Musik

Rückschau auf die Ära Abbado von der Deutschen Grammophon

Im Mai endet die zwölfjährige Amtszeit von Claudio Abbado als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker. Die Deutsche Grammophon hält mit gleich fünf neuen Tonträgern Rückschau auf eine fruchtbare Liaison.

Aus gesundheitlichen Gründen gibt Abbado, der erste vom Orchester selbst gewählte künstlerische Leiter, in diesem Monat den Chefdirigentenposten der Berliner Philharmoniker an Simon Rattle ab. Als Retrospektive auf Abbados Amtszeit veröffentlichte die Deutsche Grammophon (DG) am 22. April die Doppel-CD „The Berlin Album“. Andreas Kluge, zuständig für Artist Promotion bei Universal Classics, kennzeichnet die Zusammenstellung als „Best Of“ des Engagements des Italieners beim wohl renommiertesten Orchester der Welt.

Die Doppel-CD enthält Studioeinspielungen wie das „Allegretto“ aus Beethovens siebter Sinfonie oder die „Prelude“ aus dem ersten Akt von Verdis Oper „La Traviata“ sowie Livemitschnitte wie Wagners „Walkürenritt“ oder das „Largo“ aus Dvoráks Sinfonie Nummer neun. Hinzu kommen bislang unveröffentlichte Aufnahmen wie „Le Carnaval Romain“ von Hector Berlioz oder ein Auszug aus den „Nocturnes“ von Claude Debussy. Dieser Sampler spricht laut Kluge ein breites Publikum an. „Die Verkäufe laufen hervorragend und lassen auf eine gute Platzierung in den Klassik-Charts hoffen – je höher, desto besser“, ergänzt der Universal-Promoter.

Erfolgversprechend ist auch die soeben erschienene Studioaufnahme des Violinkonzerts von Johannes Brahms mit Gil Shaham als Solist – wie beim Europakonzert in Palermo, das die ARD am 1. Mai live übertrug. Zu den gefeiertsten Höhepunkten in der Verbindung Abbados mit den Berliner Philharmonikern gehörten stets die Interpretationen der Sinfonien Gustav Mahlers. Gleich drei neue Live-Alben aus dieser Rubrik legt die DG jetzt vor. Frisch am Markt ist bereits Mahlers Dritte, eine Aufnahme aus der Londoner Festival Hall von 1999. Am 7. Mai folgt der Mitschnitt der Siebten Sinfonie vom letzten Jahr aus der Berliner Philharmonie.

Anfang Juni erscheint dann noch Mahlers Neunte, ebenfalls aufgenommen im Stammhaus der Berliner Philharmoniker im September 1999. Sein letztes Konzert in seiner Funktion als fester künstlerischer Leiter des Orchesters gibt Abbado am 13. Mai im Wiener Musikverein. Auch hier steht neben Schönbergs „Pelleas und Melisande“ Mahler mit der „Siebten“ und den Rückert-Liedern auf dem Programm. Diesen Auftritt eingerechnet haben Abbado und die Berliner in den letzten zwölf Jahren 295 Konzerte in der deutschen Hauptstadt und 296 auf Reisen gegeben.

Mit Abbados 37 Engagements als Gastdirigent zwischen den Jahren 1966 und 1990 beträgt die Gesamtzahl gar 628 Konzerte. Und auch wenn Simon Rattle in Berlin das Zepter schwingt, wird der Maestro dem Orchester als Gastdirigent verbunden bleiben – auf Konzerttourneen und auf CDs. Dies freut auch Andreas Kluge, der neben dem künstlerischen auch das kommerzielle Potenzial von Abbado herausstreicht.

Von den DG-Aufnahmen mit den Berlinern der letzten zwölf Jahre nennt er vor allem die Box mit allen Beethoven-Sinfonien als langfristigen Umsatzbringer. Besonders erfolgreich gewesen seien aber auch die Einspielungen von Tschaikowskys Klavierkonzert No. 1 mit Martha Argerich, von Mahlers „Des Knaben Wunderhorn“ mit Anne Sofie von Otter und Thomas Quasthoff sowie die Gesamtaufnahme von Verdis „Falstaff“ mit Bryn Terfel.