Das Hoch, das im Hause Roadrunner nun schon seit Monaten für Sonnenschein sorgt, hat einen Namen und heißt Nickelback. „Die guten Verkäufe lassen uns relativ entspannt auf das Jahr 2002 blicken“, erklärt Harry Landje, Sales Marketing Manager. „Sie zeigen gleichzeitig, dass Roadrunner ein Artist-Development-Label ist. Machine Head zum Beispiel sind als Debütanten total durchgestartet. Das gilt auch für Slipknot, selbst wenn sich dieser Act nur auf die Fans brutal harter Musik beschränkt.“ Die Stärke von Roadrunner war es stets, Bands zu entdecken und aufzubauen. Mit den Einnahmen aus den Nickelback-Verkäufen wird diese Linie nun verstärkt fortgesetzt. „Zur Zeit führen wir die ‚Helden von Morgen“-Kampagne durch, über die wir die Endverbraucher direkt auf unsere neuen Künstler ansprechen wollen. Das betrifft Ill Nino, und genauso arbeiten wir an Dry Kill Logic, Chimaira und Killswich Engage“, zählt Landje seine jungen Talente auf. „Nach dem Durchbruch mit Nickelback sind wir als Partner natürlich wesentlich gefragter, entsprechend viele Acts wenden sich an uns.“ Daneben erwarten die Metall-Spezialisten demnächst Alben von bereits eingeführten Gruppen wie Type O Negative, Soulfly und Jerry Cantrell (ex-Alice In Chains). Auch der deutsche Ableger profitiert vom warmen Regen, der über dem holländischen Indie niederging. „National werden wir aktiver werden“, verspricht Landje. „Bei lokalem A&R muss man mit langem Atem, Nachdruck und entsprechendem Budget zu Werke gehen. Sehr wichtig sind auch geeignete Partnerschaften mit Managements und Verlagen. Da ist definitiv Einiges zu erwarten.“ Er verweist ferner darauf, dass seine Company auch große Erfolge außerhalb des harten Genres erringen konnte.
Doch darüber vergisst die Kölner Company die Kostenseite nicht, denn besonders die Marketing-Ausgaben sind in den letzten Jahren drastisch angestiegen. „Du musst mit deinem Budget die richtigen Aktionen starten“, beschreibt Marketing-Managerin Birgit Wiekhof das Problem. Besonders bemüht sich Roadrunner um gemeinsame Kampagnen mit dem Handel. „Flyer-Werbung ist eine wichtige Maßnahme, die man nutzen muss, um eine erfolgreiche VÖ-Aktion durchzuführen, aber das war alles schon mal viel billiger“, rechnet Landje vor. Seine Firma „leistet sich seit Jahren den Luxus, ein Retail Department zu haben. Da entwickeln wir Konzepte, die wir fertig an den Vertrieb liefern. Es ist uns sehr wichtig, dass wir vom ersten Flyer bis zur Deko für den Handel eine durchgängige Linie fahren. Zudem halten wir so den direkten Kontakt zum Händler.“
In diesem Zusammenhang zollt er dem neuen Vertrieb Universal ein dickes Lob. „Im Vergleich zu den Vertrieben, die wir vorher hatten, ist Universal sehr agil. Sie haben eine sehr aktive Sales-Marketing-Abteilung, in der keine Infos verloren gehen. Wenn wir zum Beispiel ein neues Video von Ill Nino haben, ist sofort die gesamte Vertriebstruppe informiert. Sie reagiert darauf und platziert das Produkt entsprechend dem Promo- und Marketingumfeld im Handel. Das klappt sehr gut.“
Eine Marketing-Spezialität von Roadrunner sind die Street-Teams. Zuständig für ihre Organisation ist Roman Thiel, der seit Januar 2000 fester Mitarbeiter von Roadrunner ist. „Zu Beginn haben wir mit persönlichen Bekannten gearbeitet. Weitere Mitglieder fanden wir über spezialisierte Händler und über das Internet. Anfangs waren das 40 bis 50 Leute, mit denen wir die großen Metalfestivals besucht haben.“ Inzwischen umfasst das Roadrunner Street Team 300 Mitglieder im Alter zwischen zwölf und 34, die über ganz Deutschland verteilt sind. „Sobald die Leute von mir Material erhalten, treten sie in Aktion. Sei es auf dem Schulhof, im Bekanntenkreis, in Clubs, Discos und Konzerten“, berichtet Thiel.
Die Kommunikation läuft über die Firmen-Homepage, die einen Street-Team-Member-Bereich enthält. „Auf dieser Seite können sich alle gelisteten Street-Team-Mitarbeiter einloggen, die Website hat eine enormen Zulauf. Hier beraten die Mitglieder selbstständig über mögliche Aktionen.“ Im Gegenzug erhalten die ehrenamtlich tätigen Super-Fans Infos, freie Konzerttickets und natürlich den ersehnten Zugang zu ihren Idolen.



