Musik

Rob Dougan: Die Reifeprüfung

Der Remixer, Produzent und Komponist Rob Dougan aus Australien zählt zu den großen Visionären des Pop-Business – und zu den höchst verschuldeten. Das soll sich ändern. Mit „Furious Angels“ (Cheeky/BMG Ariola München) will er in die Pop-Charts.

Wer sechs Jahre an einem Dutzend Songs bastelt, ist entweder ein Perfektionist – oder einfach nur Rob Dougan. Ein Sunnyboy mit musikalischer Vision: Opulente Klanggebilde aus Computer-Beats und orchestralem Pathos, zu denen der Absolvent des National Institute Of Dramatic Arts mit Reibeisenstimme über Liebe und Verlust sinniert – und bei der Industrie lange auf taube Ohren stieß. „Anfangs wollte niemand ein Risiko mit mir eingehen.“ Seine Produktionsweise war vielen Firmen zu aufwändig. Bis er den Weg durch die Hintertür fand – beim Label Cheeky von Rollo Armstrong (Faithless), das ihn unter Vertrag nahm.

Ein Deal mit Selbstbeteiligung – für Dougan nichts Neues: Schon seit den frühen 90er-Jahren, als er von Sydney nach London zog, steckt er jeden Penny in Equipment, Sessionmusiker und Studiozeit. Drei Dinge, von denen er nie genug bekommt – auch wenn sie ihm hohe Schulden bescheren. „Das ist meine Arbeitsweise“, sinniert Dougan. „Für die letzten drei Songs des Albums habe ich 122 Leute engagiert – was jedes Budget sprengt.“ Doch der Aufwand hat sich gelohnt: „Furious Angels“ (Bestellnummer: 21 96363-2, VÖ: 27. Januar) ist einer der ambitioniertesten Longplayer der letzten Jahre. Eben, weil es keinem Trend folgt und dennoch hohes kommerzielles Potenzial besitzt.

Eine denkwürdige Mischung, die zeigt: Mut zum Risiko lohnt sich. Und dieser Ansatz zieht sich wie ein roter Faden durch die zwölfjährige Karriere des Multi-Instrumentalisten, dessen erste Großtat aus dem Jahr 1995 datiert. Damals veröffentlichte er auf Mo‘ Wax die Single „Clubbed To Death“, die heute zu den Pioniertaten der elektronischen Musik zählt – damals aber nur Platz 155 der UK-Charts erreichte. Doch der stete Einsatz in Werbespots für Nissan oder Carlsberg, Soundtracks wie „The Matrix“ oder TV-Shows wie „Wer wird Millionär“ machten die Nummer zum Klassiker – und Dougan zur Kultfigur. Es folgten Remix-Offerten von U2 oder Moby, die er wegen latenter finanzieller Engpässe annahm – um dadurch wieder in neue zu geraten. „Normalerweise hat man ein bestimmtes Budget und bekommt ein Honorar. Unglücklicherweise stecke ich beides in die Produktion. Der letzte Moby-Remix hat mich 100 Pfund mehr gekostet, als ich daran verdiente. Aber ich wollte etwas machen, auf das ich stolz bin.“ Bei seiner deutschen Plattenfirma BMG ist das Debüt des Australiers Schwerpunkt im ersten Quartal 2003 – was sich in aufwändigen Promo- und Marketing-Aktivitäten in den Bereichen TV, Funk, Online und Club niederschlägt.