Musik

Rush legt leidenschaftliches Comeback-Album vor: Die Rückkehr der Rocklegende

Nach langer Ungewissheit feiert die kanadische Rockband Rush, die weltweit bislang mehr als 35 Millionen Alben verkaufte, ein fulminantes Comeback. „Vapor Trails“ verbindet harten Rock mit musikalischer Raffinesse und persönlichen Texten.

Abseits aller Trends steht Rush für ein musikalisches Universum, das hunderttausende Fans seit 1974 auf jeder neuen Platte mit Spannung erforschen. Eine weitere Erlebnis-Ebene bildet die Poesie des Bandtexters und Schlagzeugers Neil Peart. Zwei Schicksalsschläge, die der dichtende Musiker erleiden musste, führten zur knapp sechsjährigen Pause des kanadischen Trios. „Die Wahrscheinlichkeit war hoch, dass wir Drei nie wieder zusammen arbeiten würden. Der Verlust, den Neil hinnehmen musste, raubte ihm Lebenslust und musikalischen Spirit. Keiner konnte voraus sagen, ob dieser Esprit zurückkehren würde“, erklärt Bassist und Sänger Geddy Lee im Gespräch mit musikwoche.de. Im August 1997 kam Neils 19-jährige Tochter Selena bei einem Autounfall ums Leben. Knapp ein Jahr später starb seine Frau Jacqueline an Krebs. Um die Todesfälle zu verarbeiten, fuhr der „zwanghaft Reisende“, wie sich Neil Peart nennt, per Motorrad über den amerikanischen Kontinent.

Im Herbst 2000 war Peart wieder in der Lage, Musik zu machen. Die Band wählte ein Studio im Zentrum ihrer Heimatstadt Toronto, in unmittelbarer Nähe ihrer Wohnhäuser. Elf Monate gingen sie hier zur Arbeit, fast wie „Normalbürger“, allerdings zu verschiedenen Zeiten. „Neil hatte seinen eigenen Raum, in dem er trommeln konnte, er hatte lange nicht mehr gespielt“, berichtet Gitarrist Alex Lifeson. Im Vergleich zu den letzten drei Rush-Alben fiel „Vapor Trails“ (eastwest/Warner, Bestellnummer: 7567-83531-2) ausgesprochen rockig aus. Denn die 17. Studioproduktion besitzt einen satteren, bassorientierteren Sound. „Es kam einfach so aus uns heraus“, erzählt Lifeson. „Die Platte sollte tief, rund und groß klingen. Unsere früheren Alben klangen stets etwas dünn.“ Beispielsweise beginnt der Opener „One Little Victory“ mit einer knallharten Double-Bassdrum-Attacke, ein guter Vorgeschmack auf das, was folgt. „Es sollte ein leidenschaftliches Ding werden, ein Hard-Rock-Album eben“, sagt Lee. Die drei Kanadier sind ein Phänomen in der harten Rockszene. Die Zuneigung ihrer Anhänger ist nur mit der aufgelösten Gruppe Grateful Dead oder mit Bands wie Phish und Pearl Jam zu vergleichen.