Musik

Stylist mit Extraportion Humor und Zynismus

Mit seinem ersten Soloalbum eroberte er bereits die Charts. Auf „Mercedes Dance“ beschäftigt sich Jan Delay nun mit Funk.

“Ein neuer Jan, ein neuer Anfang, Reggae ist Tod, jetzt ist Funk dran“, stellt Jan Delay gleich zu Beginn im Intro von „Mercedes Dance„, seinem zweiten Soloalbum, unmissverständlich fest. War bei „Searching For The Jan Soul Rebels“ noch Reggae die treibende Kraft, so sortierte Jan Delay in den vergangenen vier Jahren seinen Musikkosmos grundlegend neu:

„Für die Veränderungen gab es drei entscheidende Komponenten. Zum einen setzte ich mich während der Produktion des letzten Albums der Beginner, ‚Blast Action Heroes‚, sehr intensiv mit Jazz-Funk auseinander. Und wie immer, wenn mich etwas derart beschäftigt, verarbeite ich das in meiner eigenen Musik. Zum anderen bin ich seit 2002 ein großer Fan von Cee-Lo, der als Mitglied von Gnarls Barkley derzeit große Erfolge feiert.“

Hits mit Erfolgsgarantie

Jan Delay beeindruckte vor allem das 2002 erschienene erste Soloalbum, „Cee-Lo Green And His Perfect Imperfections„: „Darauf hat er es auf unnachahmliche Weise geschafft, Live-Instrumente mit programmierten Sounds zu verbinden.“ Und zu guter Letzt hatte auch Jan Delays DJ-Arbeit unter dem Pseudonym DJ Flashdance zusammen mit DJ Mixwell großen Einfluss auf „Mercedes Dance“.

„Wir beide legen bei unseren Events nur Hits auf. Und da merkte ich, dass es vor allem in Amerika, England und Frankreich zum Beispiel von Daft Punk viele Platten gibt, von denen man auch nach zehn Jahren noch einen Track spielen kann, der nie als Single veröffentlicht wurde, und die Leute singen alles mit und drehen vollkommen durch.“

Vertrautes Team

Genau so ein Album vermisst Jan Delay in Deutschland bis heute. „In diese Lücke musste ich natürlich mit ‚Mercedes Dance‘ schlagen.“ Selbstverständlich ist das Album trotz des theoretischen Überbaus wieder zu 100 Prozent ein Werk von Jan Delay, der gemeinsam mit seinen beiden Vertrauten Matthias Arfman und Tropf sowie der Band Disko No. 1 um den langjährigen Bassisten Ali Busse (Sam Ragga Band) elf lässig groovende Tracks einspielte.

In ihnen analysiert Jan Delay – wie schon auf „Searching For The Jan Soul Rebels“ – auf eigenwillige Weise das aktuelle Zeitgeschehen und die kulturellen Sünden seine Landsleute. Die Texte von Songs wie „Kartoffeln“ oder „Gasthaus zum lachenden Stalin“ sind mit einer Extraportion Humor und Zynismus ausgestattet, wie sie nur Jan Delay hinbekommt.

Aufregende Zusammenarbeit

„Für mich war von Anfang an klar, dass ich diese Platte wieder mit Matthias Arfman einspiele. Zusammen mit ihm betreibe ich auch das Label Hamburg City Im- und Export Musikproduktion.“ Wie gut die Zusammenarbeit der beiden funktioniert, lässt sich an Tracks wie „Ahn ich gar nicht“ oder „Im Arsch“ ablesen, bei dem als Gastsänger Udo Lindenberg mit dabei ist.

„Mir war im Vorfeld der Aufnahme ein bisschen mulmig zumute, weil ich nicht wusste, wie er drauf ist und ob es ihm gut geht“, meint Jan Delay. Letztlich erwiesen sich jedoch alle Zweifel als unbegründet. „Der Typ ist so derbe am Start und absolut fit im Kopf. Ich bombardierte ihn bei unseren ersten Treffen erst einmal mit all den Fragen, die mich als Fan interessierten. Udo war der erste Künstler, der mich gesangsmässig richtig geflasht hat.“