Bundestrainer Jürgen Klinsmann ist laut Udo Jürgens ein großes Stimmtalent. Trotzdem will die deutsche Fußballnationalmannschaft die Tradition der selbst eingesungenen WM-Platten nicht wieder aufleben lassen. Klinsmann sei „ein Sonnenschein-Typ“, sagt Jürgens in einem Interview mit dem „Stern“. Er habe den Fußballer vor der Weltmeisterschaft 1990 bei den Aufnahmen zur WM-Platte „Wir sind schon auf dem Brenner“ kennen gelernt. „Der hat natürlich gut gesungen,“ erzählt Jürgens. Doch heutzutage sei der Druck auf die Nationalmannschaft so groß, dass er verstehen könne, wenn die Spieler keine Lieder aufnehmen möchten: „Wenn der Kahn mal nicht gut hält, wirft man ihm dann womöglich gleich vor, dass er zu viel gesungen hat.“
Auch Team-Manager Oliver Bierhoff bestätigt: „Das Nationalteam wird nicht singen.“ Das sei nicht mehr zeitgemäß. Er könne sich aber einen WM-Song ohne Beteiligung der Spieler vorstellen, die Musik müsse allerdings zur jungen, wilden Mannschaft passen.
Ihm schwebt dabei möglicherweise eine schmissige Popnummer wie „Three Lions“ von Baddiel & Skinner und den Lightning Seeds vor. Der Gassenhauer, offizieller Song des englischen Teams für die EM 1996, avancierte zum internationalen Hit und kam auch in den deutschen Charts damals bis auf Rang 49. Erfolgreicher waren hier freilich durchaus die eigenen Gesangsauftritte des deutschen Nationalteams mit Hits wie „Fußball ist unser Leben“ (Platz 27 1973), „Buenos Dias, Argentina“ an der Seite von Udo Jürgens (Platz drei 1978) oder „Olé España“ im Verbund mit Michael Schanze (Rang zehn 1982).
Doch diese Zeiten scheinen nun unwiederruflich vorbei zu sein, zumal die Ballacks und Kahns unserer Tage auch keinerlei musikalische Soloambitionen zu hegen scheinen -im Gegensatz zu „Radi“ Radenkovic (Nummer fünf 1965 mit „Bin i Radi, bin i König“) oder Franz Beckenbauer, der 1966 mit „Gute Freunde darf niemand trennen“ die Charts enterte und immerhin Platz 31 erreichte.




