Musik

Roundtable-Gespräch zur Kopierschutzproblematik

Seit Monaten machen deutsche Computerzeitschriften mit Anleitungen zum Kopierschutzknacken von Musik und Filmen Auflage. Im Streitgespräch bei musikwoche.de stellte sich „ComputerBild“-Chefredakteur Harald Kuppek den Vorwürfen der Verbandsvorsitzenden Gerd Gebhardt (Phono) und Bodo Schwartz (BVV/GVU).

musikwoche.de: Eine Titelstory Ihres Magazins hieß „Kopiergeschützte Musik kopieren – so geht“s“. Warum bringen Sie solche Geschichten?

Harald Kuppek: Aus einem ganz einfachen Grund: Weil sie die Leser interessieren und neue Leser an dieses Thema heranführen sollen. Wir tun das, was der Leser von uns verlangt, solange es sich in einem rechtlich zulässigen Rahmen bewegt.

mw: Dann ist also unstrittig: Ihre Leser wollen kopieren?

Gerd Gebhardt: Das ist doch immer die gleiche „Henne-Ei-Problematik“. Will der Leser das, was die Redaktion sich ausdenkt – oder will der Leser das, was die Redaktion dann lediglich nachvollzieht? Mit dieser Haltung habe ich so manches Mal meine Probleme.

Kuppek: Wenn die Auflage steigt, dann interessiert das Thema den Leser. Ob es ihn vorher schon interessiert hat oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Das sind Impulskäufer, die gehen an den Kiosk, sehen ein Thema, und sagen sich: „Das interessiert mich.“ Und wir liefern die Information. Ein „Henne-Ei-Problem“ gibt es dabei für mich nicht.

„Ich verstehe die Aufregung nicht“

Gebhardt: Ist es nicht eher so, dass Sie die Geschichte gebracht haben, und erst danach hat sie der Leser gewollt?

Kuppek: Im Fall von „ComputerBild“ möchte ich betonen, dass wir uns ganz bewusst als letzte Computerzeitschrift dieses Themas angenommen haben. Und noch eins: Es gibt jede Menge Zeitschriften, die Anleitungen geben, wie man Schritt für Schritt Musik oder Filme aus dem Netz überspielen kann. Das ist juristisch oft nicht zulässig. Dennoch haben Sie Geschichten dieser Art in „ComputerBild“ noch nie gelesen; das steht bei uns intern auf dem Index. Damit ließe sich aber sicher Auflage machen. Andere Kollegen machen davor jedenfalls nicht Halt. Viele stehen zudem wegen der aktuellen Baisse im Anzeigengeschäft mit dem Rücken zur Wand und überschreiten dann mitunter auch einmal die Grenze des Erlaubten. Das, was wir veröffentlichen, ist indes rechtlich unanfechtbar.

Bodo Schwartz: Aber Sie sind doch auch Urheber. Was würden Sie denn sagen, wenn Ihre Inhalte künftig kostenlos aus dem Netz auf E-Books geladen würden und niemand mehr Ihr Heft kauft?

Kuppek: Wenn die Rechtslage dies zuließe, wären wir sicher verärgert, könnten aber nichts dagegen unternehmen. Der Grund unseres heutigen Meetings ist jedoch Ihr Geschäft. Es ist doch nicht verboten, eine CD oder einen Film zu kopieren. Warum sollte ich das nicht dürfen? Sie kriminalisieren mit Ihren Aussagen eine Tätigkeit, die juristisch zulässig ist. Ich verstehe dabei die ganze Aufregung nicht. Ich kann zwar nachvollziehen, dass Sie auch mehr verkaufen würden, wenn das Brennen verboten wäre. Aber dafür sind wir als Zeitschriften doch die falsche Adresse. Sie sollten mit dem Gesetzgeber in Verbindung treten – ich weiß, dass die Musik- und Filmindustrie das tut. Wenn die Gesetze geändert werden, dann werden wir uns auch inhaltlich danach richten.

mw: Nun gibt es ja den Regierungsentwurf zum Urheberrecht. Hat das für Sie Konsequenzen?

