Musik

Rudi Gamper, verantwortlicher Koordinator RAI Bozen

„Wer gewinnt, dem wird auch applaudiert“

musikwoche.de: Wie schreitet die Planung zur Show voran? Rudi Gamper: Es ist sehr hektisch momentan. Wir müssen ständig die Arbeiten und Aufbauten überprüfen. Aber bis jetzt läuft alles genau im Zeitplan ab.

mw: Wie eigenständig ist der Sender RAI Bozen? Gamper: Wir gehören zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk und sind quasi eine Zweigstelle von RAI in Rom. RAI Bozen ist ein Sender für die deutsche Minderheit in Südtirol, denn von den insgesamt 450.000 Menschen leben hier rund 300.000 deutsche und ladinische Einwohner. Wir haben eine Fernsehsendezeit von ungefähr 13 Stunden pro Woche, und strahlen zweimal täglich die „Tagesschau“ aus. Im Hörfunk senden wir 13 Stunden pro Tag.

mw: Unterstützen Sie die anderen Eurovisions-Sender bei der Planung der Sendung? Gamper: Alle drei Anstalten – ZDF, SF DRS und ORF – stehen uns bei der Organisation der Show zur Seite. Sie haben darin ja bereits Erfahrung, wir hingegen noch nicht. Der Sender Bozen betreut auch einzig die technische Aufnahme, alles andere war für uns eine Nummer zu groß. Daher haben wir die Firma Werner Kimmig, die auch für ZDF, ARD und die Privaten in Deutschland TV-Produktionen vorbereitet, beauftragt, das Showkonzept zu realisieren.

mw: Welche Einschaltquoten muss das Finale erreichen? Gamper: Wir haben keine Vorgaben, wieviel Prozent an Marktanteil wir erreichen müssen, das ist bei den großen Sendern natürlich anders. Wir versorgen ein kleines Gebiet, in dem fast jeder Südtiroler zusieht, zumal der Grand Prix hier momentan ein Dauerthema im Radio und TV ist.

mw: Aber eine Prognose können Sie doch wagen, oder? Gamper: Wir rechnen mit acht bis zehn Millionen Zusehern in den vier Ländern.

mw: Das Finale in Meran war binnen weniger Tage ausverkauft. Woran liegt das? Gamper: Der Grand Prix der Volksmusik ist vielleicht so populär, weil viele den Besuch mit einem Urlaubswochenende verbinden. Zudem liegt der 7. September mitten in der Apfelernte – eine besonders reizvolle Zeit, Südtirol zu besuchen. Das Finale findet in der Meran-Arena statt, einer großen Eishalle. Dort arbeiten wir zum ersten Mal mit einer Doppelbühne: Es sind zwei fast identische Bühnen mit großen Einspielwänden, auf denen die Künstler und Moderatoren abwechselnd agieren. In der Mitte des Saales ist ein großer Kristall, der sich dreht. Dadurch bleibt Raum für 1800 Zuschauerplätze.

mw: Es gibt eine Kooperation mit der SMG – Südtiroler Marketing Gesellschaft. Welche Synergieeffekte erwarten Sie? Gamper: Wir brauchen Partner, die uns behilflich sind. Die SMG wird uns finanziell unterstützen. Und auch der Showteil ist ganz darauf ausgelegt, dass sich Südtirol den Zusehern präsentiert. Da tritt zum Beispiel der Coro della Sat auf und singt „La Montanara“, ein Lied, das eigens für diesen bekannten Bergsteigerchor komponiert wurde. Und während der Chor singt, werden filmische Eindrücke aus ganz Südtirol gezeigt. Ein weiterer Höhepunkt ist ein Medley aus den größten Erfolgen der Kastelruther Spatzen, und schließlich präsentiert Reinhold Messner einen Kurzfilm, in dem er seine Heimat Südtirol darstellt, so wie er sie sieht. Der Showblock ist sehr gelungen wie ich finde. Noch dazu ist 2002 das Jahr der Berge, und da wollen wir unsere schöne Bergwelt auch in den Vordergrund stellen. Denn 86 Prozent der Fläche Südtirols liegt über 1000 Metern Höhe und es gibt rund 10.000 Berggipfel.

mw: Im vergangenen Jahr gab es Missverständisse bei der Ted-Wahl. Was wollen Sie ändern? Gamper: Der Ted wird im Prinzip auf die gleiche Weise funktionieren wie bisher, nur die Telefonnummern werden übersichtlicher angebracht. Die Zuseher haben teils im vergangenen Jahr missverstanden, dass sie nicht für die Teilnehmer aus dem eigenen Land stimmen dürfen. Bei den Deutschen Anrufern gab es daher 40.000 ungültige Stimmen. Die Nummer der Landsleute sollen beim Schnelldurchlauf der Songs jetzt gar nicht aufscheinen.

mw: Wie konnten sie Norbert Rier, den Sänger der Kastelruther Spatzen, für die Moderation gewinnen? Gamper: Es war nicht leicht, ihn zu überreden. Aber ich bin mir sicher, dass er seine Sache sehr gut machen wird. Carolin Reiber, als langjährige Freundin dieses Landes, kommt später hinzu. Sie wird auch den Großteil moderieren, aber Norbert Rier ist immer wieder mit dabei. Zudem eröffnet Norbert Rier als Gastgeber die Sendung, zunächst im Anzug, und erst später wird er die übliche Tracht anziehen.

mw: Welche Zielgruppe sprechen Sie an? Gamper: Ich glaube, es sind nicht die ganz Jungen. Es ist eher ein Publikum ab 40 Jahren aufwärts, das wir ansprechen. Wir hoffen aber, dass heuer das Gewinnspiel, das wir zusammen mit der SMG unter den Ted-Anrufern durchführen, für die jüngeren Zuseher einen Anreiz bietet, einzuschalten und mitzumachen. Die Teilnehmer eines jeden Landes können eine Reise gewinnen: 14 Tage Urlaub für zwei Personen in einem Vier-Sterne-Hotel in Südtirol, das sie sich selbst aussuchen können. Und die Südtiroler Anrufer können auf eine eine Städtetour nach Zürich, Wien und Berlin hoffen. Ich finde, das sind tolle Preise. Und die Zuschauer müssen nur ihren Liebling wählen.

mw: Drücken Sie jemandem die Daumen? Gamper: Ich freue mich natürlich, wenn ein Südtiroler Act den Grand Prix der Volksmusik gewinnt. Aber prinzipiell haben alle einen Sieg verdient. Da muss man fair sein: Wer gewinnt, dem wird auch applaudiert.