Sicherlich spielt auch die Produktion eine große Rolle, die der Sängerin jeden denkbaren Raum lässt, um sich voll zu entfalten. Dabei verzichtet Annett Louisan auf jeden affektierten Ton. Ihre Stimme klingt klar und direkt, ohne dadurch an Tiefe zu verlieren – ein Naturtalent, das mit entwaffnender Offenheit über die kleinen und großen Schwierigkeiten des Lebens erzählt.
„Angefangen hat meine Karriere als Studiosängerin. Ich habe von Weihnachtsliedern über Trance bis hin zu Klassik alles eingesungen und damit mein Studium finanziert.“
Das Studium hat sie zwar noch nicht abgeschlossen, dafür aber mit „Bohème“ ein Debütalbum eingespielt, das seinesgleichen sucht, vorausgesetzt, man nimmt sich als Hörer die Zeit, sich mit den filigranen Songs entsprechend ausgiebig auseinander zu setzen. Denn nur dann offenbaren sie ihren ganzen musikalischen Reichtum.
Musik auf den Punkt
Annett Louisan nahm die Platte in enger Zusammenarbeit mit Produzent und Songwriter Frank Ramond auf. „Frank und ich kennen uns schon eine ganze Weile und wollten immer schon etwas zusammen machen.“ Das Ergebnis zeigt, das hier zwei seelenverwandte Künstler aufeinandergetroffen sind, die sich gegenseitig inspirieren und so das bestmögliche Ergebnis erzielen.
Die sparsame Instrumentierung und die schnörkellosen Arrangements passen perfekt zum Gesangsstil von Annett Louisan, die trotz ihrer zarten Stimme eine außergewöhnliche Präsenz entwickelt. „Ich wollte bei dieser Platte bewusst wegkommen vom überhöhten Sprachgebrauch, der viele Produktionen in Deutschland kennzeichnet, hin zu einer fühlbaren Realität.“
Das Mädchen mit der Gitarre
Und genau das ist ihr mit Songs wie „Das Spiel“ oder „Die Dinge“ perfekt gelungen. Die Konzentration auf das Wesentliche spiegelt sich bereits in der Wahl der Songtitel wider („Der Schöne“, „Die Katze“ oder „Das Gefühl“) und zeigt sich auch bei der Wahl der Mittel, mit der sie auf ganz subtile Weise Stimmung erzeugt.
„Mit diesem Album wollte ich mich ganz bewusst von all diesen großen und lauten Produktionen absetzen und mich leisen, harmonischen Klängen widmen“, meint Annett Louisan. „Zudem habe ich einen besonderen Bezug zur Gitarre, weshalb auch die meisten Stücke von diesem Instrument geprägt sind.“
Dynamisches Wunschresultat
Auf der Platte übernahm die Gitarrenparts Hardy Kayser, live greift Annett Louisan durchaus auch selbst zu diesem Instrument. Von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt verging relativ wenig Zeit. „Die Sache entwickelte sich vom ersten Demo an so dynamisch, dass die gesamte Produktion, inklusive dem Songwriting, nur wenige Monate in Anspruch nahm.“
Annett Louisan legt bei den Songs sehr viel Wert darauf, dass die Botschaften klar und unmissverständlich rüberkommen. Das Geheimnis ihrer Musik beschreibt sie selbst überaus treffend: „Meine Musik kann man ganz leicht konsumieren, weil sie eben nicht aufdringlich ist. Wenn man aber das Gefühl hat, man braucht ein bisschen Tiefe, dann findet man diese auch. Das Beste ist doch, wenn der Hörer, nicht ahnend was ihn erwartet, in die Storys reintappt.“
Am meisten freut sie sich jedoch darüber, dass die Platte genau so geworden ist, wie sie es erwartet hat. „Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass manche Idee, die man am Anfang hat, mit dem Endprodukt nicht unbedingt übereinstimmt.“


