“Die organisierte, gewerbliche Tonträger-Piraterie bleibt eine der größten Bedrohungen für die Musikbranche“, erklärte IFPI-Chairman Jay Berman bei der Vorstellung des Piraterieberichts 2003 in London. Die Zahl der illegalen CD-Kopien habe erstmals die Milliarden-Marke übersprungen.
Die einzigen Gewinner dieser Situation seien die oftmals mit der organisierten Kriminalität in Verbindung stehenden Piraten. Für diese sei das Geschäft mit illegal produzierten Tonträgern ein im Vergleich zum Drogenhandel und zur Prostitution beinahe risikoloses Zusatzeinkommen, da die Strafen für die Verletzung von Urheberrechten minimal seien.
Die IFPI stellte daher nun eine schwarze Liste mit Ländern vor, deren Regierungen dringend in den Kampf gegen die Piraterie eingebunden werden sollen: Zu den von China angeführten schwarzen Schafen zählen Brasilien, Mexiko, Paraguay, Polen, Russland, Spanien, Taiwan, Thailand und die Ukraine. In China selbst beträgt die Pirateriequote nach IFPI-Angaben 90 Prozent.
China führt Blacklist an
„Unsere Branche investiert massiv in den Kampf gegen die Piraterie“, erklärte Berman. „Aber unsere Selbsthilfestrategien benötigen die dringende Unterstützung der Regierungen.“ Dazu sei zunächst ein modernes Recht zum Schutze der Urheber nötig, außerdem müssen laut Berman die Überkapazitäten der Presswerke kontrollierbar werden. Schließlich sei es notwendig, dass die Rechtsprechung die organisierte Piraterie als ein Verbrechen erkenne und entsprechende Sanktionen möglich mache.
Allein im vergangenen Jahr wurden nach Untersuchungen der IFPI mehr als eine Mrd. Piraterieprodukte in Form von CDs auf den Markt gebracht – bei jeder dritten verkauften CD handelte es sich demnach um eine Raubkopie. Der weltweite Markt für Piraterieprodukte erreichte im Jahr 2002 mit 4,6 Mrd. Dollar ein größeres Umsatzvolumen als der aller nationalen Märkte mit Ausnahme der beiden Branchengrößen USA und Japan.
1 Milliarde Raubkopien
Nach Preisen auf dem Schwarzmarkt bedeutet das ein Plus von sieben Prozent. Die Verluste der Branche auf dem legalen Markt seien allerdings deutlich höher einzuschätzen, erklärte Berman. Die Stückzahl der im Jahr 2002 verkauften Piraterie-CDs stieg um 14 Prozent. Von 1999 bis 2002 hat sich diese Zahl von 510 Mio. Einheiten auf 1,1 Mrd. mehr als verdoppelt; zusammen mit illegal kopierten Cassetten liegt die Summe gar bei 1,8 Mrd. Exemplaren. Während also jede dritte weltweit verkaufte CD eine Raubkopie ist, liegt die Quote bei vierzig von hundert, betrachtet man alle Tonträgerformate.
In 25 Nationen übersteigt das illegale Marktvolumen dasjenige des legalen Tonträgergeschäfts. Zugleich verzeichnet die Musikbranche in Zusammenarbeit mit den Behörden aber auch erste Erfolge im Kampf gegen die Piraterie: So vervierfachte sich die Zahl der im Jahr 2002 weltweit beschlagnahmten CDs im Vergleich zum Vorjahr auf rund 50 Mio. Stück. Dabei wurden illegale Kopien von mehr als 50 internationalen Top-Alben schon vor ihrer eigentlichen Veröffentlichung gefunden.
eigene Ermittlungsdienste
Die deutsche Landesgruppe der IFPI unterhält einen eigenen Ermittlungsdienst. Dieser geht Fällen von Musikpiraterie – offline wie online – gezielt nach und sorgt in Zusammenarbeit mit den staatlichen Behörden dafür, dass die IFPI immer mal wieder einen neuen Schlag gegen Piraten melden kann. Solch konsequente Anti-Piraterie-Arbeit sowie ein permanenter Ermittlungsdruck sind laut IFPI Garanten dafür, dass Deutschland eine niedrige Quote gewerblicher Piraterie aufweist.
In Europa ist allen voran der griechische Markt vom Piraterieproblem betroffen: Hier liegt die Quote bei mehr als 50 Prozent. In Spanien, Italien, Portugal und Zypern erreicht diese Quote 25 bis 50 Prozent, in den Niederlanden, Belgien und Finnland zwischen zehn und 25 Prozent. Alle anderen europäischen Länder haben mit Quoten von weniger als zehn Prozent zu kämpfen.
schwunghafter Markthandel
In Griechenland, Spanien und Italien bieten laut IFPI zumeist landesweit agierende Piratenringe CD-Bootlegs offen auf Straßenmärkten an. Bei all den Zahlen darf nicht vergessen werden, dass sich der Pirateriebericht der IFPI nur auf den Bereich der kommerziellen Bootlegger bezieht: Privat gebrannte CD-Rs oder im Internet getauschte Songs werden dagegen nicht erfasst. Laut Brennerstudie des Bundesverbands Phono aus dem April 2003 wurden im vergangenen Jahr allein in Deutschland rund 259 Mio. CD-Rs mit Musik bespielt.


