Das Erfolgskonzept behält er zwar auch auf „Nur wegen dir“ über weite Strecken bei – doch diesmal mischt Stefan Gwildis unter die „seit Jahrzehnten bewährten Klassiker“ auch eigenes Song-Material. „Wir fuhren wieder mit der gleichen Mannschaft, die schon das Debüt einspielte, nach Italien und erarbeiteten dort die Basistracks.“
Die Aufnahmesituation dort ist für Stefan Giwldis nahezu perfekt. „Das Studio liegt sehr isoliert. Niemand kann also schnell mal zwischendurch zum Baumarkt rennen. Man ist viel konzentrierter bei der Sache und arbeitet viel intensiver an der Musik, als das woanders möglich wäre, und das gefällt mir sehr gut.“
Eine besondere Inspiration war zudem ein Konzert der legendären US-Band Earth, Wind & Fire, die zufällig in der Nachbarschaft ein Konzert gab. „Vor allem der Song,Mama mag ihn‘ ist sehr stark von diesem Live-Erlebnis geprägt. Die wunderbaren Rhythmen dieser Gruppe haben sich auf uns übertragen.“
Leidige Rechtefrage
Doch das ist beileibe nicht der einzige Titel, bei dem Stefan Gwildis und sein Band mit dem nötigen Gespür an die Sache herangehen. Ihre Version von Marvin Gayes unsterblichem Soul-Klassiker „I Heard It Through The Grapevine“ („Das kann doch nicht dein Ernst sein“) ist ebenso gelungen wie die Neuinterpretation von Van Morrisons bekanntester Solosingle „Brown Eyed Girl“ („Nur wegen Dir“).
„Die Schwierigkeit liegt nicht darin, geeignete Songs zu finden“, so Gwildis. „Es gibt mehr als genug. Viel spannender ist es, eine Freigabe von den Rechteinhabern zu bekommen. Man muss mehr Songs aufnehmen, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Wir spielten zum Beispiel zwei Stücke von Stevie Wonder ein, für die wir leider bis jetzt keine Freigabe haben. Das kann noch Monate dauern, bis sich da etwas bewegt.“
Da ist es nur konsequent, dass diesmal auch eigene Songs auf dem Album Platz finden. Und die passen perfekt zu den eingedeutschten Klassikern. Vor allem ein Track wie „Nur hier zu Haus (wunderschönes Grau)“ zeigt, dass Stefan Gwildis genau weiß, wo er den emotionalen Hebel ansetzen muss.
Kampf gegen Vorurteile
Mit dem auch für ihn überraschenden Erfolg von „Neues Spiel“ geht er ganz gelassen um. „Für mich sind 60.000 Platten eine unglaubliche Menge. Ich freue mich wahnsinnig über den Erfolg, vor allem deshalb, weil ich ihn in dieser Dimension einfach nicht erwartet habe.“
Als 2003 „Neues Spiel“ heraus kam, hatte Stefan Gwildis mit sehr vielen Vorurteilen in der Medienlandschaft zu kämpfen. Das ist anders geworden. „Als ehemaliger Straßenmusiker ist es für mich etwas ganz Besonderes, eine solche Anerkennung in ganz Deutschland und jetzt auch in Österreich zu bekommen.“
Erfolgsdruck verspürt er deshalb allerdings nicht. „Was wir hier machen, das geschieht aus Überzeugung. Ich singe in meinen Songs ja nicht nur über Herz und Schmerz, sondern eben auch über andere Dinge. Die Soul-Musik geht ganz bewusst auch in kritische Bereiche hinein. Das klammern wir nicht aus.“


