Die aus England stammende Band Saint Etienne ist vor allem eins: Sie ist anders. Wo andere meinen, die Gitarren krachen lassen zu müssen, legen Saint Etienne Wert auf unaufdringliche und subtile Klänge; statt rüder Rockerposen herrscht bei ihnen vornehme Zurückhaltung. Und so hören sich auch die Songs des Trios an. Die beiden Songschreiber Peter Wigg, Bob Stanley und die stets verführerisch klingende Sängerin Sarah Cracknell sind Inbegriff für edle, zeitlos wirkende Popmusik, die zwar federleicht klingt, aber nie leichtgewichtig ist.
Vielleicht ist diese Vielschichtigkeit ein Grund, warum die Band auch nach fünfzehn Jahren – trotz einiger Chartserfolge – immer noch ein Geheimtipp geblieben ist. Drei Jahre nach der hochgelobten CD „Finisterre“ wagen sie nun einen neuen Versuch. Auf dem Album „Tales From The Turnpike House“ verbinden Saint Etienne futuristisch anmutende Sounds mit klassischen Song- und Harmoniestrukturen, die ebenso charmant wie beiläufig Erinnerungen an die Beatles, die Beach Boys und andere hervorrufen. Retro-Future-Pop könnte man das vielleicht nennen, wenn dieser Begriff nicht zu dämlich klingen würde. „Wir machen moderne Popmusik, aber wir hören viele Sachen, die deutlich älter als fünf Jahre sind“, meint Bob Stanley. „Unsere Einflüsse kommen von überall her. Im Moment haben wir Kassetten von den Beach Boys, Glenn Campbell und sogar John Denver dabei“, fügt Peter Wigg hinzu.
In den Ruf einer Countryband werden Saint Etienne aber nicht kommen, denn mit lagerfeuerseligem Country-Gefiedel haben die Songs ihres neuen Albums ganz und gar nichts zu tun. Aber viel Sonne haben die Titel offensichtlich abbekommen, was sich schon im zart federnden und sanft melancholischen Opener „Sun In My Morning“ manifestiert. Für den Song „Relocate“ reaktivierten Saint Etienne gar den Siebziger-Heroen David Essex, der auch den Text beisteuerte. „Tales From The Turnpike House“ entpuppt sich schließlich als eine Art Konzept-Album. „Als wir die Idee hatten, Songs über Leute zu schreiben, die in einem Sozialwohnungsprojekt leben, wäre es sicher naheliegend und einfach gewesen, dies mit düsteren Klängen zu versehen, weil auch viele Texte ziemlich düster sind“, meint Stanley. „Aber das wäre dann ja das totale Depri-Album geworden“, wendet Peter Wigg ein, „und das wollten wir auf keinen Fall“.