Kuppek: Ich halte es für hanebüchen, was die Regierung da plant. Es ist bislang verboten, Software zu kopieren. Es ist aber zulässig, Musik und Filme zu kopieren. Nun will die Regierung das Kopieren von Software, Stichwort Sicherheitskopie für private Zwecke, liberalisieren, und das Umgehen des Kopierschutzes bei CDs unter Strafe stellen. Wir bei „ComputerBild“ geben unseren Lesern immer einen Gesetzesleitfaden mit auf den Weg: „Das darfst du, das darfst du nicht.“ Demnächst wird unsere Aufgabe also sein, das Ganze umzudrehen: „Alles, was bis jetzt verboten war, darfst du jetzt machen. Und alles, was du bislang durftest, ist ab sofort verboten.“ Da wird das Rechtsempfinden der Endverbraucher empfindlich gestört.

Schwartz: Wofür braucht der Verbraucher denn in seinem Wohnzimmer von einem Film oder einer CD eine Kopie?

Kuppek: Zum Beispiel weil er seine teuer bezahlte CD nicht der Hitze im Auto aussetzen will. Wenn ein Rohling im Wert eines Euro dabei beschädigt wird, dann brennt er sich eben eine neue Kopie.

Gebhardt: Das sind doch alles vorgeschobene Gründe. Einen Anspruch auf eine Kopie gibt es nämlich nicht.

Kuppek: Aber es ist auch nicht verboten.

„Wir werden juristisch vorgehen“ Gebhardt: Der Urheber muss in der Lage sein, sein Werk schützen zu dürfen und es freizugeben, wann er möchte. Die Zulässigkeit der Privatkopie ist ein Relikt aus den 80er-Jahren, als man erkannt hatte, dass eine Überprüfung der Kopiertätigkeit in den einzelnen Privathaushalten nicht zu kontrollieren ist. Daraus einen Anspruch auf eine private Kopie abzuleiten, ist falsch. Analoge Kopien waren damals auch keine Gefahr für unser Geschäft, da sie meist als Kopie des gekauften Originals für die private Nutzung – etwa im Auto – eingesetzt wurden. Heute ist die Situation anders: Oft wird das Original gar nicht mehr gekauft, sondern es wird kopiert. Entweder von Freunden oder aus dem Internet. Und falls es je das Recht der Kopie eines gekauften Originals gegeben hätte, könnten sich die heutigen Kopierer auch darauf nicht stützen, wenn sie kein Original erwerben. Sich juristisch aus der Verantwortung zu ziehen, indem man sich darauf beruft, nichts Verbotenes zu schreiben, und gleichzeitig mit Artikeln wie den erwähnten Anleitung zum Diebstahl zu geben, halte ich deshalb für ein Problem. Selbst diejenigen, die sich noch nie mit dem Thema CD-Brennen auseinandergesetzt haben, werden plakativ ans Kopieren herangeführt, weil Headlines wie „Nie mehr CDs kaufen“, wie in der Zeitschrift „PC Welt“, die Anleitung liefern.

Kuppek: Wenn die Kollegen so etwas schreiben, kann ich durchaus nachvollziehen, dass Sie sich darüber aufregen. Ich maße mir jedoch nicht an, hier die komplette Computerpresse in Deutschland mit zu vertreten. Das sind Schlagzeilen, die Sie bei uns noch nie gefunden haben und auch nie finden werden. Ich wäre ja genauso verärgert, wenn ich in der „FAZ“ lesen müsste: „Nie wieder ‚ComputerBild“ kaufen – einfach kopieren!“. Mein Auftrag heißt Auflage. Ihr Auftrag lautet, CDs zu verkaufen. Deshalb wollen wir unsere Leser sicher nicht dazu anstiften, keine CDs mehr zu kaufen.

Gebhardt: Sie vertreten nun einmal das größte Magazin in diesem Bereich. Und als der Größte hat man ja auch immer eine gewisse Verantwortung für alle.

Kuppek: Dessen sind wir uns auch bewusst.

Schwartz: Einen gemeinsamen Nenner mit Ihnen oder anderen Computerzeitschriften wird es nicht geben, weil Sie von solchen Stories leben. Sobald die Umsetzung der EU-Direktive zur Novellierung des Urheberrechtsschutzgesetzes vollzogen ist, werden wir juristisch gegen die Hersteller von Kopierschutzknackern und Ripping-Programmen vorgehen und zwangsläufig auch gegen die Publikationen, die sie befördern und gegen die Händler, die sie verkaufen.

Kuppek: Und wie wollen Sie gegen die vorgehen?

Schwartz: Das sage ich Ihnen jetzt nicht. Wir sind ein wehrhaftes Bergvolk.

