“Open-Air-Fans kommen lieber zu Festivals auf der grünen Wiese anstatt auf Betonflächen von Flugplätzen. Man kann ihnen die Natur näher bringen mit Angeboten wie Kanufahrten auf der Werra beim Open Flair in Eschwege, wo sie nebenbei noch etwas über Gewässerschutz lernen“, erläutert Achim Köller, Inhaber der Booking- und Künstler-Agentur K.O.K.S., im Gespräch mit musikwoche. Seine Firma betreibt Sounds for Nature (SfN) gemeinsam mit dem Bundesamt für Naturschutz (BfN), der Deutschen Rockmusik-Stiftung und dem Bonner Institut für Umweltkommunikation (ifu).
Die Arbeitsgemeinschaft soll laut Köller längerfristig in eine Stiftung überführt werden. Um das SfN-Zertifikat des BfN zu erhalten, müssen Festivalveranstalter einen Kriterienkatalog erfüllen. Die SfN-Festivals „nutzen Festnetz- oder Ökostrom statt Dieselaggregate“, so Köller. In den Toiletten kommen Bio-Tabs statt Chemie zum Einsatz, die Festivals forcieren Mülltrennung und die Mitarbeit der Besucher bei der Abfallentsorgung mittels pfandpflichtiger Müllsäcke; sie nutzen Mehrwegpackungen und versuchen durch enge Zusammenarbeit mit den Betreibern der öffentlichen Verkehrsmittel den Individualverkehr einzuschränken. Ziel ist, so Köller, die Musikfans „ohne erhobenen Zeigefinger“ für Naturschutz zu sensibilisieren. Die Initiative startete 2001 als Musikwettbewerb in Zusammenarbeit mit der VW Soundfoundation. Junge Musiker waren aufgerufen, Songs zum Themenbereich Natur einzureichen. Die drei Sieger-Bands traten dann mit etablierten Gruppen wie Die Happy oder Liquido beim ersten „Sounds for Nature“-Festival am 1. Juni 2002 in Bonn vor 11.500 Besuchern auf, die sich in Ausstellungen und per eingespielten „Spots For Nature“ über Umweltthemen informieren konnten.
Angetan von dem positiven Start beschlossen die SfN-Macher, das Konzept auszudehnen. 2003 konnten sich mit Taubertal, dem Anröchte Festival und dem Open Flair in Eschwege bereits drei Freiluftmusikspektakel „Sounds for Nature“-Festivals nennen. In diesem Jahr sind es mit dem Varus Open Air, das Anfang Juli stattfand, dem Haldern Pop Festival und dem Rockspektakel Hamburg (beide Anfang August) sowie erneut Taubertal (13. bis 15. August) und Open Flair (20. bis 22. August) fünf Festivals. Die Veranstalter profitieren in mehrfacher Hinsicht: „Sie sparen Kosten, etwa bei der Müllentsorgung, verbessern ihr Image, erlangen höhere Aufmerksamkeit in den Medien und machen dadurch potenzielle Sponsoren hellhörig“, so Köller. Allein die drei SfN-Festivals 2003 generierten rund 200 Mio. Medienkontakte. In diesem Jahr berichten allein über Taubertal und sein Umweltkonzept mit dem hr, dem BR und einem Stadtfernsehverbund gleich drei Fernsehsender. 2005 werden zwei bis drei weitere SfN-Festivals hinzukommen – Bewerber gibt es laut Köller wesentlich mehr.



