Musik

Rückkehr der HipHop-Musketiere

Es gibt nur wenige Bands in Deutschland, die seit 15 Jahren auf ähnlich hohem Niveau unterwegs sind wie Die Fantastischen Vier. Fünf Jahre nach „4:99“, dem letzten Studioalbum, und nach diversen Soloprojekten präsentiert sich das Quartett mit „Viel“ als gereifte Einheit.

“Das letzte Werk war noch geprägt von dem Streben, aus Stuttgart wegzuziehen und ein emanzipiertes Leben zu leben und zu gestalten“, eröffnet Smudo gewohnt locker das Gespräch. „Bei ‚Viel‚ war die Situation ganz anders. Da wir natürlich nicht mehr 21 Jahre alt sind und gemeinsam bekifft auf dem Jugendzimmer Texte über Mädchen schreiben können, mussten wir erst einmal ein Klima schaffen, um gemeinsam kreativ arbeiten zu können.“

Bereits Ende 2002 mieteten sich Fantastischen Vier in Österreich eine Hütte auf dem Land und fingen an, Ideen zu sammeln. „Zu diesem Zeitpunkt war And.Y noch nicht mit dabei, da er wie erwartet viel zu lange an seinem Soloalbum arbeitete.“ Das Rest-Trio war also gezwungen, nach Alternativen Ausschau zu halten, um voranzukommen.

Arbeit mit dem Plattenpapzt

Mitgeholfen haben unter anderem der Plattenpapzt, Don Tone, Jochen Schmalbach, Paul Mogg (Psychonauts), Silly Walks und DJ Tomilla. So entstand das erste Album der Band, bei dem andere Produzenten maßgeblich beteiligt waren.

„Wir kennen natürlich alle Beteiligten schon eine gewisse Zeit. Das war wichtig, um eine vertrauliche Atmosphäre herzustellen. Es hat den Zusammenhalt noch weiter gestärkt. Wir fuhren zum Beispiel gemeinsam zum Plattenpapzt und übernachteten auf dem Sofa. Als And.Y dann wieder mit im Boot war, stellten wir die Sachen bei ihm im Studio fertig, und er steuerte auch noch ein paar Tracks bei.“

Hörspiel mit Sabrina Setlur

Das Ergebnis bezeichnet Smudo als „kurios, tanzbar und sehr abwechslungsreich – obwohl die Themen zum Teil sehr ernst sind, tragen wir sie witzig und gelassen vor, so ähnlich wie beim Blues.“

Und genau das zeichnete Die Fantastischen Vier seit Anfang der 90er-Jahre aus – die ernsten Seiten des Lebens möglichst positiv und beschwingt darzustellen und nicht in kompletten Klamauk abzudriften.

„Das Highlight der Platte ist für mich eindeutig das Intro. Ein Hörspiel, bei dem wir uns damit beschäftigen, wie es denn wäre, wenn wir uns so benehmen würden, als wären wir richtige Stars, obwohl wir es längst nicht mehr sind.“ Der Weg in die Disco stellt sich deutlich schwieriger dar als erwartet. „Als wir endlich drin sind im Club, stoßen wir auf Sabrina Setlur, die uns richtig an die Wand rappt. Der Song illustriert sehr schön den Geist des Albums.“

Angst vor der Wiederholung

Die schwierigste Aufgabe war es, im Vorfeld herauszufinden, wo jeder der vier Musiker seine kreative Herausforderung sieht. „Als erstes stellten wir bei unseren Treffen fest, dass deutscher Rap eigentlich voll langweilt, bis auf ganz, ganz wenige Ausnahmen“, erzählt Smudo. „Die Leute erzählen viel zu wenig Geschichten, außer dass sie gerade das Abitur gemacht und keine Kohle haben.“

Die Aufgabenstellung für die vier war von Anfang an klar definiert: „Wie stellen wir es an, uns nicht zu wiederholen. Dank der Mitarbeit anderer Produzenten ist es uns gelungen, viele neue Einflüsse und Ideen zu verarbeiten. Problematisch wurde es immer dann, wenn wir ein Thema behandelten, das wir schon vor einigen Jahren bearbeitet hatten. Da muss man höllisch aufpassen, damit man nicht wieder in das gleiche Fahrwasser gerät. Wichtig ist vor allem die Perspektive, von der aus man ansetzt. Bei unserem letzten Album waren wir alle um die 30. Fünf Jahre später stellt sich die Sache ganz anders dar.“