Bundestagspräsident Wolfgang Thierse hat sich gegenüber der Deutschen Welle für eine deutschsprachige Quote im Radio ausgesprochen, damit deutsche Künstler bessere Chancen gegen die „Allmacht des amerikanischen Kulturimperialismus“ erhalten. Diese Begründung rief Konzertveranstalter und musikwoche-Beirat Berthold Seliger zu einer deutlichen Replik auf den Plan. „Mit Verlaub, Herr Bundestagspräsident, Sie sind doch ein ganz klein wenig durchgeknallt, oder?“ fragt Seliger in seiner Stellungnahme. „‚Aber wahrscheinlich ist es jetzt an der Zeit, zu sagen, wo du stehst‘, um eine Liedzeile ostdeutscher Provenienz aufzugreifen. Und in der Tat, unsereiner steht dann ohne Zweifel auf der Seite von Bands wie Television, Pixies, White Stripes, Lambchop, Calexico, David Byrne, The Strokes, Velvet Underground und wie sie alle heißen. Wenn das ‚amerikanischer Kulturimperialismus‘ sein soll – bitteschön. Mehr davon!“, so Seliger. Ohne solche Klänge aus Amerika wäre seiner Meinung nach „das deutsche Popradio immer noch voll von reaktionärer, deutschtümelnder Musik. Die würde zwar dem Herrn Thierse und seinen Gesinnungsgenossen wahrscheinlich gut gefallen, aber mit denen mag ich lieber nicht schunkeln müssen.“ Thierse hatte gegenüber der Deutschen Welle erklärt, wenn die Sender nicht freiwillig mehr deutsche Musik spielten, müsse man diskutieren, ob Fernsehen und Hörfunk per Quote dazu gezwungen werden können – eine Forderung, die Seliger für „falsch und unsinnig“ hält. „Das Problem ist doch nicht, dass zu wenig deutsche Musik im Radio läuft, sondern dass zu wenig gute Musik zu hören ist.“ An die Politiker appelliert er: „Sorgt dafür, dass Kultur stattfinden kann, fördert sie – wo bleibt die flächendeckende Förderung von Zeitkultur, wie sie in Frankreich seit 20 Jahren gang und gäbe ist? Sorgt dafür, dass die soziale Situation der Künstler erträglich ist – es war die SPD Schröders und Thierses, die den Bundeszuschuss der Künstlersozialkasse drastisch zusammengestrichten hat, um nur ein Beispiel rot-grüner Kulturpolitik zu geben. Und haltet ansonsten einfach die Klappe. Ist besser so“, bekräftigt Seliger.
Seliger gibt Thierse Kontra
Bundestagspräsident Wolfgang Thierse unterstützt eine deutschsprachige Quote im Radio, damit Künstler bessere Chancen gegen die „Allmacht des amerikanischen Kulturimperialismus“ erhalten, was Veranstalter und musikwoche-Beirat Berthold Seliger zu einer deutlichen Replik auf den Plan rief.



