Musik

Slipknot: Von Masken und Mittelfingern

Unverhüllter Erwartungsdruck lastet auf den Maskenmetallern Slipknot. Ihr zweites Album, „Iowa“ (Roadrunner/Universal), hält dem Hype stand und fällt erstaunlich differenziert aus.

Sie nennen ihre Fans „Maden“, die Welt ist für sie ein einziger „Müllhaufen“, in dem zu leben ihnen „Schmerz“ verursacht. Jedes Mitglied trägt neben Maske und Overall auch eine Nummer, von null bis acht. „Die Masken sind Ausdruck unserer Persönlichkeit“, erläutert Percussionist Shawn Crahan (# 6). „Jeder hat seinen eigenen Wahnsinn entwickelt, der sich mit der Zeit verändert. Wir fühlen uns gut, wenn wir die Verkleidung für eine Stunde auf der Bühne tragen und sie dann abnehmen.,Was für eine Erleichterung“, sagen wir dann. Doch nach der Show scheinen wir sie innerlich immer wieder aufzusetzen.“

Trommler Joey Jordison (#1) erinnert an die Anfänge der Maskerade: „Wir haben uns nicht maskiert, um die Leute für uns zu interessieren. Wir machten es, weil wir Zuhause missachtet wurden, weil wir Musik oder überhaupt irgendetwas machten. Am Ende schienen wir eine anonyme Einheit zu sein, die niemand registrierte. Deswegen waren unsere Namen und Gesichter nie wichtig für uns. Was zählte, war allein die Musik.“

Die neunköpfige Karacho-Korona stammt aus Des Moines, Iowa, eine Gegend im Herzen Amerikas, die für Landwirtschaft und Langeweile bekannt ist. Wer sich in dieser konservativen Gegend nicht anpasst, dem schlägt Misstrauen entgegen. „Sie haben uns so oft den Mittelfinger gezeigt, dass wir es am Ende genauso machten, aber mit zehnmal soviel Wut.“

Entsprechend geladen, nennen Slipknot ihr zweites Album „Iowa“ (CD-Best.-Nr.: 210 062-0). Nach Slayer in den Achtzigern und Pantera in den Neunziger sind sie nun die populärste Band der Schwerstmetall-Liga. Dabei lassen die neun Durchgeknallten keineswegs nur zornigen Dauerkrach vom Stapel, im Gegenteil, über weite Strecken zeichnet sich „Iowa“ durch abgeklärtes Songwriting aus. Ein Song wie „The Heretic Anthem“ klingt erstaunlich klar und differenziert.

Die erwartete Breitseite der Psychopathen kommt eher von einem Kanonenschlag wie „People = Shit“, doch auch hier nehmen sie mittendrin Tempo weg, um einen Gitarren-Break einzuflechten. Ferner ertönt ein sirenenhaftes Sample, was die gespenstische Atmosphäre dieses Songs weiter unterstreicht. „Left Behind“ überrascht mit einem Wechselspiel von sauberem Gesang und dem gewohnten Überfall-Gebrüll von Corey Taylor (# 8). Dazu gesellt sich das abwechslungsreiche Schlagzeugspiel von Jordison.

„Das Album ist gewalttätig und brutal“, meint dieser zufrieden, „es ist konzentriert und definitiv Metal. Es gibt wirklich keine Singles darauf.“