Kuppek: Wie wollen Sie denn gegen entsprechende Hacker-Software vorgehen? Ein Beispiel: Wer Premiere-Pay-TV empfangen, aber nicht dafür bezahlen will, findet im Internet jede Menge illegale Adressen mit aktuellen Codes. Wird eine Adresse dicht gemacht, tauchen zwei neue wieder auf. Wie wollen Sie denn gegen dieses Geschwür vorgehen?

Schwartz: Das erfahren Sie bei Zeiten.

Gebhardt: Uns geht es darum, dass hier eine Art Schwarzmarkt entstanden ist, den niemand mehr kontrollieren kann.

Kuppek: Sie wollen also einerseits Ihr Geschäftsmodell retten, andererseits gibt es aus Konsumentensicht nachvollziehbare Kopiergründe. Warum also nicht einen Kopierschutz einführen, der das Abspielen der CD nur auf den Geräten der rechtmäßigen Käufer erlaubt, beispielsweise per Code?

„Das hat etwas mit Moral zun tun“ Schwartz: Das passiert ja bereits.

Gebhardt: Technische Möglichkeiten sind nicht das Problem. Aber das ist nicht das Entscheidende. Wir sind ja schließlich keine CD-Hersteller; wir sind Musikproduzenten. Wir verkaufen primär Musik. Die CD wurde nicht von uns entwickelt. Wir als Musikbranche sind in erster Linie daran interessiert, Musik herzustellen, zu finanzieren und dann zu verkaufen. Völlig egal, auf welchem Träger, und wenn es morgen ein alter Gummireifen wäre. Und in der Tat: Noch nie wurde so viel Musik konsumiert wie zurzeit. Nur verdienen wir immer weniger daran. Die Leute kaufen nicht mehr, weil sie Musik umsonst bekommen, und Artikel wie die Ihren beschleunigen das Phänomen.

Kuppek: Wäre die schwer zu kopierende DVD-Audio nicht eine Lösung?

Gebhardt: Abgesehen davon, dass dadurch die Produktionskosten immens steigen, gebe ich Ihnen Recht. Nur: Was machen wir mit den Milliarden CDs, die bereits ungeschützt verkauft sind? Und was machen wir mit den Millionen von Songfiles im Netz?

Kuppek: Haben DVD-Audio und SACD eine Chance?

Gebhardt: Natürlich. Aber heute basieren noch 95 Prozent unseres Geschäfts auf der CD. Und hierfür brauchen wir Lösungen.

Kuppek: Was wollen Sie also tun?

Gebhardt: Wir haben das intern schon oft diskutiert. Wir könnten hervorragend mit den Geräteherstellern zusammenarbeiten und es technisch reglementieren, wann ein Urheber sein Werk freigibt. Das geht aber nur im Einklang mit der Hardware-Seite. Dann könnten wir gemeinsam etwas bewegen. Derzeit steht jedoch Philips konträr zu unserer Position.

Kuppek: Musik-CDs kann ich eins zu eins kopieren, in gleicher Qualität und Länge. Bei DVDs geht das derzeit noch nicht, weil auf Rohlinge nur etwa 80 Minuten passen. Nun kommen demnächst DVD-Player auf den Markt, die DVDs mit DivX-Formaten abspielen können. Dann ist DVD-nahe Qualität bei der Kopie möglich. Wie gehen Sie mit dieser Bedrohung um?

Schwartz: Wenn das Urheberrechtsgesetz wie gewünscht Bundestag und Bundesrat passiert, dann wird auch DivX anfechtbar. Aber erlauben Sie mir eine Gegenfrage: Wenn Sie bei Musik-CDs noch ein paar schamhafte Gründe für eine Kopie finden können, sagen Sie mir doch bitte einen Grund, warum Sie Filme kopieren wollen. Sie haben mit der DVD das beste Medium, das es gibt. Und dann wollen Sie mit großem Aufwand eine minder qualitative Kopie erstellen? Welchen Grund kann es dafür geben, außer der illegalen Absicht, den Inhalt weiterzureichen?

Kuppek: Ich stimme ich Ihnen bei Filmen zu. Aber es gibt leider zu viele Beispiele dafür, dass bestimmte Koppelungen oder auch Originalalben nur wenige Monate nach Erscheinen schon wieder gestrichen werden. Wenn ich die CD im Auto abspiele oder verkratze, kann ich sie nicht mehr nachkaufen. Hier hilft eine Sicherheitskopie.

