“Diese Platte ist sicherlich nicht unsere letzte“, sagt Peter Plate. „Aber sie ist ein Zustand und ein Zwischenbericht unserer Seele. Es ist zum ersten Mal in all den Jahren ein merkwürdiges Gefühl, sie anderen Menschen vorzuspielen.“ Die Künstler mögen zwar ein merkwürdiges Gefühl verspüren – beim Zuhörer stellen sich mit dem neuen, dem neunten Album von Rosenstolz hingegen eher Glücksgefühle ein. Es heißt schlicht und einfach „Herz“ und belegt mit einem Dutzend Glanznummern, dass AnNa R., Peter Plate und Ulf Leo Sommer als Dritter im Bunde eben dieses auf dem rechten Fleck tragen. In den intensiven Texten geht es um Basis-, aber nicht um Banalwahrheiten; alles dreht sich um die verschiedenenen Aspekte der Liebe und damit des Lebens, wie sie jeder kennt. „Wir haben uns getraut, unser Leben auf Papier zu bringen“, sagt Plate. „Irgendwie ist dieses Album auf der Suche nach Liebe: Liebe, die wir bekommen haben, Liebe, die wir gegeben haben, Liebe, nach der wir uns sehnen. Und es ist auch voll von Liebe, die sich wohl nie erfüllen kann.“
Erfüllen dürften sich indes alle Hoffnungen, die Rosenstolz und ihre Plattenfirma auf das kommerzielle Abschneiden der Platte setzen. Denn die vorab veröffentlichte Single, „Liebe ist alles“, stieg vorige Woche hoch in den Charts ein, und der Auftritt im Rahmenprogramm der deutschen Vorentscheidung zum Grand Prix am 19. März in Berlin dürfte die Aufmerksamkeit massiv aufs Album lenken, das am Montag, dem 22. März, in den Läden stehen soll. Zudem schließ sich mit Start am 15. April in Berlin eine ausgedehnte Deutschlandtournee an, die am 12. Juni, ebenfalls in Berlin, ihren Schlusspunkt finden wird. Dass auch diese Konzertreise triumphal ausfallen wird, daran gibt es kaum Zweifel: Bei den bisherigen Live-Shows steigerte sich der Zuspruch von Jahr zu Jahr. Wer Rosenstolz einmal live erlebt hat, kommt offensichtlich gern wieder und empfiehlt das Ereignis auch weiter. Beste Empfehlungen hat indes auch „Herz“ verdient. Mit dem neuen Album erreicht Rosenstolz nach 13 Jahren Karriere einen kreativen Höhepunkt, was sich im ebenso abwechslungsreichen wie packenden musikalischen Konzept zeigt. Das geht zum Einstieg mit „Willkommen“ los – rau, aber herzlich rockend wie noch nie zuvor. Wo früher oft Elektronik à la Soft Cell dominierte, greifen Peter Plate und sein Gatte Ulf Leo Sommer nun tief ins Arsenal des Gitarrenrock. Und dennoch bleibt auch genug Raum für eine kesse und unwiderstehliche Clubnummer wie „Eine Frage des Lichts“ oder für besinnliche, wenn nicht gar melancholische Chansons wie „Das Beste im Leben“ oder – ein weiteres Highlight! – „Gib mir mehr Himmel“. Mit der Ballade „Augenblick (Dezember)“ klingt alles glaubhaft sentimental aus. So kriegen Rosenstolz auf „Herz“ mit Bravour die Kurve vom kraftstrotzenden Bekenntnis zu großen Gefühlen über Sehnsucht und Selbstzweifel bis hin zum elegischen, innigen letzten Augenblick. Und dafür muss man sie einfach lieben.



