Musik

Rilke Projekt, zweiter Teil

Poesie für die High-Speed-Gesellschaft

Neben den Komponisten und Produzenten des Projekts, dem Frankfurter Duo Angelica Fleer und Richard Schönherz, trafen sich mit Iris Berben, Udo Lindenberg, Laith Al-Deen, Zabine und Senait auch einige an der Produktion beteiligte Stars. Fleer und Schönherz zeigten sich begeistert von der Medienresonanz und konnten sich zudem darüber freuen, dass der Handel bereits vor VÖ über 30.000 Exemplare der neuen CD geordert hatte. Von „Bis an alle Sterne“, dem Debüt des Rilke Projekts, wurden seit Erscheinen 80.000 Einheiten verkauft, was auch Thomas M. Stein, President BMG Europe, in einer bewegenden Rede würdigte, in der auch eine Selbstkritik laut wurde: „Ich dachte, solche Platten ließen sich nur in homöopathischen Dosen verkaufen“, sagte er in Anspielung darauf, dass das Produktionsteam des Rilke Projekts zunächst bei keinem Poplabel in Deutschland das Interesse an einer Zusammenarbeit wecken konnte. Stattdessen ließ sich die Klassikabteilung von BMG unter der Leitung von Stefan Piendl begeistern und darf nun die Ernte ihrer Risikobereitschaft einfahren.

Selbst Rilkes Nachkommen zeigten sich vom Projekt beeindruckt. So schrieb der Enkel Christoph Sieber-Rilke an Schönherz & Fleer, „dass wir höchst angetan waren und dies immer mehr, je länger wir der CD zuhörten. Mir wurde selber klar, wie modern Rilke ist.“ Der Erfolg von „Bis an alle Sterne“ und „In meinem wilden Herzen“ lässt sich nicht alleine mit dem derzeitigen Hörbuch-Boom erklären, wie der in Frankfurt lebende österreichische Komponist, Texter, Arrangeur und Keyboarder Richard Schönherz sagt: „Ich glaube, dass gerade in unserer High-Speed-Gesellschaft viele Menschen Poesie vermissen, ohne es zu wissen.“ Romantisch, sensibel und gefühlvoll wie die Zeilen aus den Gedichten von Rainer Maria Rilke, die Rock- und Jazzstars wie Klaus Meine und Till Brönner, gestandene Mimen wie Karlheinz Böhm und Christiane Hörbiger und Leinwandstars der Zukunft wie Cosma Shiva Hagen eindrucksvoll sprechen, ist auch die semiklassische Musik, die zwischen schwelgerischen Orchesterklängen und Rockballaden manövriert. Gab es auf der ersten Folge nur ein paar gesungene Zeilen von Xavier Naidoo, so könnte man jetzt mindestens zwei Liedern Hit-Charakter attestieren: Neben dem Titelsong „In meinem wilden Herzen“ (gesungen von Laith Al-Deen) fasziniert vor allem das an Glashaus erinnernde „Bis wohin reicht mein Leben“. „In meinem wilden Herzen“ erscheint auf dem neuen Label nobutyes bei BMG Ariola Classics, das sich den Slogan „the art of contradiction“ aufs Banner geschrieben hat.