Um so mehr ärgern sich seriöse Manager, wenn man ihrem Berufsstand pauschal „unlautere Geschäftspraktiken“ unterstellt. Dagegen wehrten sich vor kurzem mehrere Künstlermanager – unter ihnen Sören Tempel, Michael Bisping (beide mad music management), Dieter Weidenfeld (bureau weidenfeld), Michael Smilgies (Hidden Force Management) und Björn Gralla (Contra Promotion) – in einem offenen Brief an Ulrich Poser.
Der Branchenanwalt hatte in der Zeitschrift „Musiker Magazin“ Ratschläge erteilt, auf was junge Musiker beim Abschluss eines Managementvertrages achten sollten: vertragliche Bindung höchstens zwei Jahre, keine Beteiligung der Manager an GEMA- und GVL-Vergütungen oder Merchandisingerlösen, keine Übernahme von Büropauschalen und Reisekosten der Manager. Außerdem sollten sich Musiker das Recht vorbehalten, den Vertrag jederzeit ohne Grund kündigen zu können.
„Wir wir tragen das volle Risiko“
Solche Einschränkungen aber, so die Manager in ihrer Replik, machen jegliche seriöse Aufbauarbeit unmöglich und treiben die Künstler unerfahrenen Amateuren in die Arme. Der Aufbau einer künstlerischen Karriere erfordere erhebliche Anfangsinvestitionen, gerade seriöse Manager seien auf eine gesicherte vertragliche Grundlage angewiesen.
„Man muss den Musikern sagen: Wenn es nicht klappt mit der Zusammenarbeit, dann könnt ihr aus dem Vertrag raus, und wir tragen das volle Risiko“, erklärt Sören Tempel von mad music management: „Aber wenn es zum Erfolg kommt, wollen wir eine vernünftige Beteiligung. Sonst ist es wirtschaftlich und inhaltlich nicht machbar.“
Mythen und Legenden
Die Diskussion um die Rolle des Managers ist nicht neu: Zahllose Anekdoten, Mythen und Legenden ranken sich um Urväter der Zunft wie Colonel Tom Parker, Brian Epstein und Andrew Loog-Oldham. Während Parker vor allem durch harsches und brutales Auftreten für sich und Elvis Presley die Profitmaximierung vorantrieb, war Beatles-Mann Epstein eher ein schwacher Verhandlungspartner, den Plattenfirmen oft ausbooteten. Andrew Oldham zeichnete sich dagegen vor allem durch präzise Kenntnisse der Szene aus, weshalb er die Rolling Stones immer wieder mit den richtigen Leuten bekannt machte.
Für junge Musiker spielt ein umsichtiger Manager jedenfalls eine größere Rolle als der von vielen Newcomern ersehnte Plattenvertrag. „Der Manager ist der Geschäftsführer der Firma Künstler mit den vier Abteilungen Platten, Konzerte, Rechte und Merchandising“, definiert Sören Tempel. Bei der Produktoptimierung gilt es, die richtigen Partner, wie Plattenfirma und Musikverlag, zu finden und deren Arbeit entsprechend zu koordinieren.
Die zweite wichtige Aufgabe für den Manager ist es dann, Motivation und Glauben an den Künstler bei allen Beteiligten aufrechtzuerhalten. „Hierfür sind Fingerspitzengefühl und genaue Kenntnisse der Branche essenziell“, so Tempel.


