In der Popmusik gilt eine Pause von vier Jahren als nicht ganz risikofrei. Im schnelllebigen Geschäft mit Stars und Sternchen kommt es schon einmal vor, dass eine Band, die ein bahnbrechendes Album vorgelegt hat, beim zweiten Streich schlichtweg übersehen oder ignoriert wird. Davor haben Torbjorn Brundtland und Svein Berge allerdings keine Angst, auch wenn für sie von vornherein feststand, dass sie den Erfolgssound ihres Debütalbums auf keinen Fall kopieren wollten. „Für einen Außenstehenden mögen vier Jahre eine lange Zeit sein“, erklärt Svein Berge, „aber wenn man nicht ständig seine Karriere im Auge hat, sondern sich auch noch um die wichtigen Dinge seines Lebens kümmert, kommt mir der Abstand zu unserem Debüt normal vor.“
Diverse Aufforderungen von seiten der Plattenfirma, doch endlich das neue Songmaterial abzuliefern, haben die beiden Musiker nach eigenen Aussagen weitgehend ignoriert. „Uns war von Anfang an klar“, so Torbjorn Brundtland, „dass wir nicht eine blasse Kopie unseres ersten Albums abliefern wollten. Und natürlich wollten wir uns nicht komplett neu erfinden, sondern schon etwas von dem bewahren, was Röyksopp einzigartig macht.“ Das ist den beiden auf „The Understanding“ auch gelungen: „Dank unseres Erfolgs waren wir in der Lage, völlig befreit an die Sache heranzugehen. Wir haben unser Geld in einen besseren Computer und viel altes Analog-Equipment investiert“, berichtet Svein Berge. Dies machten sie, um noch besser nach neuen Klängen forschen zu können: „Wir wollten nur Sounds verwenden, die nicht schon tausendmal benutzt wurden.“ Das neue Album klänge daher viel rauer und direkter als das Debüt. „Bei Röyksopp standen immer schon Melodie und Atmosphäre eindeutig im Vordergrund. Daran hat sich auch diesmal nichts geändert – mit dem Unterschied, dass wir alles nicht mehrs so sehr aufpoliert haben.“ Die größte Gefahr im Studio besteht laut Torbjorn Burndtland darin, sich zu langweilen – „und deshalb vermeiden wir es auch, wo es nur geht, nach bestimmten Formeln zu arbeiten“. Trotzdem klingt „The Understanding“ nicht weniger abwechslungsreich als das erste Album. „Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass wir heute sehr viel genauer wissen, was wir tun.“
Mitgeholfen haben wieder einige Gastmusiker, wobei die Auswahl – Chelonis R Jones (Get Physical Records), Karin Dreijer (The Knife) und Kate Havnevik (Circuit Breaker) – zeigt, dass das Duo keinen Wert auf bekannte Künstler legt. „Nur wenige Sänger oder Sängerinnen verfügen über Stimmen, die aus der Masse herausragen“, sagt Svein Berge. „Das übliche Namedropping haben wir nicht nötig.“ Dass Röyksopp zu den aufregendsten Elektronik-Formationen der Gegenwart zählen, untermauern sie mit „The Understanding“ auch ohne „große“ Namen eindrucksvoll.


