1966 war ein hartes Jahr für die Musikgeschichte: Nicht genug, dass die Beatles ihren letzten öffentlichen Auftritt hatten – nein, auch die eher Westmusik-feindliche sozialistische Welt musste einen schweren Schlag wegstecken. Die Sputniks – quasi die „Beatles des Ostens“ – lösten sich auf. Vom allgegenwärtigen System eingeschränkt in ihrer künstlerischen Freiheit, hängten die legendären Vertreter des Big-Beat die Gitarren an den verdienten Nagel des Volkes. Die DDR war eine kapitalistische Bedrohung, die Bevölkerung ein Stück Kultbeat ärmer geworden.
Bis jetzt. Denn die Sputniks sind wieder da – auch wenn ihre Reunion zugegebenermaßen nicht ganz den Widerhall auslöste, wie die – mittlerweile ziemlich unwahrscheinliche – Reanimation der Beatles des Westens. Seit einigen Jahren touren die in Ehren ergrauten Herren wieder quer durch die Zelte (Gesamt-)Deutschlands – sehr zur Freude vieler alter Fans, die nach fast 40 Jahren rythmischen Reminiszenzen nachhängen oder schlicht das Beinchen schwingen können.
Nun nähert sich der bisherige Höhepunkt ihres konzertanten Wiederganges: Am Samstag, den 6. August, wollen die Sputniks im Rahmen des Wacken Open Air bei Itzehoe die große Bühne erklimmen und beweisen, dass sich auch Freunde härterer Töne dem gereiften Zauber des Big-Beat nicht entziehen können. Zwar handelt es sich hier um ein reines Heavy-Metal-Festival, doch das stört nicht weiter. Man ist ja Profi: Ein extra zu dem Zwecke erarbeitetes Metal-Beat-Special mit Stücken von Metallica & Co. sollte Berührungsängste beim Publikum abbauen helfen.
Kleiner Hintergedanke bei dem Auftritt: Noch immer sind die Sputniks ohne festen Plattenvertrag – und hoffen, wohlmeinende Vetrteter der Industrie vor Ort von Entertainment-Qualitäten wie Publikumsakzeptanz überzeugen zu können. Zu gönnen wäre es ihnen. Schließlich stammt ihr letzter Vertrag von 1964 – und zwei Abschlüsse in über 40 Jahren sind letztlich nicht übertrieben.


