Die bei Sanctuary für die Backkatalog-Labels zuständige Managerin Maren Kumpe stellt klar, was die „Roots“-Veröffentlichungen bewirken sollen: „Damit wir immer wissen, woher all die Musik kommt, die wir mögen.“ Dabei hat die ursprünglich vor allem über das renommierte Unternehmen Castle als Reissue-Spezialist hervorgetretene Firma, die in Deutschland über Zomba vertreibt, durch den Erwerb weiterer Labels wie Indigo oder Trojan ihre Stil-Palette erweitert und ihr Repertoire vor allem um Reggae und Blues angereichert.
So erscheinen auf Indigo Neuauflagen mehrerer Blues- und R&B-Legenden wie Julia Lee, Amos Milburn und Brownie McGhee, wobei die Alben mit Raritäten und neuen Sleeve Notes angereichert sind. Als Highlight bezeichnet Maren Kumpe die Doppel-CD „Red Spring Poker“, die Aufnahmen aus den Jahren 1926 bis 1951 von Künstlern wie Muddie Waters, Lightnin“ Hopkins, Bessie Smith oder Jack Dupree enthält. Mittels einer vier CDs umfassenden Box dokumentiert Sanctuary „The History Of British Blues“, unter anderem mit The Kinks, Eric Clapton, Rod Stewart, The Animals oder Fleetwood Mac.
Salut an Blueshelden wie Slim und Waters
Aufklärung über Blues-Wurzeln leistet Memphis Slim mit „Ambassador Of The Blues“ mit Aufnahmen aus den Jahren 1946 bis 1949. Als solcher war er von der US-Regierung offiziell anerkannt. Muddy Waters wird als „The King Of Chicago Blues“ per Doppel-CD gewürdigt, dessen Songs zwischen 1947 und 1951 für die Labels Chess und Aristocrat entstanden. Neben den klassischen Box-Sets mit jeweils etwa 50 Tracks pro Set, für die die traditionsreiche Firma Trojan berühmt ist, erscheinen auch etliche Singles aus dem Katalog des Labels wieder auf Vinyl, die das originale Flair dieser Stilrichtung greifbar machen.
Auf dem Veröffentlichungsplan stehen dabei im März Big Youth, John Holt, Augustus Pablo sowie ein „Trojan Mod Reggae Box Set“. Das „Trojan UK Hits Box Set“ hingegen konzentriert sich auf die großen Ska- und Reggae-Hits in den britischen Charts. In chronologischer Reihenfolge werden unter anderem Songs der Skatalites, Ethiopians, von Desmond Dekker, Jimmy Cliff, Bob Marley, der Hot Shots oder von Judge Dread zusammengefasst. Und nachdem Reggae-Künstler früher meist nur Singles veröffentlichten, haben die Trojan-Experten handverlesene Klassiker in der Serie „Tighten Up“ zusammengefasst. Deren neueste Folge trägt den Titel „Trojan Reggae Classics 68 – 75“. Weitere Highlights im Sanctuary-Reggae-Katalog: Jimmy Cliffs gleichnamiges Album von 1969, das mit zwölf Bonus-Tracks ergänzt wurde. Aber auch den Heavy-Metal-Sektor vernachlässigt Sanctuary nicht, zumal das britische Tochterunternehmen Castle den berühmten Neat-Records-Katalog erwerben konnte und nun dessen Perlen neu auflegt. Darunter sind Größen der New Wave Of British Heavy Metal wie Venom, Raven, Jaguar, Hellanbach sowie Geordie, der einstigen Band von AC/DC-Sänger Brian Johnson. „The Best Of Neat Records — The Flame Burns On“ heißt die dazu gehörige Compilation, die einen Überblick über das gesamte Repertoire dieses Kenner-Labels vermittelt und zugleich auch einen Ausblick darauf bietet, was aus dem Neat-Katalog in nächster Zeit zu erwarten ist.
Hinzu kommt mit „Lead Weight“ eine lang gesuchte Original-Compilation, die eine NWOBHM-Momentaufnahme von 1980 mit Bands wie Venom, Raven, Fist, White Spirit, Jaguar, Geordie, Savage, Tyson Dog, Saracen und anderen liefert. Auch für den traditionelleren Pop-Bereich hat Castle einige Glanzstücke ausgegraben. Zu nennen ist hier vor allem der Mitschnitt des zweiten Konzerts von Emerson, Lake & Palmer, „Live At The Isle Of Wight“, von 1970. Dazu kommen „Swedish Radio Sessions“ diverser Bands wie The Nice, The Searchers oder Status Quo.
Und auch im Kinks-Fundus sind Castle-Sucher wieder fündig geworden: „Kinky – The Songs of Ray Davies & Other Kinks Kompanions“ vereint interessante Coverversionen, laut Maren Kumpe auch von Titeln, die The Kinks selbst nie veröffentlicht haben. „The Ultimate Collection“ bietet nicht nur die üblichen Aufnahmen für das Pye-Label, sondern umspannt die wechselvolle Karriere dieser Band bis hin in die 80er Jahre und reicht von „You Really Got Me“ bis zu „Come Dancing“.
Als weiteres Highlight in Sachen Kinks kündigt Kumpe außerdem Dave Davies“ Soloplatte „The Great Lost“ an, sein für 1967 geplantes Debüt, das mit unveröffentlichten Songs sowie Alternativ-Versionen ergänzt wurde. Weitere Highlights verspricht Kumpe darüber hinaus von den soeben neu gesignten Jazzrock-Veteranen von King Crimson. Außerdem setze Sanctuary künftig verstärkt auf die Veröffentlichung von DVDs: Geplant sind unter anderem „The Band Live At The Loreley“ und und die „Heartland“-Reggae-DVD.



