Musik

Stoppok: Kein Blatt vorm Mund

Bei Stoppok greifen deutsche Sprache und angloamerikanischer Rock perfekt ineinander, wie „W.e.l.l.n.e.s.s.“ beweist, das erste Album für sein eigenes Label Groundsound im Vertrieb von Indigo (Bestellnummer: 0971-2).

Wellness-Welle und Pott-Poet – wie geht das zusammen? Wer Stoppok kennt, weiß, dass ihm derartige Modetrends höchst suspekt sind. Als Stoff für einen ironischen Song taugen New Age und Esoterik aber allemal. Im Titelstück ernennt Pommes-Erwin seine Fritten zu Energiestäbchen und Wellness-Werner bringt schnöde Heizdecken zwecks Aura-Reinigung und Strahlungsschutz unter die leichtgläubigen Leute. Resultat: Beide verdienen sich dumm und dämlich. Typisch Stoppok, im Unterschied zu den meisten Künstlern hat der kritische Moralist nicht nur eine Meinung, er vertritt sie auch offensiv.

„Ich gehe das Risiko ein, Aussagen zu machen und darauf festgenagelt zu werden. Ich mache mir ständig solche Gedanken und ich trau mich auch, sie zu sagen, denn das fördert Diskussionen, die bei Weicheiern nie zustande kämen“, sagt er. Im Song „Gladiatoren“ kritisiert er die Siegermentalität, mit der die Mächtigen die Schwächeren traktieren; in „Viel zu schön“ fordert er seine Hörer auf, nicht gedankenlos dem Herdentrieb zu folgen. „Die Industrie hat den Leuten suggeriert, dass es cool ist, ein angepasstes Arschloch zu sein. Ist das ein schönes Leben? Nee, ist es nicht!“

Nach seiner Odysee von Major zu Major hat der Essener mit Wahlheimat Bayern jetzt sein eigenes Label Groundsound gegründet. Er habe schon einen gewissen Druck gespürt, gibt Stoppok zu. Dieser Druck hat das vielleicht stärkste Album seiner Karriere gefördert. Mit brüchig nasaler Quengelstimme präsentiert er ausgereifte Texte, die Themen von Liebeskummer bis Angepasstsein wunderbar stimmig auf den Punkt bringen. Begleitet werden seine oft verblüffenden Reime von sattem Siebziger-Jahre-Rock mit Folk-Einschlag. Die Art und Weise, wie seine Töne die Worte umarmen, straft alle Lügen, die behaupten, die Eckigkeit der deutschen Sprache passe nicht zum Rock.

Um die Veröffentlichung zu unterstützen, ging der Label-Chef auf eine Interview-Reise. Übrigens wurde er von der Zeitschrift „Vegetarisch fit“ zum „Vegetarier des Monats“ ernannt. Im Februar besucht Stoppok deutsche Radiosender und im Kreise seiner Band wird er vom 1. bis zum 20. März live zu erleben sein. Flankierend gibt es Kooperationen mit Handelsketten und Anzeigen in POS-Magazinen.