“Manchmal habe ich das Gefühl, dass bei den Plattenfirmen die Eigeninteressen vorgehen. Die Synergien zwischen Konzertveranstaltern und den Tonträgerherstellern wären noch wesentlich besser nutzbar“, erklärt der Geschäftsführer. Er vermisse vor allem bei konservativen Musikthemen die Kreativität bei den Mitarbeitern von Plattenfirmen. Semmelmann ging unter anderem aus diesem Grund selbst auf die Suche nach neuen Verwertungswegen. So ließ er beispielsweise zwei Konzerte von James Last für den amerikanischen Markt aufzeichnen und verkaufte die Rechte dafür an den US-Sender PBS.
Mit James Last nach China
Die Erfolgsgeschichte von Semmel Concerts ist eng mit James Last verknüpft. Semmelmann gründete seine Firma 1992 und arbeitete zunächst als örtlicher Veranstalter in Nordbayern, Sachsen und Thüringen. 1996 reiste er zu James Last nach Amerika und überredete den Künstler, wieder auf Tour zu gehen. Eine Partnerschaft, die beiden gefiel – seitdem veranstaltet Semmel weltweit Konzerte mit James Last. Im Herbst diesen Jahres ist sogar eine Tour in China geplant. Semmel betreut außerdem exklusiv die Künstler Roger Whittaker und die Swinglegenden Hugo Strasser, Max Greger und Paul Kuhn. „Wir sind ein Spezialist für alle Künstler über 65 Jahre“, meint Semmelmann scherzhaft und präzisiert: „Konservative Themen neu zu verpacken und in interessante Konzepte zu integrieren, ist unsere Stärke“.
Mit insgesamt 30 Mitarbeitern und Büros in Dresden, Chemnitz und demnächst auch in Berlin sowie rund 600 bis 800 Shows jährlich spielt Semmel nach eigenen Angaben „eine wichtige Rolle im Konzert der großen deutschen Veranstaltungsagenturen“. Dabei legt Semmel keinen Wert auf Außenwirkung. Semmelmann bezeichnet seine Firma als „Underdog, der nicht glamurös auftritt, sondern lieber ordentliche Arbeit abliefert“. Gemäß seiner Devise „Lieber gemeinsam arbeiten als gegeneinander“ hat sich Semmelmann im Jahr 2000 CTS Eventim angeschlossen. Den Vorstandsvorsitzenden der Firma, Klaus-Peter Schulenberg, schätzt Semmelmann als „sachlich-ruhigen Strategen“.
Publikumsmagneten im Herbst
Unter der Voraussetzung, dass die Konzepte der verschiedenen Konzertveranstalter in der Aktiengesellschaft ineinander greifen, hält der Semmel-Chef die Kombination für „unschlagbar“. Die wichtigsten Themen von Semmel Concerts in den kommenden Monaten sind eine Tour mit Künstlern der ZDF-Show „Lustige Musikanten“, weitere Konzerte mit James Last und Joja Wendt sowie eine Weihnachtstournee mit den Jungen Tenören. Außerdem soll das „Jahrtausendkonzert der Volksmusik“ wiederholt werden. Im vergangenen Herbst zog das Event mit sechs Konzerten rund 40.000 Besucher an und wurde von Marianne und Michael präsentiert. Ungeachtet der Musical-Krise, die sich in der Insolvenz der Stella-Tochter Broadway Musical Management (BMM) Anfang Mai manifestierte ist das Unternehmen zudem mit dem Musical „Grease“ auf Erfolgskurs: Ab Oktober stehen 200 Shows in mehreren deutschen Städten auf dem Spielplan.



