Musik

Rock me Rudolf

Wollen Sie die musikalisch Gestaltung der Weihnachtszeit auch dieses Jahr dem Radio überlassen? Diese Alben bringen auch Tannenbaum-Muffel wohlgelaunt über die Feiertage.

Denn spätestens – allerspätestens – am Weihnachtsabend wird man wieder mal feststellen, dass treue musikalische Begleiter durchs Jahr plötzlich sträflich den Dienst versagen. Heiligabend mit Sido oder Green Day – in etwa so erbaulich wie 50 Cent als Nikolaus, wahlweise Tina Turner als Engel der Weihnacht.

Zumindest einen akustischen Feiertags-Notnagel sollte man daher sein Eigen nennen. Besser noch mehrere: Schließlich reden wir über mindesten drei Tage, in denen es gilt, das Christkind vorm Hörsturz zu bewahren. Wir haben für Sie einige Alben zusammengestellt, mit denen man problemlos über die emotionalen Klippen der Feiertage kommt – Bescherung und Cholesterin-Schock eingeschlossen.

Gehen wir’s ruhig rockig an: Die Kompilation „Have Yourself A Merry Little Christmas“ ist zwar nicht mehr brandneu, aber beim Thema „Rock meets Rentier“ immer noch vorbildlich. Ob Sting, ob U2 – sei’s Whitney Houston, sei’s Stevie Nicks – 15 äußerst klangvolle Namen präsentieren hier ihre Versionen von X-Mas-Songs, die offenhörbar nicht ausschließlich zum Geldverdienen produziert wurden.

Zugegeben: Spätestens bei Nummern wie „Christmas In Hollis“ von Run DMC scheiden sich die Geister der Weihnacht. Aber das Frohe Fest neigt ja insgesamt zur Polarisierung.

Etwas kuscheliger gefällig? Oder kommen am Ende gar Freunde zum weihnachtlichen Besuch, die über profanen Rock Näschen rümpfen und Öhrchen verschließen? Ein Fall für Krall. Diana Krall, um genau zu sein. Auch die kanadische Sängerin und Pianistin konnte wohl der Verlockung nicht widerstehen, kurz vorm Fest ein Weihnachtsalbum auf den Markt zu werfen.

Aber wenn’s so virtuos und stilsicher gemacht ist wie „Christmas Songs„, sei der kommerzielle Grundgedanke zugunsten der künstlerischen Leistung gern verziehen. Jazz geht’s los, das Fest der Liebe.

Der Klassiker, richtiger die Klassiker: Frank Sinatra, Dean Martin und Sammy Davis. wieder vereint auf „Christmas With The Rat Pack„. Da schmilzt nun wirklich jedes blitzvereiste Herz.

Und machen wir uns doch nichts vor: Dass in den 60er Jahren der Schnee höher, die Lichter heller und Flocken wie Kugeln dicker waren, ist doch allgemein bekannt. Kein Wunder, bei solchen hochromantischen Swing-Nummern. Da fehlt eigentlich nur noch Bing „White Christmas“ Crosby – aber man kann eben auch zu Weihnachten nicht alles haben.

Bevor’s jetzt aber doch noch ins Kitschige abgleitet, schnell den Schwenk Richtung Absurdistan: Rockabilly-Rebell Brian Setzer lebt mal wieder sein Faible für Bigband-Sound aus und macht uns auf „Dig That Crazy Christmas“ schwer Feuer im Kamin. Da wird gerockt, gerollt und geswingt, dass es nur so eine weiße Pracht ist.

Stimmt einen zwar eigentlich mehr besinnungslos als besinnlich, ist aber ein wunderbares Mittel gegen nachweihnachtsgänsliche Bräsigkeit. „Schrihiille Nacht!“

Dass Vonda Shepard fantastisch singen kann, weiß jeder, der schon mal Ally McBeal gesehen hat (und das ist eigentlich fast jeder). Dass auch der Rest des McBeal-Ensembles veritable Stimmen hat, zeigt die Zusammenstellung von Weihnachtssongs der Kultserie „A Very Ally Christmas„: „Santa Baby“, „White Christmas“, „Let it snow“ – keine Exoten dafür charmante Interpretationen von Profis (Vonda Shepard) und Semi-Profis (alle anderen).

Knappe 38 Minuten Serien-Reminiszenz von Robert Downey jr., Jane Krakowski und natürlich Calista Flockhart, der Queenmum aller anorexischen TV-Neurotikerinnen. Für Fans, Sympathisanten … – eigentlich für jeden. Typisch Ally eben.

Haben Sie wirklich geglaubt, wir lassen’s nicht ins Rührseelige reinrutschen? Wenn nicht zu Weihnachten, wann dann? Außerdem ist so ein emotionales Vollwaschprogramm samt Weichspüler ja auch nichts Negatives. Wenn dann noch Sarah Connor … SARAH CONNOR??? Genau: Sarah Connor! Ja, ja, ja: Die medial erwürgte Hochzeit mit Herrn Terenzi, ein dazu passendes Kindelein, sogar das Cover ihres Weihnachtsalbums „Christmas In My Heart“ – alles kaum zu ertragen.

Aber das Album selbst: wirklich nett. Pendelt unaufdringlich zwischen Soul und Pop, findet den richtigen Ton samt passender Atmosphäre – und beim Kauf wird auch noch die künstlerische Region Deutschland unterstützt. Und zu Weihnachten soll man ja den Ärmsten der Armen …

So. Schluss jetzt aber. Sonst sitzen Sie noch am Heiligabend da und lesen diesen Artikel. Wer bis jetzt keinen passenden Soundtrack zur Bescherung gefunden hat, dem können wir sowieso nicht helfen. Davon abgesehen, hat Weihnachtsmusik etwas Homöopathisches. In zu großen Einheiten – oder gar zur falschen Jahreszeit – führt sie zu Anfällen von Würgreiz und Schlimmerem. In kleinen Dosen erhöht sie jedoch den seelischen Wohlfühlfaktor beträchtlich – und das ist zu Weihnachten doch wohl das einzige Ziel, das zählt. Neben einem komplett abgehakten Wunschzettel natürlich.