Musik

„Songs zum Hören und zum Sehen“

Die Newcomer verraten, wie sich Romy Schneider auf ihr Debütalbum gemogelt hat und warum ein Altersunterschied von 20 Jahren kein Problem ist.

“ Wer sind eure musikalischen Vorbilder?

Konrad: Ich habe angefangen, mich für Musik zu interessieren, als ich eine Kassette mit Elvis-Presley-Songs geschenkt bekommen habe. Da war er vorne mit diesem pompösen goldenen Anzug drauf. Das hat mich beeindruckt. Als Songschreiber hat mich Robbie Williams beeinflusst – so wollte ich auch sein.

Michel: Ich habe die Beatles für mich entdeckt, da hatten sie sich gerade aufgelöst. Später kam dann noch David Bowie hinzu.

“ Michel, du warst bereits als Songschreiber für die Band Echt erfolgreich und bist auch ein wenig älter als deine beiden Bandkollegen. Wie läuft eure Zusammenarbeit?

Michel: Wichtiger als der Altersunterschied ist, dass ich meine Kollegen respektiere. Wir arbeiten eng zusammen, das war auch bei unserem Album „Tägliche Landschaft“ so. Ich habe zwar die Texte geschrieben, aber wir singen alle drei – bei jedem Song.

Konrad: Anfangs hatte ich schon ein paar Bedenken. Die haben sich aber aufgrund der Qualität der Songs sehr schnell gelegt. Mittlerweile sind wir eine echte Gemeinschaft geworden.

“ Euer Album handelt von ganz großen Gefühlen. Woher nehmt ihr die Inspiration dafür?

Michel: Unsere Inspiration ist das tägliche Leben. Eben das, was die „Tägliche Landschaft“ so hergibt.

Leo: Michel hat zwar die Texte geschrieben, aber sobald Konrad und ich die Songs singen, identifizieren wir uns voll damit. Die Lieder sprechen uns aus dem Herzen – und aus dem Kopf.

“ Gibt es einen Song auf „Tägliche Landschaft“, der euch besonders gut gefällt?

Konrad: „Drüberschlafen“. Die Melodie ist wunderschön und auch der Inhalt spricht mich an. In dieser Situation, in der man nicht möchte, dass die Frau geht und ihr dann unbedingt was bieten muss – was zum Essen zum Beispiel… Da finde ich den Satz „Lass uns noch einmal drüber schlafen, bevor wie falsche Dinge sagen“ sehr passend.

Leo: „Einmal in 10 Jahren“ spricht mir aus der Seele – textlich und musikalisch.

“ Gibt es für euch Dinge, die man auf deutsch nicht ausdrücken kann?

Konrad: Ja, zum Beispiel „Sie liebt dich, ja ja ja“ von den Beatles. In den 60er Jahren ging das vielleicht noch eher als heute. Michel verpackt das einfach anders, lakonischer. Er schreibt nicht „Ich liebe dich, bleib bei mir“ – obwohl es darum geht.

Michel: Man kann auf deutsch Dinge sehr genau auf den Punkt bringen. Ich bin zwar Holländer, lebe aber schon lange in Deutschland. Deswegen kann ich mich in der deutschen Sprache besser ausdrücken als in der englischen.

“ Was haltet ihr von einer Deutschquote fürs Radio?

Leo: In Frankreich funktioniert diese Quote per Gesetz ganz gut. Ohne patriotisch sein zu wollen, halte ich das für eine gute Idee, um die eigene Kultur etwas selbstverständlicher zu machen.

Michel: Das hängt von der Qualität der Künstler ab. Nehmen wir an, wir hätten eine Deutschquote von 70 Prozent und die Plattenfirmen würden bloß Scheiß unter Vertrag nehmen – dann würde ich kein Radio mehr hören wollen.

“ Wie gefallen euch Castingbands?

Konrad: Mittlerweile hat man da schon eine richtige Anti-Haltung entwickelt. Es gibt einfach zu viele davon. Prinzipiell finde ich es gut, dass so auch dem Paketpacker die Möglichkeit gegeben wird, sich kreativ auszutoben. Das Endprodukt, die Show mit Dieter Bohlens blöden Sprüchen, gefällt mir allerdings nicht.

Michel: Ich würde jedem, der sich ernsthaft für Musik interessiert, davon abraten, an einer Castingshow teilzunehmen. Da gibt es andere Wege.

“ Ein Instrumentalstück auf eurer CD heißt „Romy Schneider“. Was verbindet euch mit der Schauspielerin?

Konrad: Man kann das ganze Album generell cineastisch verstehen. Ich habe Michel gefragt, warum er Romy Schneider nur ein so kurzes Stück gewidmet hat. Er hat gesagt, weil Romys Leben auch viel zu kurz war.

Michel: Ansonsten gibt es auf dem Album Anspielungen auf „James Bond“ und „Doktor Schiwago“.

Leo: Außerdem sprechen die Songs eine sehr bildhafte Sprache – Es sind Lieder zum Hören und zum Sehen. Wie zum Beispiel das Lied „Zwillingsbruder“. Diese graue, triste Atmosphäre kann man sich mit ein bisschen Phantasie gut vorstellen.

“ Was sind eure Pläne für die Zukunft?

Konrad: Im Moment wollen wir unsere Musik etablieren. Was bisher passiert ist, ist wundervoll. Der nächste Schritt ist, dass die Leute unsere Lieder auf den Konzerten mitsingen und wir nicht mehr unsere Freunde einladen müssen.

Leo: Anfang Mai gehen wir auf Clubtour durch Deutschland. Wir sind gespannt auf unser Publikum und was uns dann alles erwartet.