Joy Denalane ruhte sich nicht auf den Lorbeeren aus, sondern arbeitete in den letzten Jahren mit Hochdruck daran, immer besser zu werden. Und die Früchte dieses Strebens kann sie nun ernten. Die auffälligste Veränderung gegenüber der ersten Platte Mamani hört jeder sofort: Statt in Deutsch singt sie auf „Born & Raised“ ausschließlich in Englisch.
Für die Produktion zeichnen ihr Lebensgefährte Max Herre und Götz „GG“ Gottschalk verantwortlich, die zusammen mit Joy Denalane auch das neue Label Nesola betreiben. Um nichts dem Zufall zu überlassen, feilte das Trio, bevor es zur Produktion in die USA aufbrach, bereits im Vorfeld intensiv an den Songs. „Wir sind nicht rübergefahren, um erst dort die Songs für das Album zu erarbeiten“, erzählt Joy Denalane, „sondern wir haben in erster Linie das Material, das wir in Deutschland bereits geschrieben hatten, dort eingespielt.“
Hilfe vom Clan
Aufgenommen wurde „Born & Raised“ in The Studio A in Philadelphia, wo unter anderem The Roots und Larry Gold arbeiteten, mit Hilfe von Axel Niehaus, einem international renommierten Experten. Und so ist es kein Wunder, dass dieses Album vom ersten Moment an mit einem besonders ausgefeilten, warmen Sound glänzt.
Unterstützung findet Joy Denalane zudem bei zwei Rappern der Extraklasse: dem vollkommen zu Recht hoch gehandelten Newcomer Lupe Fiasco, mit dem zusammen sie den in jeder Hinsicht außergewöhnlichen Auftaktsong „Change“ bestreitet, sowie bei dem Wu-Tang-Clan-Urgestein Raekwon, der mit „Heaven Or Hell“ eines der schönsten und bewegendsten Stücke des Albums mit seiner prägnanten Stimme veredelt. Joy Denalane sagt, sie habe im Vorfeld lange hin und her überlegt, ob man das Wagnis, „Born & Raised“ in den USA einzuspielen, wirklich eingehen solle. „Aber die Gesamtkonstellation war einfach so günstig und einmalig, dass wir nicht anders konnten und uns dafür entschieden haben.“
Starke Frau, starke Stimme
Als Gastmusiker verpflichtete das Trio unter anderem den Gitarristen Chris Sholar (Q-Tip, Stevie Wonder), Schlagzeuger Steve Mckie (Bilal) und den Keyboarder Junius Bervine (Musiq). Zudem arbeitet man auch mit dem legendären Arrangeur und Komponist Larry Gold zusammen, der für die Streicherarrangements bei „Heaven Or Hell“ verantwortlich zeichnet.
Die entscheidende Eigenschaft des Albums ist aber, dass Joy Denalanes Stimme mehr denn je im Mittelpunkt steht. Vergleicht man ihren bereits hervorragenden Gesang auf „Mamani“ mit dem auf „Born & Raised“, dann fällt erst richtig auf, welche außergewöhnliche Energieleistung sie mit diesem Album abgeliefert hat.
Einfach perfekt
„Die Entscheidung, beim Singen von Deutsch zu Englisch zu wechseln, habe ich nicht von einem Tag auf den anderen getroffen“, erklärt sie. „Nachdem ich damals meine erste Platte veröffentlicht hatte, wurde ich eingeladen, auch in den USA einige Konzerte zu spielen. Und dafür habe ich ein paar Songs des Albums mit Hilfe von Sékou Neblett einfach übersetzt, zum Beispiel,Soweto‘.
Das ist so hervorragend gelaufen und hat so perfekt funktioniert, dass Max und ich im Anschluss daran beschlossen haben, dass ich zwei, drei Songs des neuen Albums in Englisch singen sollte.“ Am Ende waren alle von dem Ergebnis so angetan, dass Joy Denalane schließlich alle Stücke in Englisch aufnahm.


