Fünf Jahre sind eine lange Zeit im schnelllebigen Musikgeschäft. Besonders wenn es um Popmusik geht. Und erst recht, wenn eine Künstlerin für ihr Debüt so viel Applaus erhalten hat wie Emiliana Torrini aus Reykjavík.
Das Album stand unter der Überschrift „Love In The Time Of Science“ und wurde als skandinavische TripPop-Alternative gefeiert, während die zierliche Sängerin als Stimmwunder und „Prinzessin aus dem Eis“ bejubelt wurde.
Dann zog sich die Newcomerin zurück. „Ich brauchte Zeit, alles zu verdauen“, sagt die 27-Jährige heute. „Ich wusste nicht mal, ob ich überhaupt zurückkommen würde.“ Aber sie war „total erstaunt, dass es trotzdem so viele Fans gab, die immer wieder nach mir fragten“.
Gollums isländische Kumpanin
Unter ihren treuen Anhängern findet sich auch Prominenz wie Komponist Howard Shore, der für den Soundtrack zum Kinokassenschlager „Der Herr der Ringe“ verantwortlich zeichnete. Er überredete Emiliana Torrini, den „Gollum Song“ für die Episode „Die zwei Türme“ zu singen.
„Gollum ist meine Lieblingsfigur der Trilogie“, sagt die klassisch geschulte Sängerin. „Ich musste nicht so sauber singen, sondern durfte auch mal knurren. Das passt zu seinem Charakter.“
Diese Erfahrung im Studio und die positiven Reaktionen ermutigten sie, wieder ein Album aufzunehmen. Denn die Lieder, die sie zwischenzeitlich geschrieben hatte, fand sie eigentlich zu persönlich, um sie zu veröffentlichen: Ihr neues Werk, „Fisherman’s Woman“ (Rough Trade/Sanctuary/ rough trade), ist ein Liebesbrief an ihren verstorbenen Freund Johann.
„Ich verlor meine große Liebe und meinen besten Freund“
„Ich verlor meine große Liebe und meinen besten Freund“, sagt sie heute. „Daran bin ich fast wahnsinnig geworden; ich stand ziemlich nahe am Abgrund. Es war eine harte Zeit. Da entschloss ich mich, diesen Brief zu schreiben.“
Vertont hat sie ihn mit Hilfe des befreundeten Londoner Produzenten Dan Carey alias Mr. Dan, der sonst eher im Umfeld von Dub, Reggae und HipHop aktiv ist. „Ich wollte für diese Platte keine Beats“, erklärt Emiliana Torrini. „Er sagte ‚fein‘, schnappte sich eine akustische Gitarre, spielte ein paar Akkorde – und das Resultat war magisch.“
Leise Lieder sind es geworden, die besonders Fans von Will Oldham, Nick Drake oder Jeff Buckley gefallen dürften – größtenteils akustisch gefärbt, lediglich mit Klavier, verhaltener Electronica und Glockenspiel koloriert.
Emiliana Torrini zeigt sich froh, dass sie sich ihren Schmerz von der Seele geschrieben hat: „Als die Platte fertig war, fiel eine Last von mir ab.“


