Musik

Sirius Radio sichert sich Stern

Der Markt für digitales Satellitenradio bekommt seine erste Lichtgestalt. Amerikas umstrittenste Radiopersönlichkeit Howard Stern wechselt ab 2006 von Viacom zu Sirius. Den Fünfjahresvertrag lässt sich Sirius eine halbe Mrd. Dollar kosten.

Der junge Markt für digitales Satellitenradio bekommt seine erste Lichtgestalt. Amerikas umstrittenste Radiopersönlichkeit Howard Stern wechselt zum Januar 2006 von der Viacom-Sendergruppe Infinity Broadcasting zu Sirius Satellite Radio. Den Fünfjahresvertrag lässt sich Sirius eine halbe Mrd. Dollar kosten. 100 Mio. Dollar pro Jahr decken Produktion, Marketing und Sterns Gage ab. „Ich habe die Nase voll von der Zensur“, erklärte der Radiostar. „Die Regierung und die religiösen Fanatiker ruinieren gemeinsam alles, was am Radio bisher aufregend und spannend war.“

Seine Show, die nicht immer ganz jugendfrei ist, kam in den Monaten nach „Nipplegate“ immer wieder in Konflikt mit der US-Medienaufsicht, der Federal Communications Commission (FCC), nachdem Repräsentantenhaus und Senat auf Betreiben konservativer Kreise die Bußgelder für „unzüchtiges Verhalten“ drastisch erhöht hatten (musikwoche berichtete im Dossier in Heft 37: „Medienzensur in den USA“). So musste zum Beispiel der Radiobetreiber Clear Channel, der die Stern-Show auch ausstrahlt, zuletzt 495.000 Dollar Strafe an die FCC zahlen, weil Stern gegen Anstandsregeln verstieß. Stern sieht darin eine Einschränkung seiner Rede- und Meinungsfreiheit.

Beim Satellitensender Sirius kann er anstößig sein, wie er will: Inhaltelieferanten, deren Kunden bezahlen, unterliegen nicht den FCC-Regeln. Im öffentlichen Radio erreicht Stern wöchentlich rund zwölf Mio. Zuhörer. Dieses Potenzial will Sirius nun nutzen, um seinen bisherigen Kundenstamm von 600.000 deutlich zu steigern. Laut CEO Joseph P. Clayton braucht sein Unternehmen eine Mio. neue Hörer, um das Stern-Experiment finanzieren zu können. Investoren haben offenbar wenig Zweifel daran: Der Kurs der Sirius-Aktien stieg nach Verkündung des Deals um rund 18 Prozent. Hauptkonkurrent XM Radio, mit über 2,5 Mio. Abonnenten Marktführer, enttäuschte die Börsianer indes zuletzt, die Kurse sanken.

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