – umgerechnet rund 375 Euro.
Für einen durchschnittlichen Webcaster, der 16 Songs pro Stunde spielt, bedeutet dies für das Jahr 2006 Kosten in Höhe von 1,28 Cent pro Hörerstunde. Dieser Betrag multipliziert sich natürlich noch mit der Anzahl der Hörer. Nimmt man z.B. die Novemberquoten des AOL Radio Network in den USA, dann müsste der Onlineriese nach Expertenschätzung für die in jenem Monat 2,1 Milliarden gestreamten Songs rund 1,65 Millionen Dollar oder 1,23 Millionen Euro an SoundExchange abführen. Übers Jahr kämen somit also rund 20 Millionen Dollar oder umgerechnet knapp 15 Millionen Euro zusammen. Nach Ansicht vieler kleinerer Webradio-Anbieter sind Tantiemensätze dieser Größenordnung nicht refinanzierbar. Unter Einbeziehung aller Erlösquellen kommt ein US-Webcaster im Schnitt auf 1,0 bis 1,2 Cent Umsatz pro Hörerstunde.


