Musik

Songperlen aus dem hohen Norden

Kari Bremnes ist hierzulande weitgehend unbekannt. Zu Unrecht, wie die Norwegerin auf ihrem ersten englisch-sprachigen Album beweist.

Die Lofoten liegen 100 bis 300 Kilometer nördlich des Polarkreises. „Im Winter haben wir einen Monat lang vielleicht für zwei Stunden etwas Sonne“, sagt Kari Bremnes. „Es wird nicht richtig hell, eher dämmrig. Aber das ist sehr poetisch.“

Die Sängerin und Songschreiberin wuchs in Svolvær, einer 5000-Seelen-Gemeinde auf den Lofoten auf, und das „blaue Licht“ der nordnorwegischen Inselgruppe hat sich offensichtlich wohltuend auf ihre Musik ausgewirkt.

Und auf die Lofoten kehrt sie immer wieder zurück, auch wenn sie inzwischen viel in der Welt rumkommt und ihr sogar das japanische Publikum auf Konzertreisen zujubelt. „Die Lofoten nehmen die Menschen sehr gefangen. Es ist ein kompromissloses Leben; man wird sehr hart mit der Natur, mit dem Wetter konfrontiert. In meiner Musik versuche ich das Dynamische und die Kontraste zu nutzen.“

Dass ihr das vortrefflich gelingt, davon konnte sich das internationale Publikum auf ihrem ersten englischsprachigen Album überzeugen, bei dessen Texten ihr der amerikanische Songwriter Tom Russel und der Ire Declan Sinnott unter die Arme griffen.

Melange aus Jazz, Folk und Chanson

Norwegian Mood“ (2000) zeigt auf der Verpackung und im Booklet Bilder von den Lofoten, während die elf Songs als Greatest-Hits-Zusammenstellung das stilistische Spektrum der Künstlerin repräsentieren, in dem sich Elemente aus Jazz, Folk und Chanson finden.

Wer will, kann aus diesen Meisterwerken Vorbilder wie Joni Mitchell und Leonard Cohen heraushören. Auch das aktuelle Album gibt es in zwei Versionen: „11 Ubesvarte Anrop“ heißt die norwegische Originalfassung, „You’d Have To Be Here“ ist die Version für den internationalen Markt – und selten erreicht eine Songkollektion eine solche Intensität zwischen Rock und Jazz, was sicher auch an der perfekt eingespielten Begleitgruppe und am Gastauftritt des Trompeters Nils Petter Molvaer liegt.

In ihrer Heimat hat Kari Bremnes, die aus einer Musikerfamilie stammt und zunächst mit ihren Brüdern Lars und Ola auftrat, seit 1987 bereits 15 Alben veröffentlicht und von diesem Œuvre mittlerweile 350.000 Einheiten verkauft, eine für den vergleichsweise überschaubaren norwegischen Markt höchst beeindruckende Zahl.

Dass sie den Spellemansprisen, ein norwegisches Pendant des Echo, schon für ihr Debütalbum „Mitt Ville Hjerte“ (1987) erhielt, verwundert nicht. Auf jener Platte sang sie noch Texte von Leonard Cohen, Edvard Munch und anderen; später fing sie dann an, ihre eigenen Texte zu schreiben und auch ihre Musik selbst zu komponieren.

zur Zeit auf Deutschland-Tour

Dafür, dass die Songpoetin von den Lofoten auch in südlicheren Gefilden immer mehr Anhänger gewinnt, sorgt seit geraumer Zeit die Hamburger Firma Strange Ways Records als deutscher Lizenzpartner des norwegischen Bremnes-Labels Kirkelig Kulturverksted.

Und so erreichte das Album „Norwegian Mood“ mittlerweile in Deutschland die beachtliche Verkaufszahl von 25.000 Exemplaren.

Die stetig wachsende Popularität von Kari Bremnes dürfte im Januar einen weiteren Schub erhalten. Denn die nordische Künstlerin verlässt die frostige Region der Mittsommernachtssonne, um vom 23. Januar bis 1. Februar auf Deutschlandtournee zu gehen.

Neun Konzerte stehen auf dem Programm: am 23. Januar in Karlsruhe, am 24. Januar in Mainz, am 25. in Bochum, am 26. in Köln, am 27. in Hamburg, am 28. in Flensburg, am 29. in Hannover, am 31. Januar in Hardegsen/Göttingen und am 1. Februar in Berlin.