Musik

Schlafattacken bei Bartók

Bei dem Kanadier Daniel Powter ist nichts wie es scheint – schon gar nicht seine Musik. Das beweist der klassisch geprägte Multiinstrumentalist auf seinem Debüt eindrucksvoll.

Seine Vorab-Single „Bad Day“ hat sich schon zum Radio-Hit gemausert. „Ich glaube nicht an Songs über Autos, Juwelen, Champagner oder was-weiß-ich. In meinen Songs versuche ich immer, mich von konkreten Ideen und Themen fernzuhalten“, sagt Daniel Powter.

Sein gerade veröffentlichtes Debütalbum ist der beste Beweis für den programmatischen Ansatz des jungen Kanadiers. Denn bei Powter ist nichts so, wie es auf den ersten Blick scheint. Zum Beispiel in dem Song „Suspect“. Der klingt zunächst kraftvoll und eingängig, aber der Text ist sehr düster.

„Es ist ein schizophrener Song“, meint Powter. „Ich hatte dabei die Vorstellung, dass ich in einem Polizeiverhör sitze, weil ich etwas ganz Schlimmes, einen Mord etwa, begangen habe. Die eine Stimme sagt, wir müssen das in Ordnung bringen – die andere will das unbedingt verhindern.“ Die musikalische Umsetzung mit sägenden Gitarren und peitschendem Schlagzeug und vor allem der Kunstgriff, in zwei Stimmlagen zu singen, verleiht „Suspect“ eine hypnotische Atmosphäre.

Kindlicher Klassikgenuss

„Ich versuche, ungewöhnliche Storys zu schreiben“, meint der Musiker, „und möchte, dass meine Songs offen für die Interpretationen der Hörer bleiben.“ Die Musik begleitet Daniel Powter schon seit frühester Kindheit: Mit vier Jahren begann er Geige zu spielen, später kamen Klavier, Schlagzeug und Gitarre dazu.

Schuld daran war seine Mutter – eine Klassik-Pianistin. Die schleppte ihn schon als Kind in Aufführungen von klassischer Musik. „Ich liebe große Melodien“, sagt der Kanadier. „Deshalb mochte ich als Kind zum Beispiel Mozarts Musik sehr. Bei Béla Bartók war das schon anders; da bin ich oft mitten im Konzert einfach eingeschlafen.“

Musik voller Leidenschaft

Die frühe Begegnung mit der Klassik hinterließ eine nachhaltige Wirkung, denn in Sachen Struktur und Melodik ist Daniel Powter bereits ein Meister. Seine Songs klingen so gut, dass sie unweigerlich im Ohr haften bleiben. Aber sie sind gleichzeitig so ungewöhnlich und vielfältig, dass sie aufhorchen lassen.

Am überzeugendsten ist aber die Leidenschaft, mit der der junge Mann zu Werke geht. „Vielleicht liegt es daran, weil es solange gedauert hat, bis ich endlich einen Plattenvertrag bekam“, meint er. „Ich hatte oft das Gefühl, ein Verdurstender zu sein, der zwar das Wasser sieht, aber nicht trinken darf. Ich denke, jeder Mensch kennt dieses Gefühl. Und durch die Musik kann ich all diese Gefühle herauslassen.“