Gebhardt: Das Kopieren ist aber nicht nur ein Problem der großen Tonträgerfirmen – besonders die kleineren Unternehmen leiden darunter. Wenn es so weiter geht, werden die Kleinen ziemlich schnell pleite sein. Wie übrigens auch die Einzelhändler. Das derzeitige Händlersterben ist unfassbar, wirtschaftlich ein Desaster. Ich habe ein Problem damit, wenn man aufgrund von Auflage oder von sogenannter Konsumentennachfrage Themen offensiv besetzt, von denen man genau weiß, dass sie einen ganzen Wirtschaftszweig im Mark erschüttern. Es müsste Ihnen als Berichterstatter doch genügen, zu vermelden, dass verschiedene Plattenfirmen nun Kopierschutz auf ihre CDs packen. Sie müssen doch nicht auch noch beschreiben, wie man diesen knackt. Das ist so, als würde „auto, motor und sport“ erklären, wie sich Wegfahrsperren außer Kraft setzen lassen, oder „Schöner wohnen“, wie man Haustüren aufbricht. Das hat etwas mit Moral zu tun. Zwar ist das Recht auf Ihrer Seite, Sie dürfen das schreiben. Doch das Resultat dabei ist: Das Entertainmentbusiness, das auf kreativer Leistung und auf geistigem Eigentum beruht, geht wirklich vor die Hunde. Den Normalbürger interessiert das vielleicht nicht. Sein Entertainmentbudget ist verplant für allerlei Wünsche vom Mobiltelefon bis hin zur DSL-Flatrate; nur die Musik kann er sich umsonst besorgen.

Kuppek: Ich verstehe eines nicht: Sie sagen, das ist Diebstahl. Aber wenn ich für mich privat eine Kopie eines gekauften Originals mache, ist es kein Diebstahl. Reden Sie also von einem moralischen Diebstahl?

Gebhardt: Wenn Sie das privat tun, dann haben wir gar kein Problem damit.

Kuppek: Wo ist dann Ihr Problem?

„Ich verstehe diese Doppelmoral nicht“

Gebhardt: Sie geben Privatleuten die Anleitung. Und die machen zum Teil Hunderte von Kopien und geben sie weiter oder verkaufen sie sogar.

Kuppek: Sie können doch auch bei uns nachlesen, dass niemand das Recht hat, hunderte Kopien zu erstellen. Und da muss ich noch einmal auf das Thema Kopierschutz zurückkommen. Fakt ist, und da bin ich zu 100 Prozent auf der Seite der Verbraucher: Solange rechtlich die Möglichkeit besteht zu kopieren, stört mich logischerweise ein Kopierschutz. Also versuche ich, ihn zu umgehen. Das macht es komplizierter und etwas teurer. Nun gut, dann muss ich diese Hürde eben auch noch nehmen. Wenn das der Gesetzgeber verbietet, dann finden Sie auch keine „Umgehungspläne“ mehr in den Zeitschriften – zumindest nicht in denen von verantwortungsvoll handelnden Chefredakteuren. Ich verstehe diese Doppelmoral nicht. Auf der einen Seite kassieren Sie GEMA-Gebühren, auf der anderen Seite sagen Sie: Wir sind gegen Kopieren. Dann schaffen Sie doch bitte die GEMA ab und setzen Sie sich für ein generelles Verbot des Kopierens ein. Und akzeptieren Sie keine Pfennigbeträge mehr als Almosen. Das wäre meiner Ansicht nach eine klare Richtung.

Gebhardt: Wir kassieren nicht von der GEMA, wir zahlen vielmehr an die GEMA.

Kuppek: Die GEMA zahlt aber „Kopierabgaben“ an die Künstler.

„Moral ist ein sehr dehnbarer Begriff“

Gebhardt: Die GEMA zahlt an die Autoren, die Komponisten und die Verleger. Sie spielen auf die Leermittelabgabe auf CD-Rs an. Dort gibt es einen Vergütungssatz von sechs Cent pro Stunde. Das wird dann aufgeteilt auf mehrere Empfängerkreise. Wir sprechen hier nicht über adäquate Vergütungen, sondern über nahezu nichts, über Peanuts. Selbst die Bundesregierung hat festgestellt, dass diese Vergütungssätze, die seit 1985 unverändert bestehen, viel zu niedrig sind. Doppelte Moral lasse ich mir nicht vorwerfen, weil die dort zu finden ist, wo Dinge vermeintlich zum Wohle des Verbrauchers beschrieben und die Urheber des geistigen Eigentums gleichzeitig geschädigt werden. Wo bleibt da die Moral?

