Musik

Songwritertalent mit großer Zukunft

Auf „Eye To The Telescope“ zeigt KT Tunstall ihre Qualitäten als Geschichtenerzählerin. Allüren und unötiges Pathos sind ihr fremd.

Das überrascht schon deshalb, weil der Sängerin und Songwriterin, die in dem kleinen Universitätsstädtchen St. Andrews an der schottischen Ostküste aufwuchs, alle Starallüren abgehen, die sonst scheinbar nötig sind, um im Rampenlicht zu stehen.

KT Tunstall muss ihr Publikum nicht mit irgendwelchem optischen Firlefanz blenden oder mit möglichst offenherzigen Posen für Aufmerksamkeit sorgen. Allein ihre Musik – eine extrem ansprechende Mixtur aus Folk, Pop und einer kleinen Prise Soul – überzeugt jeden Hörer im Handumdrehen von ihrem außergewöhnlichen Talent.

Wohnzimmer-Sound bevorzugt

Mit ihren 28 Jahren verfügt sie über einen ausreichend großen Erfahrungsschatz, um überzeugend von den Höhen und Tiefen des Lebens zu erzählen. Und das tut sie ganz ohne Pathos und mit einer eigenwilligen, sanften Stimme, die den meisten Hörern dauerhaft im Gedächtnis bleiben wird.

Spricht man KT Tunstall auf die Studioaufnahmen an, wird schnell klar, warum „Eye To The Telescope“ so einzigartig klingt: „Wir haben das Album nicht in einem großen, teuren Studio in London aufgenommen, wo ein einziger Tag 1500 Pfund oder mehr kostet, sondern in einem ganz kleinen Studio, für das man nur 200 Pfund zahlen muss.“ Kein Wunder, dass die Aufnahmen laut KT Tunstall im Original klangen wie eine Platte, die man im Wohnzimmer eingespielt hat.

„Ich bin mit dem Sound wirklich sehr zufrieden, aber hätte man Produzent Steve Osborne und mir komplett die Kontrolle überlassen, dann hätten wir wohl auf ‚Eye To The Telescope‘ am ursprünglichen Klang der Aufnahmen festgehalten.“

Gezähmte Einzelkämpferin

Für die Sängerin war es nach zehn Jahren, in denen sie vornehmlich zu Hause für sich allein an ihren Songs gebastelt hatte, nicht gerade einfach, mit einem richtigen Team im Studio zusammenzuarbeiten.

„Ich war es einfach nicht gewohnt, meine Erfahrungen mit anderen zu teilen. Das hat mich am Anfang ganz schön irritiert. Die Plattenfirma musste mich erst davon überzeugen, dass ich mit meiner Musik mehr Leute erreichen würde, wenn der Sound etwas ansprechender ausgestaltet würde. Darüber habe ich mir dann eine Zeitlang den Kopf zerbrochen, und schließlich habe ich mich dazu durchgerungen, Labels zu vertrauen.“

An erster Stelle steht für KT Tunstall immer noch, dass sie mit ihrer Musik so viele Menschen wie möglich erreicht. „Eye To The Telescope“ ist trotzdem immer noch meilenweit von einem glatt produzierten Hitparadenalbum entfernt.

Rau und direkt

Jeder Song ist das durch und durch persönliche Statement einer Frau, die sehr genau weiß, welche Fallen das Leben bereithält. „Manchmal übertreibe ich es auch mit meiner Vorliebe, alles möglichst rau und direkt klingen zu lassen. Die zwölf Songs sind recht sensible Gebilde, die es oft gar nicht vertragen, wenn man ihnen alles Vertraute austreibt.“

Als wichtigsten Partner bei der Produktion – neben Produzent Steve Osborne – nennt KT Tunstall im Interview den schwedischen Songwriter Martin Terefe, mit dem sie schon sehr lange zusammenarbeitet. „Er ist in gewisser Weise der perfekte Partner für mich, der mich immer wieder antreibt, Neues zu versuchen und an meinem Ausdruck zu arbeiten.“

Trotzdem hat das ihren Stil nicht verändert: „Erstaunlicherweise sind die meisten Songs dadurch noch weit persönlicher ausgefallen, als wenn ich sie zu Hause allein geschrieben hätte.“