Kuppek: Wenn das für Sie eine Aufforderung zum Diebstahl ist – warum gehen Sie dann nicht dagegen vor?

Gebhardt: Weil es – wie Sie vorhin bereits anmerkten – derzeit juristisch nicht anfechtbar ist.

Kuppek: Über Moral können wir gerne diskutieren. Dann sollten wir aber – mit Verlaub – die Kirche noch mit dazu holen. Moral ist für mich ein temporär sehr dehnbarer Begriff. Was heute moralisch ist, war vor 50 Jahren undenkbar. Das sind Begriffe, über die man schlecht diskutieren kann. Da gibt es immer unterschiedliche Meinungen.

„Wir werden keinen Konsens finden“

Gebhardt: Wenn wir weder über juristische noch über moralische Gesichtspunkte diskutieren, dann können wir uns überhaupt nicht mehr unterhalten.

Schwartz: Es geht wohl weniger um Moral als um geschäftliche Ethik.

Kuppek: In dieser Angelegenheit kann man nicht moralisch diskutieren. Wir können uns aber sehr wohl über die Gesetzgebung unterhalten. Auf dieser Basis sollten wir uns bewegen. Über Geschäftsethik zu diskutieren, finde ich fast lächerlich. Welcher Kaufmann ist denn ein zutiefst moralisch handelnder Mensch? Das ist ein Widerspruch in sich selbst. Jeder ist doch auf seinen persönlichen Vorteil bedacht. Wir sollten über momentanes Recht sprechen und über das Recht, wie es vielleicht in einem Jahr aussehen kann. Das fände ich spannend: Was verlangen Sie vom Gesetzgeber? Und was erwartet der Endverbraucher? Das wäre doch eine schöne Geschichte: Wir formulieren ein Kompromisspapier und schicken es als Vorschlag an die Bundesregierung.

Schwartz: Nur werden wir da keinen Konsens finden.

Kuppek: Warum denn nicht? Wenn sich die Gesetzeslage ändert, werden wir das selbstverständlich respektieren. Unser Interesse ist ja nicht, der Unterhaltungsbranche zu schaden.

dramatisch…

… stellt sich die Lage für die weltweite Tonträgerindustrie dar, wenn man den Piraterie- report der IFPI für das Jahr 2001 studiert. Rund 40 Prozent aller verkauften CDs und Cassetten waren in 2001 Piratenware – weltweit insgesamt rund 1,9 Milliarden Stück im Wert von rund 4,4 Milliarden Euro. Dabei stieg der Anteil des CD-Formats an den Stückzahlen von 2000 auf 2001 überproportional an und überrundete mit 51 Prozent erstmals die Musik-Cassetten. Dieses Wachstum geht nahezu ausschließlich auf das Konto der CD-R: Deren Anteil hat sich in nur einem Jahr auf 450 Millionen Einheiten verdreifacht – in 2000 war erst jedes zehnte Piraterieprodukt eine CD-R, in 2001 bereits jedes vierte.

Zum Siegeszug der illegalen CD-Rs trägt die einfache Handhabung der CD-Brenner ebenso bei wie der günstige Preis der Hardware und der Rohlinge und damit auch der Piratenware. Dabei veröffentlicht die IFPI in ihrem Report lediglich die Zahlen für den kommerziellen Piratenmarkt – eine Statistik des Kopierens für private Zwecke ist nicht darin enthalten. Aber die Schäden, die der Branche durch die erlaubte private Vervielfältigung per CD-Brenner entstehen, sind bekannt und nehmen immer bedrohlichere Ausmaße an: In Deutschland wurden laut GfK im Jahr 2001 182 Millionen Rohlinge mit Musik bespielt; das Knacken des Kopierschutzes hat sich sozusagen zum Volkssport entwickelt. Und deshalb geraten nach der Musik-CD auch die DVD und Games unter Druck.

Die diversen Computerzeitschriften trugen mit entsprechenden „Service“-Artikeln zum Zweck der Auflagensteigerung zum fragwürdigen Knacker-Boom bei – Grund genug für musikwoche.de, den Chefredakteur des Marktführers „ComputerBild“, Harald Kuppek, zum Roundtable-Gespräch mit den Vorsitzenden der Musik- und Videoverbände in die Redaktion einzuladen. Die Runde fand wenige Tage vor der Vorlage des Regierungsentwurfs zur Urheberrechtsnovelle statt. Sie könnte zumindest zur Klärung der Fronten beitragen.